[>>]

Terrorie

Mittwoch, 18. November 2009

Kalter Entzug

Wie ja gemeinhin bekannt ist, bin ich nicht nur Chemi... äh, Schachprofi sondern auch Chemiker.
Solange dieser Blog existiert, wurde ich allerdings durchgehend von jenem Ort verschont, der für die meisten meiner Kommilitonen eine Art "alma mater" darstellt, für mich hingegen eher den "Vorhof zur Hölle". Das Labor.

Heute war es wieder soweit. Um 6:20, beim Klingeln des Weckers, welches aus dem unendlichen Jenseits direkt ins Gehirn zu hallen schien, war mein Sprung ins kalte Wasser vollzogen. Bis zum Jahresende warten über 5 Wochen Biochemiepraktikum auf mich. Das letzte Mal Labor, außer der möglichen Diplomarbeit. Aber vorläufig.

Immerhin, ich hatte mir das Wiedersehen mit dem Grauen der letzten 5 Jahre weitaus schlimmer ausgemalt. Die Symptome reichten von schlechtem Gewissen infolge ungenügender Vorbereitung auf die kommende Aufgabe über anhaltende Appetit- und Schlaflosigkeit in den letzten Wochen bis hin zu auschweifenden Selbstgesprächen über den Sinn des Lebens.

Aber wie gesagt, sooo schlimm war es jetzt gar nicht :-)
Mein Chef/Betreuer ist total nett und das, was ich zumindest heute erledigen musste, hat mich beileibe nicht übermäßig angestrengt, wenn nicht sogar ein wenig gelangweilt. Oft musste ich auch einfach herumsitzen und auf weitere Anweisungen warten, wie etwa beim Schach, wenn der Gegner am Zuge ist. An Überarbeitung werde ich da jedenfalls mit Sicherheit nicht zugrunde gehen.

Psychische Langzeitschäden infolge meiner Beschäftigung sind dagegen keineswegs unwahrscheinlich. Denn auch das hochmoderne HPLC-Spektrometer, an dem ich die meiste Zeit arbeiten muss, hat einen deftigen Knall. Alle 5 Sekunden (habe ich nachgemessen!), gibt es ein penetrantes, durchdringendes "Düt-Düt-Düt-Düüüt!" von sich. Der Schalter, der das elende Gerät zum ewigen Schweigen verdammen könnte, ist leider kaputt. Fragt sich natürlich, wozu diese Düt-Funktion überhaupt gut sein soll. Ein Folterwerkzeug?

Jedenfalls, bei einer sechswöchigen Beschäftigung mit dem Gerät, ausgehend von durchschnittlich sechs Stunden am Tag, wird also bis Weihnachten insgesamt etwa 130000 Mal das besagte Geräusch mein Trommelfell durchdringen. Frohe Aussichten! Wenigstens muss ich das Fest diesmal nicht im geschätzten Kreise der Großfamilie feiern, denn einige "Exemplare" bringen diese Anzahl an Wörtern auch gern mal im Laufe eines einzigen Abends heraus. Und da würde man am Liebsten teilweise echt zurück in die Arme des HPLC-Spektrometers fliehen.

Hier ein paar Bilder aus dem Chemie-Zoo:

P1432-01-_18-11-09
Das hochmoderne, aber extrem nervtötend piepende HPLC-Spektrometer


P1444_18-11-09
Eine Reagenzgläserfarm.

P1444-01-_18-11-09
Sooo viele bunte Farben, und alles so ordentlich! Das ist ein Frauen-Arbeitsplatz.

P1445_18-11-09
Beängstigende Apparaturen versperren den Blick in die Freiheit.


Freunde der Sonne! Passt gut auf was ihr studiert.... HEY! Hört auf so laut zu kichern...!!! Seht ihr nicht, dass ich leide?! ;-)

Mittwoch, 4. November 2009

Eine überaus trendy Partie

Dass es dieses Jahr in Deizisau durchaus nicht nur glatt lief, soll meine folgende Partie aus der dritten Runde gegen den jungen Paul Bogenschütze bezeugen. Ich möchte gerne demonstrieren, wie wichtig es ist, genaustens auf Trends und Schlüsselmomente zu achten, und dass so ein negativer Trend, erstmal Fahrt aufgenommen, so stark und intensiv sein kann, dass er sich gerne mal über eine 400 ELO-Punkte-Differenz hinwegsetzen kann. Trotz der oberflächlichen Einfachheit ist dies eine Partie, aus der ich sehr viel gelernt habe.

Schneider,Ilja (2500) - Bogenschuetze,Paul (2067) [A45]
Deizisau op 4th (3), 30.10.2009

1.d4 Sf6 2.Lg5 d5 Weiß hat eine extravagante Eröffnung gespielt und Schwarz darauf klassisch gekontert und ausgeglichen. Das kann man bereits an dieser Stelle so sagen. Mit seinem nächsten, ziemlich unbedachten Zug leitet Paul allerdings einen furchtbaren Trend gegen sich ein. 3.e3 h6? Dieser Zug kam sehr schnell. Mein Gegner begründete ihn in der Analyse in etwa mit: " Ich war mir nicht so sicher und wollte erst einmal die Verhältnisse klären." Das hat er zwar geschafft, aber er spielt von nun an die normale Variante mit einem glatten Minustempo weiter. Zusammen mit der einhergehenden Schwächung des Feldes g6 (wird später wichtig!) kann man durchaus sagen, dass Schwarz statt 3...h6? lieber einfach "gecheckt", also ausgesetzt hätte. 4.Lxf6 exf6 5.g3 c6 6.Lg2 Sd7 7.Se2 f5 8.Sd2 Sf6 9.0–0 Le7?! Bisher hat er alles "linientreu" aufgebaut, aber der L gehört in dieser Variante auf die Diagonale b8-h2. Dort verhindert er das Erscheinen eines Springers auf f4, so dass sein anderer Läufer auf e6 Stabilität genießt. [9...Ld6 10.c4 dxc4 11.Sxc4 Lc7 12.Dc2 Le6 und der Kampf steht noch bevor.] 10.c4 dxc4 11.Sxc4

Bogen1

11...Le6
[Rybka findet an 11...g5!? zumindest oberflächlich nichts falsch. Damit könnte man immerhin versuchen, 3...h6 zu rechtfertigen.] 12.Dc2 0–0 13.Sf4 Hier fühlte ich mich total wohl. 13...Sd5? Das erzeugt deutlich zu viele Schwächen. Besser wäre hier [13...Lxc4 14.Dxc4 Ld6 15.Sd3 aber Weiß hat hier auf jeden Fall einen mittelgroßen Vorteil, da er einzige der beiden Spielpartner ist, der über einen sinnvollen Plan verfügt, nämlich einen Minoritätsangriff am Damenflügel.] 14.Sxe6 fxe6 Schwarz hat nun eine Menge weicher weißer Felder in seinem Lager - in allen Hinsichten eine Folge seines nachlässigen dritten Zuges.

Bogen2

15.Tac1
[15.e4! So ein dynamischer Zugang wird in Partien gegen deutlich wertungsschwächere Spieler oftmals vermieden - warum sich auch unnötigen Risiken aussetzen, wenn es auch "so" geht? Diese Denkweise ist für die Kreativität eines Spielers ganz schön gefährlich. Man sucht einfach nicht nach objektiv den besten Zügen, dabei kommen Momente, wo eine solche "scharfe" Lösung absolut vonnöten ist, weitaus häufiger vor, als man es gern hätte. Diese Partie bildet dabei keine Ausnahme. 15.e4! hat hier den Vorteil, das es dem Gegner keine Atempause gönnt. 15...fxe4 16.Dxe4 Weiß visiert schnell alle Schwächen an, der e6 wird fallen, der schwarze König friert. Noch ein Fehler und Schwarz wird gnadenlos überfahren.] 15...Lf6 Durch den Druck auf d4 und die Räumung der e-Linie ist jetzt an einen e4-Break nicht mehr sinnvoll zu denken. Also langsam voran. 16.a3 Kh8 [16...a5 17.e4! Keine Regel ohne Ausnahme! Hier kann der Springer nicht nach b4 und Weiß darf sich den Vorstoß doch leisten.] 17.b4 Sb6 18.Sa5 De7 [18...Tf7 ist etwas ökonomischer, natürlich hat Weiß auch dann großen Vorteil.] 19.Dc5! Tf7

Bogen3

Das ist der Schlüsselpunkt der Partie. Der Trend nach 3...h6 hat sich sehr vorteilhaft für mich entwickelt und auch, wenn die Chance 15.e4! ausgelassen worden ist, gingen mir die bisherigen Züge leicht von der Hand. Mein Gegner war die ganze Zeit mit seiner Entwicklung und dem Parieren meiner Drohungen beschäftigt, machte einige Fehler und konnte bisher überhaupt kein eigenes Spiel aufbauen. Weiß hat klaren Vorteil. Aber an diesem Punkt tritt ein Bruch ein. Um weiterzukommen, ist an dieser Stelle ein mittelintensives Nachdenken, gefolgt von einem Springereinschlag auf b7 nötig. Das ist fast keine Frage von Geschmack oder Stil, es MUSS einfach sein. Ich war dazu aber aus unerklärlichen Gründen nicht bereit, setzte im Stile von 15.Tac1?! fort und leitete damit einen Trend ein, der mir um ein Haar die Partie und das Turnier gekostet hätte.

20.Tc2?

[20.b5!? war eine "milde", aber auch noch ertragreiche Lösung: 20...cxb5 21.Sxb7 Tc8 22.Dxe7 Lxe7 23.Txc8+ Sxc8 24.Tc1 Sb6 25.Sc5 mit einem gigantischen Endspielvorteil - da fällt ja fast schon was raus.;

20.Dxe7 Txe7 21.Sxb7! Aber diese Zugfolge ist diejenige, die an meiner Stelle JEDER Großmeister gewählt hätte. Guckt euch die Stellung nach etwa 21...Txb7 22.Lxc6 Tab8 23.Lxb7 Txb7 24.Kg2+- an - sie ist für Weiß nicht nur besser, sondern ich bin überzeugt, dass sie sich zu einem Gewinn ausanalysieren lässt. Und im Prinzip wusste ich das ja während der Partie auch. Das ist ja gerade das Schlimme. Ich war zu faul, es wirklich zu tun, einfach in der Hoffnung, "die Partie werde einfach so weitergehen wie bisher, und der Punkt wird schon automatisch zu mir kommen." Weit gefehlt!]

Bogen9

20...e5 (?) Mein Gegner spielte das energisch, mit einem erleichterten Gesichtsausdruck. Dabei ist dieser Vorstoß an sich ein grober Fehler. Doch ich konnte das nicht mehr ausnutzen - ich ärgerte mich bereits, im Zug vorher nicht zugehauen zu haben, und jetzt das befreiende 20...e5 zugelassen zu haben. Die Trendwende war gelaufen. 21.Dxe7? [21.Sxb7! war jetzt nochmal stärker als zuvor - jetzt hängt auch noch der e5. 21...Dxb7 22.Lxc6 Db8 23.Lxa8 Sxa8 Was sonst? (23...Dxa8 24.dxe5) 24.Dc8+ Tf8 25.Dxb8 Txb8 26.dxe5 Lxe5 27.Tfc1 Sb6 28.Tc5 Lb2 29.Tb1! Lf6 30.Txf5+-] 21...Txe7 22.dxe5 Lxe5 23.Td1?! Die Kontrolle über die Partie geht mir verloren. [23.b5 Wäre noch einmal ein Versuch, etwas auf direktem Wege zu erzielen, aber nachdem ich die Stellung nach 23...cxb5 24.Lxb7 Tb8 25.Lg2 a6!± (ohne Angst vor 26.Sc6 Tc7!) sah, ärgerte ich mich, wie wenig es ist, mit dem Vergleich zu dem, was ich hätte nur vor wenigen Zügen haben können.] 23...Tf8! Wieder schnell gespielt. Der Turm ist in Sicherheit, der f5 gedeckt. Opfer auf c6 und b7 kann ich vergessen. Vergleicht das bitte mit der Stellung nach 19.Dc5 Tf7 - das ist nur 4 Züge her!
24.Tc5 Ein Trick, b7 hängt. 24...Sa4

Bogen4

Auch das kam sofort. Weiß hat jetzt zwei interessante Quallenopfer zur Hand, die auch beide ansprechend aussehen, aber im Endeffekt einfach nichts bringen. Wie sich herausstellte, hat mein Gegner sie auch gar nicht gesehen. Was manchmal auch ein Vorteil sein kann... 25.Tc2 Ein trauriger Rückzug, aber ich konnte mich einfach nicht entschließen, sofort zu opfern:

[25.Sxb7 Sxc5 26.Sxc5 Tf6 ist Ausgleich, und wenn ich es jetzt darauf anlege, den c6 zu gewinnen, dann kommt 27.Td7? Txd7 28.Sxd7 Te6 29.Sxe5 Txe5 30.Lxc6 Te6! und es heißt willkommen beim Kampf ums Remis!;

25.Txe5! ist da schon besser, aber nach 25...Txe5 26.Sxb7 c5! 27.bxc5 Sxc5 28.f4! Txe3 29.Sxc5 Txa3 habe ich so Zweifel an meinen technischen Fertigkeiten, diese Stellung gewinnen zu können (insofern das überhaupt möglich ist!)]

25...Sb6 Hier war ich frustriert, dachte noch kurz nach und verstand, dass ich würde doch opfern müssen, um irgendwie weiterzukommen. Aber dann beschloss ich, vorher noch am Königsflügel die Lage zu "verbessern" und zog 3 Sekunden später das unglaublich schlechte 26.h4? g5! 27.hxg5 hxg5= Was habe ich nur getan? Nur die schwarze Minderheit aufgewertet. Jetzt ist klar ersichtlich, dass sämtliche Qualitätsopfer zum Scheitern verurteilt sind - Schwarz hat zuviel (Gegen)spiel. Achja: es droht f4. Ahnt ihr, welche Farbe ich jetzt gern lieber hätte? 28.Lf3 Stellt sich, so gut es geht, auf f4 ein. 28...Kg7 29.Kg2 g4!? Dieser Zug ist einerseits die Ursache seiner künftigen Schwierigkeiten, aber andrerseits einfach sehr gut und geht mit dem riesigen Trend einher, auf dem Schwarz seit etwa 8–10 Zügen segelt. Hätte ich auch gezogen. 30.Le2 Th8

Bogen5

Paul fragte mich nachher, was ich gemacht hätte, hätte er mir hier Remis geboten. Ich wollte ihn nicht anlügen, und umging die Frage, auf die ich bis jetzt keine Antwort weiß. 31.Tcd2 [31.Th1= & shake-hands.] 31...Sd5! Aua! Der Springer will nach c3 und der Break b5 geht nicht wegen Lc3. Und mein Läufer will von e2 raus, weil er bald meinem König im Weg stehen wird. Ein Haufen Probleme. Ich wurde richtig nervös. 32.Lc4 Sf6 33.Sb3 [Zuerst wollte ich mich mittels 33.Td8 Txd8 34.Txd8 entlasten, aber dann bemerkte ich 34...Lc7 35.Ta8 Lxa5 36.bxa5 a6 und wollte mir nicht auch noch diese Quälerei antun.] 33...Kg6 34.Td8

Bogen6

Das ist die beste Stellung für Schwarz in dieser Partie. Der Trend, der mit 20.Tc2? seinen Anfang nahm, hat hier seinen Höhepunkt erreicht und unterwegs eine Differenz von knappen 450 ELO-Punkten völlig annihiliert. Nun ist aber Schwarz einen Moment lang unachtsam - vielleicht weil die besten Züge hier nicht direkt auf der Hand liegen. 34...Teh7?! Folgt dem Trend - Verdoppeln in der h-Linie. Aber einen der Türme tausche ich ja gleich wieder ab! [34...Th3! wäre die exakteste Lösung. 35.Sc5 (35.Th1?? Teh7! und Weiß kann im Prinzip aufgeben.) 35...Teh7 36.Sd7! Immerhin habe ich das gesehen! 36...Sxd7 (36...Th2+ bringt am Ende nichts ein.) 37.T1xd7 Txd7 38.Txd7 Th7 39.Txh7 Kxh7= und er hätte es einfach geschafft.; 34...Txd8 35.Txd8 Lb2 36.a4 Lc3 37.b5 Tc7= ist zwar auch total remis, aber warum sollte Schwarz nicht auch mal versuchen dürfen, seine Mehrheit am Damenflügel in Gang zu bringen?]
35.Txh8 Txh8 Wir haben immer noch toten Ausgleich. Aber - unglaublich! - ich darf in dieser Partie noch einmal eine Drohung aufstellen! 36.Sa5 Th7 37.Le6 und noch eine! Der Läufer will nach c8. 37...Tc7?? [37...Se4! mit (unter anderem) der Idee Sd6 garantierte dem b7 für immer Sicherheit.] Mein Gegner dachte hier immer noch, er hätte alles unter Kontrolle - bis er meinen nächsten Zug sah. 38.Sc4!

Bogen7

Plötzlich hat der Läufer keine Felder mehr... 38...Lc3 39.Sd6 ... und dann geht der f5 verloren. Erinnert ihr euch an 29...g4!? 39...c5 Verzweiflung. [39...Kg5 40.Td3] 40.b5?! Nein, mein bester Tag war das wirklich nicht. [40.Lxf5+ Kg5 41.bxc5 Txc5 42.e4! mit Mattdrohung machte sofort die Lichter aus.] 40...Lb2 [40...Le5 41.Lxf5+ Kg5 42.Lc2 c4 erlaubte sogar noch Kampf.] 41.Lxf5+ Kg5 Ich wusste, dass meine Stellung sehr gut war, aber noch nicht gewonnen. Mein Gegner war allerdings vom Schock noch total angeschlagen. Ich beschloss eine Falle mit guter Erfolgschance zu stellen um die Partie schnell zu beenden. 42.Lc2!? Lxa3?? Er dachte hier aber fast nicht mehr nach - man spürte, er hat sich irgendwie bereits mit der Niederlage abgefunden. [42...c4 43.a4 Le5 44.Kf1± mit eben immer noch gewissen Schwierigkeiten.]

Bogen8

43.b6! Gewinnt einen Stein. 1–0

Bogenschuetze (cbv, 9 KB)
Bogenschuetze1 (pgn, 11 KB)

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Sutovsky - Svidler

Auf Nachfrage zu meinem letzten Beitrag die von mir bisher in der Tat übersehene und in der Tat durchaus hübsche Partie Svidler - Sutovsky aus dem Match Israel - Russland. Auf den ersten Blick lange Zeit ein scharfer Kampf, mit dem glücklicheren Ende für Peter Svidler, aber wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass die Partie vermutlich zu großem Teil Frucht der russischen Vorbereitungsarbeit war. Die Neuerung ...Lxc5! kam im 17.Zug und Sutovsky, der offensichtlich nicht den besten Tag erwischt hatte, beging in den Zügen 19, 20 und 21 drei Fehler steigender Gewichtung, was schnell zu einer Katastrophe führte. Die Partie, besonders die Neuerung und das blutige Ende sind zwar in gewissem Sinne schön, aber in Wirklichkeit scheint mir, Weiß hat sich einfach nicht wirklich gewehrt.

Sutovsky,Emil - Svidler,Peter
17.ETCC 2009 Novi Sad, Serbia (5.2), 26.10.2009


Svi

15...Sd5 Diese scharfe Caro-Kann-Variante stellt den recht seltenen Fall dar, dass beide Parteien auf einen Königsangriff am gleichen Flügel aus sind. Schwarz hat zwar mittlerweile das Rochaderecht eingebüßt, aber dafür musste sich die weiße Dame an den Brettrand verkriechen und die Schwächung der langen Diagonale mit g3 steht an. In einigen Fällen stürmt Schwarz hier sogar mit seinen Königsflügelbauern los und bedrängt die Dame. Ohne jede Erfahrung bin ich hier gern Schwarz. 16.g3 c5 17.dxc5 Lxc5! Eine konzeptionell interessante Neuerung statt der beiden vorher praktizierten Zurückschlagungsarten. Schwarz überlässt dem weißen Springer das Angriffsfeld e5, allerdings nicht ohne Preis - der Bauer f2 ist gefesselt und für Weiß steigt die Wahrscheinlichkeit, mattgesetzt zu werden. Der schwarze Springer geht freiwillg nach f6 zurück, um selbst ein paar Felder zu decken und die lange Diagonale a8-h1 zu räumen. 18.Se5 Sf6 19.Tae1?! Mindestens ungenau. Sutovsky, dem gerade ein Vorpostenspringer auf e5 zugestanden wurde, will sich weiter im Angriffsstile aufbauen, unterschätzt aber die Bedeutung der nun offenen d-Linie. Ab hier kann von einem weißen Vorteil keinerlei Rede mehr sein. [19.Tad1 ist nicht so sehr auf ein Opfer auf e6/f7 aus, sondern hält sich offen, mittels Ld3-e2-f3 den Druck abzubauen. Wer weiß, vielleicht bliebe nach einer solchen Operation im Erfolgsfalle noch ein kleines Stückchen weißer Vorteil haften?] 19...Td8

Svi1

Weiß ist voll mobilisiert, aber wie die Stellung verstärken? Schwer. Nützliche Bauernzüge sind keinerlei in Sicht. Das beste wäre Dh4, womit die Dame langsam wieder aus dem Versteck kriecht und den Druck auf den Sf6 verstärkt. Sutovsky muss bei seinem impulsiven Zug etwas Böses übersehen haben. 20.Lg6? [20.Dh4! um nach dem unzweideutigen 20...La8?! 21.Td1 Db7? 22.Le4 den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, ist besser. Man beachte die Dame auf h4.] Nun will Weiß direkt auf f7 ein Massaker anrichten, aber Svidler bleibt total cool. Ich würde gerne wissen, wie lange er an dieser Stelle nachgedacht hat.
20...La8! und das Nehmen auf f7 verliert nach 21...Db7 einfach auf der Stelle. Statt des noch rettenden 21.Td1 verfällt Sutovsky in Panik: 21.Lh5?? Gibt mir nichts, dir nichts den wichtigsten Verteidiger ab und beschwört ein Blutbad auf g2 oder h1 herauf. [21.Td1 Txd1 (21...Ke7 22.Lh5 Txd1 23.Lxd1 Td8 24.Lf3 Ld6 25.Lxa8 Lxe5 26.Lxe5 Dxe5 27.Dg2 Kf8 ist sicherer und auch sehr gut für Schwarz.) 22.Txd1 Db7 23.Td8+ (23.Kf1 fxg6!–+) 23...Ke7 24.Txa8 Txa8 25.Lxf7 Dd5 mit schwarzem Vorteil aber noch gewisser Hoffnung.] 21...Sxh5 22.Dxh5 Db7 23.Te4

Svi2

23...Kg8! Nun will er einfach den e4 nehmen. 24.Tfe1 Td2 Wie in einer Blitzpartie. 25.Sd3 f5 Weiß ist total gelähmt. [25...Txd3! Die Beseitigung dieses Verteidigers führte noch stringenter zum Sieg. 26.De5 (26.cxd3 f5) 26...Ld4! 27.Lxd4 Txd4 28.Dxd4 f5–+] 26.Sf4 fxe4 27.De8+ Lf8 28.Sg6 [28.La3 e3 29.f3 Td8! lenkt die weiße Dame von e6 ab. 30.Dxd8 Dxf3 und so weiter.]

Svi3

28...e3 29.Dxf8+ Kh7 30.Dxh8+ Kxg6 31.f3 Tg2+ 32.Kh1

Svi4

32...Te2! [32...Dxf3 33.Dxg7+ Kh5 gewann auch.. irgendwann kommt das tödliche Abzugsschach.] 33.Tf1 Dxf3+! 0–1

Samstag, 24. Oktober 2009

In eigener Sache

Ich weise an dieser Stelle einfach noch mal auf meine Kolumnen-Ecke auf der neuen Schachbundesligaseite hin, wo nach den jeweiligen Spieltagen meine (intersubjektiven) Berichte über die Auftritte der SF Berlin zu sehen sein werden. Teil I (aus Hamburg) ist seit gestern online. Viel Spaß!

P.S. Ich empfehle auch ausdrücklich die Kolumne von Timo Sträter (Wattenscheid)!

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Schach vom anderen Stern

Ich klicke eigentlich immer kurz alle Bundesliga-Partien durch, einfach um zu gucken, was so grade los ist, wo theoretische Diskussionen brennen und natürlich auch zur Unterhaltung. Diesmal war mit Elisabeth Pähtz gegen Mihail Saltaev eine Partie dabei, die zwar keineswegs hochklassig gespielt war, aber aufgrund ihrer bizarren, mit "normalem" Schach wenig zu tun habenden Ideen und Konzepte und einer Vielzahl von möglichen Remisfestungen einen nachhaltigen Eindruck auf mich hinterlassen hat, so dass ich sie mit Rybka näher angesehen habe, nur um einmal mehr zum Entschluss zu kommen, wie beschränkt sowohl der Mensch als auch die Maschine in einigen Bereichen sind und wie kraftvoll eine Allianz der beiden wirken kann.


Pähtz,Elisabeth (2482) - Saltaev,Mihail (2492)
BL 0910 SC Eppingen - SV Mülheim Nord (1.8), 17.10.2009

Paehtz-Elli

Saltaev


Paehtz

39.Se2 Die Partie ist bisher ereignisarm verlaufen, aber Schwarz hat klaren Vorteil. Sein Doppelbauer fällt wenn, dann positiv ins Gewicht, er besitzt noch den besseren der "schlechten" Läufer in dieser scheinbar völlig versteinerten Bauernstruktur und das Wichtigste ist der superschwache weiße a4. Ohne Türme wäre er nicht zu verteidigen, also muss Elisabeth bis zum Ende einen Turm auf dem Brett behalten. Ich kann es natürlich nicht genau sagen, aber die Stellung sollte auf meinen oberflächlichen Eindruck nicht zu knacken sein. Es gibt nur eine Schwäche a4, die verhältnismäßig gut zu decken ist, und die Einbruchsfelder sind alle gedeckt. Mal sehen, was in dieser Partie noch passiert und lassen wir auf jeden Fall Rybka an. Auch wenn man es der Stellung nicht anmerkt, aber hier schlummern gemeine taktische Motive. 39...Sg6 40.Kf2 Tg7 41.Lc1 Tg8 42.Ld2 Sf8?

Paehtz2

Scheinbar das Natürlichste auf der Welt, den Springer von g6 nach e6 zu überführen, aber damit stellt Saltaev (eigentlich) die Partie weg. Korrekt wäre das Manöver gewesen, stünde der Turm nicht in der g-Linie, etwa auf h8. Warum? 43.Kf1? Und Pähtz geht achtlos am Glück vorbei. Es ist so schwer, sich von Verteidigung auf Angriff umzuschalten... [43.Lxf4! Lxf4 44.g4+ hxg4 45.fxg4+ Kg5 46.h4+! Kxh4 (46...Kxg4 47.Tg1+ Darum!) 47.Sxf4 Txg4 48.Sxd5+- und die schwarzen vorgeschobenen Bauern haben ihre Stütze eingebüßt und gehen alle verloren. Ok, schwer zu sehen.] 43...Se6 44.Lc1 Lf8 45.Ld2 Lh6 46.Kf2 Lg5 47.Kf1 Lh4 48.Td1 Lg3 49.Tc1 Tg7 50.Td1 Te7 51.Tc1 Sf8 52.Td1 Sg6 53.Le1 Lxe1 54.Txe1 h4 55.Tb1

Paehtz3

Nach dem Läufertausch, den die Weiße wohl nicht unbedingt mitmachen musste, hat sich die Stellung noch mehr statisch gemacht. Kann Schwarz die Barriere brechen? 55...Te3 56.Sc1 Kg5 57.Kf2 Se7 58.Ta1 Sf5 59.Tb1 Te7 60.Se2 Se3 61.Tg1 Sc2 62.Td1 Se3 63.Tg1 Sf5 64.Tb1 Te3 Der Turm will über d3 nach d2 reinkommen. Das wäre das Ende für Weiß. Also muss sie das Feld d3 decken... 65.Sc1

Paehtz7

65...Sg3 66.Ta1 und die Felder a1 und b1 sei dank, entkommt Weiß knapp dem Tod durch Zugzwang. Noch andere schwarze Ideen, durchzukommen? Saltaev versucht es weiter.. 66...Sh1+ 67.Kf1 Kf5 68.Tb1 Sg3+ 69.Kf2 Ke6 70.Ta1 Kf7 71.Tb1 Te8 72.Ta1 Kg6 73.Tb1 Sf5 74.Se2 Kg5 75.Ta1 Se3 76.Tg1 Te7 77.Te1 Sc2 78.Td1 Te3 79.Sc1

Paehtz5

Der Turm auf d3 bedeutet für Weiß immer den Tod. Also ist Te3 - Sc1 eine Art Opposition. 79...Kf5 80.Tg1 Kg5 81.Td1 Sa3!?

Paehtz8

Der Springer geht im Gewinnstreben auf Selbstmordmission. 82.Tg1 [82.bxa3 läuft beim Comp unter "Ausgleich" nach 82...Txc3 83.Se2 Tc2 84.Tb1 b2 (84...Ta2 85.Ke1 Txa3?? 86.Sc3+- kostet den Turm und die Partie...) 85.Ke1 c3 86.Sxc3 Txc3 87.Txb2 Txa3 88.Tb5 Txa4 89.Txd5+ aber ich verstehe, warum Elisabeth sich damit nicht anfreunden mochte.] 82...Sb1 Quantensprung geschafft! Der Springer ist hinter die Bauernkette gekommen! Aber ist das wirklich eine Errungenschaft? Er hätte vielmehr zurückhüpfen sollen... 83.Se2 nun hängt er und hat nur ein Feld. Also ab nach d2. Oder? 83...Sd2?

Paehtz6

Objektiv anscheinend nicht falsch aber halst sich noch mehr Probleme auf als er eh schon hat. Wollte Saltaev jetzt gewinnen oder was ging in ihm vor?. Diese Stellung ist für uns Menschen einfach zu bizarr um sie korrekt zu behandeln. Die Wahrheit sieht so aus, dass der Springer in höherem Sinne eh bereits todgeweiht ist, aber mit [83...Td3!! 84.Txb1 Td2 85.Ke1 Tc2 86.Kd1 Kf5

Paehtz-Festung3
Analysediagramm

ließ sich wirklich noch ein Remis erzielen - Weiß kommt in der Verwertung seiner Mehrfigur keinen Millimeter mehr weiter. Sieg des Geistes über die Materie oder was? 87.Tc1 Txb2 88.Ta1 Ta2 89.Tb1 Kg5! 90.Ke1 Txa4-+ ist Spiel auf Verlust.]

Zurück zur Partie, wo 83...Sd2 geschah.

Paehtz6

84.Sc1 Leider fiel Pähtz keine Methode ein, den kessen Springer einzufangen. So lässt sie die Zugwiederholung zu, über die Saltaev vermutlich mittlerweile auch schon glücklich war. Aber es gäbe eine Lösung, die zwar trotzdem nicht den Sieg brächte, aber zumindest für die Zuschauer reizvoll gewesen wäre:

[84.Td1 Den Springer angreifen, bringt nichts wegen 84...Td3 85.Te1 (85.Sc1?? Se4+–+) 85...f5 86.Sc1 Se4+!! 87.fxe4 Td2+ 88.Te2 sonst tuts auf b2 weh! 88...Txe2+ 89.Kxe2 fxe4

Paehtz-Festung1
Analysediagramm

und der Springer kann sein c1–e2-g1–Kastell nicht verlassen, also remis! Im Gegensatz zu Rybkas Meinung natürlich.;

84.Te1! gewinnt in allen Varianten den Springer, aber Schwarz kann sich retten: 84...f5!? hält den Laden zusammen:

a) sofortige Verzweiflung wird bestraft: 84...Sxf3 85.gxf3 Td3 86.Sg1! (86.Tg1+ Kf5 87.Tg4 Td2 88.Txf4+ Ke6 89.Txh4 Txb2 90.Th8 Ta2 91.Tb8 ist auch gut, aber etwas unmethodisch...) 86...Td2+ 87.Te2 Td1 88.Te8 Td2+ 89.Se2 Txb2 90.Td8+- und der Turm fängt an zu wildern.;

b) Versuch, den Springer zu decken geht auch: 84...Td3! 85.Sc1 Te3! (85...Se4+?? 86.fxe4 Td2+ 87.Te2 Txe2+ (87...Td1 88.exd5) 88.Sxe2+- und der schwarze Bauer ist nicht auf f5 und kann nicht auf e4 nehmen.) 86.Td1! Sb1 87.Se2 Sa3!! 88.bxa3 Kf5

Paehtz-Festung2
Analysediagramm

und soweit ich das beurteilen kann, haben wir eine Festung vorliegen. Weiß kann den Turm einfach nicht aus seiner Stellung ausräuchern. Natürlich schreit der Rechner "Gewonnen für Weiß!" aber führt auch keine Belege an. 89.Ke1 Td3 90.Td2 Kg5 91.Tb2 Kf5 92.Sc1!? Txc3 93.Kd2 Te3=;

back to 84...f5!?
85.Sc1 Txe1! (nicht 85...Sb1 86.Sxb3!! und gewinnt, etwa 86...Txe1 87.Kxe1 cxb3 88.Kd1+-) 86.Kxe1 Se4 87.fxe4 fxe4 88.Ke2

Paehtz-Festung1
Analysediagramm

und wieder die bekannte Festung.]

Paehtz9

Die Partie endete am Ende "unspektakulär" mit
84...Sb1 85.Se2 Sd2 86.Sc1 Sb1

Bizarres Schach mit beinahe unmenschlichen Motiven, wo jeder von uns mit seiner Vorstellungskraft vermutlich schnell am Ende wäre. ½–½

Hier ist die Partie zum Download:

Paehtz-Saltaev (cbv, 6 KB)
Paehtz-Saltaev1 (pgn, 6 KB)

...und nun gute Nacht!

Freitag, 9. Oktober 2009

Super-GMs sind auch nur Menschen...

Schneider,Ilja (2500) - Onischuk,Alexander (2699) [C47]
ECC Ohrid (5), 08.10.2009

DSC00111

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 Sf6 4.d4 exd4 5.Sxd4 Lb4 6.Sxc6 bxc6 7.Ld3 d5 8.exd5 cxd5 9.0–0 0–0 10.Lg5 c6 11.Df3 Ld6 12.Tfe1 Tb8 13.Sa4 h6 14.Lf4 Lg4 15.De3 Te8 16.Dd2 Le6

O1

Bisher alles schon mehrfach gehabt. Es folgt ein sinnvoller prophylaktischer Zug: 17.b3 stabilisiert den Damenflügel. 17...c5 18.h3 Auch das ist wichtig. [18.Lxd6 Dxd6 19.h3 Kann eine Zugumstellung werden, da Schwarz vermutlich b4 spielen wird. Der Zug h3 ist deshalb notwendig, damit ich nach Sg4 nicht g3 spielen muss.; 18.Tad1?! wäre zwar wünschenswert, aber es erlaubt 18...Lxf4 19.Dxf4 Tb4 20.De3 c4! 21.Lxc4 (21.Le2 Da5 22.c3 Tbb8) 21...Db8! (und nicht etwa 21...Lg4?? 22.Txd5+- (22.Dd2? "sah" ich in der Partie aber hier kommt 22...Lxd1 23.Dxb4? (23.Txd1 noch das Beste.) 23...Txe1+ 24.Dxe1 dxc4) ) 22.Le2 (22.Lf1 Lg4) 22...Ld7 23.Dd2 Lxa4 24.bxa4 Txa4] 18...Tb4 [18...Lxf4 19.Dxf4 c4 20.Lf1 Da5 21.Dd4 und ich wäre gern Weiß.] 19.Lxd6 Dxd6 Nun ist meine (Standard)-Idee der Vorstoß c2-c4, aber erst jage ich den Turm davon: 20.c3 Tbb8 [20...Th4 21.De3! Schlüsselzug. 21...c4 22.Dg3 Dxg3 (22...Tf4 Kann zum sofortigen Dauerschach führen. 23.Lc2 g5 24.bxc4 (24.De3 d4 25.cxd4 Ld7 26.Dd2 Txd4 27.Dc3 Lxa4 28.bxa4) 24...dxc4 25.Tad1 Da3 26.Te5 Dxa2 27.Txg5+ hxg5 28.Dxg5+ Kf8 29.Dh6+ Kg8 (29...Ke7?? 30.Dxf4 Dxc2 31.Dd6#) 30.Dg5+) 23.fxg3 Th5 24.Lc2=] 21.c4 Jetzt aber. 21...d4 [21...Tbd8 22.Tad1 d4 23.Da5 ist besser als Partie.] 22.Da5 [22.Sc3 a6 23.Se4 Sxe4 24.Txe4 Ich habe insgesamt in dieser häufigen Struktur negative Erfahrungen mit dem Springertausch gemacht, auch wenn die Stellung hier ausgeglichen ist.] 22...Tec8

O2

Jetzt kommt der Moment, der im Schach für mich besonders frustrierend ist: Man spielt gegen einen höher eingeschätzten Gegner eine gute Partie, aber schießt dann einen solchen Bock, der alles wieder kaputt macht. Meinen nächsten Zug kann ich nicht erklären. 23.Te2? [23.Dxa7 Ld7 24.Tab1 Ta8 25.Db7 Tcb8 26.Df3 Lxa4 27.bxa4 Txa4 war auch nicht zu empfehlen.; 23.Tad1 sinnvoll wäre es aber gewesen, einfach die Stellung weiter zu verbessern. Eine mögliche Folge: 23...Ld7 24.Sc3 Te8 25.Sb5 Lxb5 26.cxb5 Db6 27.Dd2 Sd5 28.Lc4 Sc3 29.Txe8+ Txe8 30.Te1 Txe1+ 31.Dxe1 Kf8 32.a4=] 23...Sh5 Als ich dies sah, zuckte ich kalt zusammen. Was hatte ich nur angerichtet? 24.Tae1?! Immerhin konsequent. 24...Sf4 25.Td2 Ich habe eine Menge Zeit verloren und nichts erreicht. Sein Sf4 steht absolut dominant und es sollte bald Probleme auf g2 oder h3 geben. 25...Ld7 [25...Tb7] 26.Lf1

Onischuk

Hier habe ich eigentlich schon keinen Pfifferling auf eine Rettung, geschweige denn auf einen Sieg gesetzt. Zu groß ist der Aktivitätsunterschied der Figuren. Dies ändert sich jetzt gleich schlagartig: 26...Dc7?? Für einen 2700er schon ein ziemlich krasser Fehler. Vor allem, auch ohne den Einsteller: Warum will er bitte die Damen tauschen? [26...a6 27.Sc3 Lc6 28.Se4 Dg6 29.Sg3 La8 war etwa möglich, allerdings habe ich hier noch 30.b4!³; 26...Df6 27.Tdd1 (27.Sxc5 Sxh3+ 28.gxh3 Dg5+ 29.Lg2 Txc5 30.Dxa7 Dxd2 31.Dxb8+ Tc8 32.De5 Te8 33.Dxe8+ Lxe8 34.Txe8+ Kh7 sollte auch gewinnen.) 27...Lc6 28.Kh2 Sxh3 29.Kxh3 Df4–+ zeigt, dass es auch schnell gehen kann, wenn Weiß nicht aufpasst.] 27.Dxc7 Txc7 28.Sxc5! Da sah er nun sein Unheil. Nakamura kam mehrfach am Brett vorbei und schüttelte den Kopf. 28...Txc5 29.Txd4 Sxh3+ 30.gxh3 Hier hatte ich realisiert, dass ich im Prinzip einfach eine Gewinnstellung geschenkt bekommen habe. Allerdings stand harter Widerstand ins Haus. 30...Lc6 [30...Le6!? halte ich für zäher.] 31.Lg2 Tb6 32.Te7 Tg5 33.Tg4 Ta5 34.Lxc6 Txc6 35.a4

O3

So weit, so gut. Nun überrascht er mich vollends: 35...a6?! Großmeisterliche Verteidigungstechnik?! Also ich hätte mittels [35...Tf6± meinen Turm aktiviert.] 36.Tf4 Tb6 [36...f6 37.Tg4 Tg5 (37...g5 38.Td4+-) 38.Tb7+-] 37.h4!? reicht wohl, ist aber zu trickreich. Nach der Partie wiesen mich alle auf [37.Tf3! hin, was ich einfach nicht gesehen, oder in seiner Wirkung vollkommen unterschätzt hatte. Schwarz kann aufgeben, denn ohne jegliches Gegenspiel wird ein Turm getauscht oder der f7 fliegt weg.] 37...Th5 [37...Txb3 38.Tfxf7+-] 38.b4!? [38.Kg2! Txb3 39.Tfxf7 Gewinnt im Vergleich zur Partie ein nicht unwichtiges Tempo, aber erlaubt etwas "Gegenspiel", da hier der Tb3 aktiv steht: 39...Txh4 40.Txg7+ Kh8 41.Th7+ Kg8 42.Teg7+ Kf8 43.Ta7 Tg4+] 38...Txb4 Muss. 39.Tfxf7 Txc4 40.Txg7+ Kh8

O4

Nun muss ich versuchen, einen Turm zu tauschen oder die beiden zur Passivität zu zwingen: 41.Th7+ Kg8 42.Teg7+ Kf8 43.Ta7 Kg8 44.Thg7+ Kh8 45.Th7+ Kg8 46.Thd7 Hier dachte Onischuk sehr lange nach. 46...Tf5? Macht es mir zu einfach. [46...Tc8 47.Txa6! Muss ich "riskieren". (47.Tg7+ Kh8 48.Th7+ Kg8 49.Tag7+ Kf8 50.Tg6 War meine Planung, aber hier ist 50...a5! überraschend zäh.) 47...Txh4 48.Tg6+ Kf8 49.a5 und es sollte gewonnen sein, aber nicht ohne kleine Schwierigkeiten. Beispiel: 49...Tc1+ 50.Kg2 Thh1 51.Tf6+ Ke8 52.Th7 Thg1+ 53.Kf3 Tc3+ 54.Ke4 Te1+ 55.Kd4 Tec1 56.a6 Tc4+ 57.Kd3 T1c3+ 58.Ke2 Tc2+ 59.Kf3 T2c3+ 60.Kg2 Tg4+ 61.Kf1 Tc1+ 62.Ke2 Tc2+ 63.Kd3 Ta2 64.Tb6] 47.Td8+ [47.Ta8+ Tf8 48.Txa6 Tg4+ 49.Kf1 Txh4 50.Tg6+ Kh8 51.a5 ist zu kompliziert.] 47...Tf8 48.Txf8+ Kxf8 49.Txa6 Txh4 [49...Kg7 50.Ta8 Txh4 51.a5 ist chancenlos, da Weiß einfach nach bekannten Mustern beide Bauern zum Anschlag durchzieht.]

O5

50.Ta7?! Methodisch, aber unkonkret gedacht. Vergibt das nicht sogar den Gewinn? [50.a5! Ta4 51.Ta8+ Ke7 (51...Kg7 52.a6 h5 53.a7 h4 54.f4 ist trivial.) 52.a6 Kd7 53.f4 (53.a7 Kc6 54.Tc8+ Kb7 55.a8D+ Txa8 56.Txa8 Kxa8 ist leider nur Remis, auch wenn man es nicht glauben will.) 53...Kc7 54.f5 Tf4 (54...Kb6 55.Tg8 Ta5 56.Tg6+ Ka7 57.Tf6 gewinnt auf der Stelle.; 54...Tg4+ 55.Kh2 Kb6 56.Kh3 h5 57.a7! Tf4 58.Th8 Kxa7 59.Txh5) 55.Th8 Kb6 56.Txh6+ Ka7 57.f6 Kxa6 58.Kh2 Kb7 59.Kg3 Tf1 60.Kg4 und 1:0] 50...Ke8 51.a5? [51.Kg2! ist eine Option, erst am Turm ein Tempo zu gewinnen, bevor er nach a4 darf. Das habe ich leider nicht betrachtet. 51...Kd8 52.Kg3 Tb4 53.a5 und gewinnt, das das eine Tempo enorm wichtig ist.] 51...Ta4 52.a6 Kd8 [52...h5 53.f4+-] 53.Kg2

O6

53...Kc8? [53...h5! ich finde hiernach einfach keinen Gewinn mehr! Der GM hätte seine Chance nutzen müssen! 54.f3 (54.Kg3 h4+ 55.Kh3 Kc8 56.Tg7 Txa6 57.Kxh4 Kd8 remis.) 54...Kc8 55.Ta8+ (55.Kg3 h4+ 56.Kh3 Tf4 57.Kg2 Ta4 58.Th7 Txa6 59.Txh4 und die Datenbank sagt Remis. 59...Kd7) 55...Kc7 56.Kh3 Ta3 (56...Tf4 57.Kg3 Tf6 58.a7 Kb7 59.Th8 Kxa7 60.Txh5 und Weiß setzt sich durch.) 57.Kg3 h4+ 58.Kg4 h3 59.f4 Kd7 60.Th8 Txa6 61.Txh3 Ke8] 54.Kg3 h5 55.f4! Ab jetzt ist es trivial. 55...h4+ 56.Kg4 h3 [56...Kd8 57.Ta8+ Kc7 58.a7 Kb6 59.Kg5 h3 60.Th8 Txa7 61.Txh3] 57.Th7 Txa6 58.Txh3 Kd7 [58...Tg6+ 59.Kh5 (59.Kf5 Tg8 60.Ke6) 59...Tg8 60.Td3 (60.f5?? Th8+ 61.Kg4 Txh3 62.Kxh3 Kd7= wäre die letzte Falle.) 60...Tf8 61.Td4 Kc7 62.Kg6 Kc6 63.f5+-] 59.Te3 Tg6+ 60.Kh5 Am Ende wird eine Standard-Brücke gebaut. Onischuk gab enttäuscht auf. 1–0

Schneider-Onischuk (pgn, 7 KB)
Schneider-Onischuk1 (cbv, 7 KB)

Dienstag, 8. September 2009

Massenhypnose(II), Irritationen eines Damenendspiels

Als Nachtrag zum LGA Premium Cup in Nürnberg, den GM Thomas Luther nach einer etwas glücklichen zweiten Runde gewann, habe ich ein Beispiel von "dreckigem Straßenschach" herausgesucht, in dem beide Protagonisten unabhängig von der Stellungseinschätzung und anscheinend ohne besonderen Sinn für die schachliche Realität immer abwechselnd auf "Sieg" gepeitscht haben. Beide produzierten dabei Dutzende kleiner Fehler und schrecklicher Böcke, aber da Caissa nicht beide für ihr "Wollen" (3. Sünde nach Rowson) bestrafen konnte, musste schließlich der Spieler mit der dämlichsten Entscheidung des gesamten Endspiels in der Endabrechnung büßen.

Leonid Milov
IM Leonid Milov

Milov,Leonid (2558) - Khanukov,Boris (2395)
6. LGA Premium Cup 2009 Nürnberg (3), 04.09.2009

Leonid Milov ist ein sehr talentierter, taktisch geprägter Spieler mit einer stets hervorragenden Vorbereitung. Viele seiner (Kurz-)Siege macht er bereits in der Eröffnung fest. Nicht viele haben das Zeug, auf Bestellung und mit Vorsprung Langzeitturniere zu gewinnen, dem besten IM Deutschlands (ELO 2558) gelingen solche Geniestreiche, wie etwa beim starken Open in Hassloch 2009 immer wieder.
Milovs Leaks sind allerdings offenkundig sein notorischer Hang zu Zeitnot und selbiger zum "Überziehen" von leicht besseren oder gleichen Endspielen. Dies macht ihn besonders im Schnellschach, wo ich ihm oft über den Weg laufe, gewissermaßen berechenbar. Sein Gegner, FM Boris Khanukov hat diesmal die Eröffnung relativ heile überstanden und es ist überraschend zu sehen, wie oft diese Partie trotz Increment kippen wird.

Milov1

43.Lf5 e6?! Macht auf, in der Angst, erdrückt zu werden, aber Abwarten mit etwa 43...b5 wäre in diesem Fall angebrachter. 44.dxe6+ Sxe6 45.Lf2 Ke7?? Spiel mit dem Feuer. Warum tut der Senior das? [45...Lxf2 46.Dxf2 gxf4 47.gxf4 Sd4 wonach Weiß aufgrund des schwachen Königs nicht den Gewinn "riskiert". Kannte Khanukov aber etwa Milovs Schwäche und wollte ihm eine Chance zum "Overplayen" geben?] 46.Lxe6 Lxf2 47.Kxf2 Kxe6 48.Dd5+ Ke7 49.Db7+ Ke8

Milov2

Nun gewinnt Weiß ein paar Bauern und hat die Aufgabe, dabei das Dauerschach zu verhüten. Schafft Milov das? Beide hatten bereits nicht mehr viel Zeit. 50.Dc8+ Ke7 51.Dc7+ Ke8 52.Dxd6 g4!? Offensichtlich gab es durch die Möglichkeit Kg4 noch kein Dauerschach, also muss Schwarz es vorbereiten, doch normalerweise ist seine Stellung völlig verloren. [52...Da2+ 53.Kf3 Dc4 54.e5! und Schwarz bricht zusammen.] 53.De6+ [53.e5! schafft eine Fluchtroute über e4-f5 und sollte problemlos gewinnen.] 53...Kf8 54.Dd6+ Ke8 55.Dd2? Übertriebenes Sicherheitsdenken, was bei Mehrmaterial oft ein großer Fehler ist. Man weiß nicht, was man tun soll: Auf Matt, Durchbruch oder weiteren Materialgewinn oder aber auf Besitzwahrung spielen. Man wählt so oft das Falsche... [55.e5!+-] 55...Dh1!

Milov3

Und man erkennt sofort, dass Weiß vermutlich keinen Vorteil hat. Die Präsenz des vorgerückten g4 lässt Weiß normalerweise keine großen Sprünge mehr machen. 56.De1 Dxh5 57.Ke3 [57.Kg1 stellt sich schon mal dem Durchbruch entgegen und kann dann natürlich nicht mehr verlieren.] 57...Dh2 58.Kd3?! Der König wird übermütig. 58...h5 59.e5 f5 60.Kd4 h4 ... und Weiß, der den Freibauern per se nicht mehr aufhalten kann, muss jetzt schon ein Dauerschach bauen. 61.Dc3??

Milov4

[61.Dc1= (und Dauerschach) erfüllt dieses Ziel auch tatsächlich] 61...Dg1+?? [61...Df2+ 62.Kc4 De2+ holt die Damen nach 63.Kd5 Df3+ vom Brett und gewinnt sofort.] 62.Kd5 Dd1+ 63.Ke6 Dd7+ 64.Kf6 Kf8?! Dafür kann man Schwarz dagegen kaum tadeln. [64...Df7+ 65.Kg5 und nun das bemerkenswert arrogante 65...De6! (deckt die Schachs und wehrt Kxh4 ab) 66.gxh4 g3! 67.De3 g2 68.Dg1 Dc4! 69.Kf6 (69.Dxg2 Dg8+) 69...Df7+ 70.Kg5 Ke7! mit Zugzwang und Gewinn war kaum zu sehen. Das gleiche Motiv taucht im Folgenden immer wieder auf...] 65.gxh4? [65.b5! remisiert, halten wir uns nicht in diesen höheren Sphären auf :-)] 65...g3 66.De3 [66.Dxg3 Df7+ 67.Kg5 Dg7+–+] 66...g2 67.Dg1 Df7+ 68.Kg5

Milov5

Kg7? [68...Db3! gewann. 69.Kf6 (69.Dxg2 Dg8+) 69...Dh3 70.e6 (70.Dxb6 Dxh4+) 70...Dxh4+ 71.Ke5 Dh1 72.Dxb6 g1D–+] 69.h5 [69.Dxb6 g1D+ 70.Dxg1 Dg6# Matt und nicht etwa nur Damengewinn.] 69...Kh7

Milov6

70.b5?? Wie kann man in solcher Lage nicht sofort mit dem König Richtung g2 steuern? [70.Kh4=] 70...Kh8? Oje. [70...Dc4! war diesmal schon simpler. 71.e6 (71.Kh4 Df1) 71...Dxe6 72.Kh4 Dg8 73.Kh3 Dg4+ 74.Kh2 Dxf4+ 75.Kxg2 Dg4+ 76.Kf2 Dxg1+ 77.Kxg1 Kh6–+] 71.Kh4 Na endlich. Hätte er noch einen b-Bauern käme wohl b4... :-) 71...Dg8 72.Kh3 Dg4+ 73.Kh2 Dxf4+ 74.Kxg2 Jetzt wirds wirklich absurd.

Milov7

74...De4+?! [74...Dg4+=] 75.Kh3 Dd3+ 76.Kh4 Dc4+ 77.Kh3 Dxb5? Khanukov spielt auf die bessere Zeit, (5 vs. 2), was aber in einem Damenendspiel bei einer halben Minute Increment und klar schlechterer Stellung besonders sinnlos ist. Wie gedachte der Senior bitte, diese Stellung noch zu gewinnen? Oder konnte er sich nicht verzeihen, vor 10 Zügen keinen Ausheber gefunden zu haben? Ich weiß nur, das Hauen und Stechen hätte ich mir nur zu gerne am Brett angesehen. 78.Dd4! Kh7 79.Kh4 De8 80.Dd6± Da4+ 81.Kg5 Dg4+ 82.Kf6 Dh4+ 83.Kxf5 Dxh5+ 84.Kf6 Dg6+ 85.Ke7 Dg7+ 86.Kd8
Milov8

Das hat Schwarz nun statt einem Dauerschach erhalten. Von der Database her ist die Stellung zwar überraschenderweise Remis, aber bei Increment hätte der Schiri hier auch genausogut bereits ein 1:0 eintragen können und die Auslosung der nächsten Runde vornehmen. Weiß probiert es so lange, bis es klappt, ohne jegliche Zeitprobleme zu verspüren. Ohne Bedenkzeitzugabe hätte der Schwarze wenigstens noch die kleine Chance, schneller zu ziehen als der Gegner und so selbst über die Zeit Druck zu machen. Hier ist er dagegen völlig verdammt. Allerdings macht schon der nächste Zug des Schwarzen alle Überlegungen sowieso hinfällig. 86...Dg5+?? [86...Dg8+ ist Remis laut Datenbank, warum stattdessen 86...Dg5+ verliert, kann sich jeder mit etwas Matt-Phantasie selbst ausmalen.] 87.De7+ Dxe7+ 88.Kxe7 b5 89.e6 b4 90.Kf6 b3 91.e7 b2 92.e8D b1D 93.Df7+ Kh6 94.Dg7+ Zeitnot hin oder her, aber für die Leistung hätte man auch gut und gerne beide Gegner nullen können. :-)
1–0

Freitag, 4. September 2009

Massenhypnose

Was macht ein Semipro während einer selbstverordneten Turnierschachpause? Richtig, er schiebt konsequent bei den aktuellen Liveübertragungnen Wache und lässt sich bequem von neuen Ideen berieseln. Möglichst sogar ohne Rybka 3 im Hintergrund, welches ich trotz extremer Nützlichkeit als eine der Ursachen meiner letztjährigen taktischen Verdummung ansehe. Und siehe da, es ist mir heute gelungen, in der Partie von Thomas Luther gegen Yochanan Afek, die in der zweiten Runde des LGA Premium Cups in Nürnberg ausgetragen wurde, selbst mal "was zu sehen".

Thomas Luther - Yochanan Afek, LGA-Cup Nürnberg 2009 (2)
Luther-Afek

Ich hatte die Partie schon ne ganze Weile verfolgt, weil dort die typische spannende Frage nach der Stärke oder Schwäche eines vorgerückten Freibauern ausgefochten wurde. Im Moment hängt er, aber Luther hat die Möglichkeit, mit 34.Sh4(!) Db5 (34...Dg4 35.f5!) 35.Dxe6+ selbst einen Bauern zu gewinnen und sich beste Voraussetzungen für den Partiesieg zu schaffen. Es könnte weitergehen mit Kg7 36.a3 und Weiß will einen Turm auf die dritte Reihe bringen und dann Sf5+ spielen.
Es kam aber 34.h3? (er will den Bauern e6 mit Komfort gewinnen) Txd6 35.g4?

Luther-Afek1

35...Db5? (blitzschnell geantwortet)
36.Txd6 Txd6 37.Txd6 Lxd6 38.Dxe6+ Kg7 39.Dd7+ Kg8 40.Dxd6 Df1+ 41.Kb2 Dxf3 42.Dxf6 (noch besser 42.Db8+!) und Weiß gewann bald.

Dabei hätte der berühmte Studienkomponist Afek mittels 35...Txd4! mindestens ausgleichen können: 36.Txd4 Txd4 37.Sxd4 (37.gxf5 Txb4 und Schwarz gewinnt die Dame wieder mit Vorteil) 37...Dxf4 38.Dxe6 Kg7 und Schwarz steht sogar minimal besser, oder 36.gxf5 Txd1+ 37.Kb2 T1d5! 38.fxe6 Te8 (oder schon 38...a5!) 39.f5 Kg7! und Schwarz gewinnt bald den Bauern auf e6 und steht klar besser, da der Springer f3 nicht partizipieren kann.

Dass beide Taktiker das Motiv übersehen haben, erscheint schon ganz schön merkwürdig. Dabei hatten beide noch genug Bedenkzeit.

Donnerstag, 3. September 2009

Und noch eine lehrreiche Partie aus Wien

Diese entstammt der 5.Runde gegen den rüstigen Wiener Altmeister IM Dr. Andreas Dückstein, der mit 82 Jahren eine erstaunliche Spielstärke von 2260 ELO besitzt. Respekt! Das will ich in dem Alter aber auch!

Dr. Andreas Dückstein
IM Dr. Andreas Dückstein (Quelle:Turnierseite)

So wie ich es verstanden habe, ist er in der Schachmetropole Wien der absolute Guru, jeder kennt ihn, er gibt immer noch Schachtraining oder führt Partien vor und seine Bücher über sein schachliches Lieblingsthema, die Turmendspiele sind wohl auch noch im Umlauf. Dementsprechend hoch war das Interesse einiger Zuschauer während der Partie, die ich am Ende nach 5 Stunden Spielzeit insgesamt glücklich gewinnen konnte, nachdem Dückstein sich nach dem Verlust des zwischenzeitlichen Vorteils stoisch verteidigt hatte.


Schneider,Ilja (2508) - Dueckstein,Andreas (2260) [D07]
Vienna Open (5), 19.08.2009


1.Sf3 Sc6 2.d4 d5 3.c4 Lg4 4.Sc3 e6 5.cxd5 exd5 6.Db3 Ein etwas spekulativer Zug, der nicht besser ist, als das normale 6.Lf4, aber die Idee hat, die Partie in 9 Zügen zu gewinnen, was in meinem Zustand sehr förderlich wäre. 6...Lb4! Nach langem Nachdenken. [6...Lxf3 7.exf3 Sxd4 8.Da4+ Sc6 9.La6!!

Dueckstein1

ist die Idee und Schwarz kommt nun nicht mehr besser weg als mit 9...De7+ 10.Kf1 (nicht in die d-Linie!) 10...Db4 11.Dxb4 Sxb4 12.Lxb7 Tb8 (12...Td8 13.a3 Tb8 hilft Weiß, da der Zug a3 eher nützlich ist.) 13.Lxd5 Sxd5 14.Sxd5± und es ist technisch verloren.] 7.e3 [7.Se5 ich spürte, dass dies der kritische Versuch sein musste, aber mir fehlte die Energie, sofort das Brett anzuzünden. 7...Lxc3+ (7...Sxd4 8.Dd1 Sb5 9.Sxg4 Sxc3 10.Dd4 Sxa2+ 11.Kd1 Sxc1 12.Dxb4 Sxe2 13.Lxe2 ist weißer klarer Vorteil.) 8.bxc3 (8.Dxc3 Sxe5 9.dxe5 Se7 10.Dg3 Dd7 11.h3 Le6 12.Dxg7 0–0–0 ist mindestens schwarze Kompensation.) 8...Sxe5 9.dxe5 Se7 10.Dxb7 0–0 mir erschien in der Partie die schwarze Kompensation als ausreichend und dies trifft wohl zu.] 7...Sge7 [7...Lxf3 Hier hatte der Altmeister einmal die Chance, mir einen Doppelbauern zu verpassen, aber der Verzicht war wohl die richtige Entscheidung. 8.gxf3 Sf6 9.Ld2 0–0 10.0–0–0 und +=] 8.Le2 0–0 9.0–0 a6! Nimmt das Feld b5 unter Kontrolle und bereitet den Rückzug des Lb4 vor - Dxb7 verliert dann immer nach Sa5. 10.h3 Le6 11.Ld2 Ich verschwende keine Zeit für a3, da der Läufer eh gehen will. Mein Springer soll danach über a4 nach c5 stürmen. 11...Dd7

Dueckstein2

12.Tfc1?!
Das ist zu vorsichtig und zu methodisch. An sich wollte ich jegliche Opfermotive auf h3 rausnehmen - daher Tfc1, um den L oder gar die D nach f1 stellen zu können, aberdas das Opfer nicht drohte, hätte ich auch sofort handeln können: [12.Sa4 Ld6 13.Sg5 lenkt den Läufer von e6 ab, die andere Frage ist, was wenn der Le6 gar nicht zieht... 13...Lf5 (13...b6 14.Sxe6 fxe6 15.Tac1 ist für Schwarz ein schlechter Colorado.) 14.Sc5 Lxc5 15.dxc5 +=] 12...Ld6! 13.Sa4 b6 14.Dd1 Ich versuche, so zu spielen wie Kramnik, aber irgendwas sagt mir, Kramnik hätte hier nicht für 14.Dd1 gevotet. 14...Sg6 15.a3 Sce7 16.Lb4 Abtausch des "strategischen Läufers", Verfolgung der d4-Strategie Richtung c5, weißfeldrige Initiative, wichtige Felder b7,a6,b5, Zielfeld c7. (Felderstrategie) [16.b4 spielt zwar mit dem "Tagtraum" Sc5, aber nach 16...Sf5 mache ich mir schon gewisse Sorgen um die Königssicherheit.] 16...Tfc8 17.Lxd6 Dxd6 18.b4 Ld7

Dueckstein3

19.Tc3?!
Ich behalte meinem Sa4 nur die Route a4-b2-d3 vor, vergesse aber, dass sich die Springer danach auf die Hufe treten, nachdem Schwarz den Bauern einfach nach f6 vorzieht. [19.Sc3 ist deutlich besser und wenn nun etwa 19...Lf5? dann 20.Df1 a5 21.Dd1 axb4 22.Sb5 Dd7 23.axb4 mit Vorteil nach 23...c6 24.Sc3 b5 25.Db3 - jedenfalls solange auf c4 kein Springer erscheint.] 19...Lb5 20.Tac1 Dd7 21.Sb2 f6 22.Dc2? Wirft einfach ein Tempo weg, was in [22.a4 Lxe2 23.Dxe2 += zu investieren wäre. Schwarz kriegt am DF keine Linie auf, ohne sich zu schwächen.] 22...Lxe2 23.Dxe2 Sf8 24.Dc2 Se6

Dueckstein4

25.Sd3?
[25.a4 Diese Stellung hätte ich mit Mehrtempo haben können, nun kann Schwarz einige Bauern tauschen. 25...c5 26.bxc5 bxc5 27.dxc5 Sxc5 28.Sd4 (28.Txc5?? ist weniger gut) ] 25...a5 Nun geht eine Linie auf und Schwarz kommt zu aktivem Spiel. 26.Db2 axb4 27.axb4 Dd6 28.b5?! Ich bin völlig von der Rolle. Seit wann kämpft man nicht um offene Linien? [28.Ta3=] 28...Ta5 29.g3?! Luftloch für den König und Kontrolle über f4, aber trotzdem ein mittelgrober Fehler. 29...Dd7 30.Tb1 Tca8 31.Kg2

Dueckstein5

Ta2?
Dieser pseudoaktive Zug ist der Anfang vom Ende der schwarzen Herrschaft. Stattdessen die letzte Figur mittels [31...Sc8! ins Spiel zu bringen, hätte ihm nach etwa 32.Db3 (32.Tb3 Sd6 33.h4 Sc4) 32...Kh8 33.h4 (was soll ich tun?) 33...Sa7! großen, wenn nicht entscheidenden Vorteil gebracht. Der b5 ist einfach weg. Aber das menschliche Auge sortiert solche Springermanöver oft raus.] 32.Dc1 g5? Auweia. Genau in dem Moment, in dem er denkt, er hat die Stellung komplett im Griff kommt mein Befreiungsschlag. Mir tat der Senior hier fast ein wenig leid. Er hat vorher wirklich toll gespielt, aber einfach vergessen, dass mein Springer doch nach b4 kann, wenn er dabei etwas angreift. Dadurch wirkt der Zug g5 besonders sinnlos. 33.Sb4 T2a5 34.Sc6 [34.Sa6 Ta7 35.Ta3 In Analogie zum vorherigen 33...Sa7! noch besser, aber ich wollte nur nochn nach c6 rein und die Diagonale a4-e8 stopfen. 35...Txa3 36.Dxa3] 34...Sxc6 35.Txc6 Ta2 36.Tb2 Txb2 37.Dxb2 Kg7 38.Dc2 Kennt ihr das, wo ihr einen Zug ausführt und sofort in eine Schreckstarre verfallt? Mein Gott, was habe ich da getan? Im Ernst, wie soll ich nun auf 38...Ta5 reagieren? 39.Df5?? stellt ja die wichtigste Figur ein...

Dueckstein6

38...Td8 passive Verteidigung. [38...Ta5 39.h4! Massives Stellungsglück, dass Weiß diesen Zug hat. Sonst (39.Db3 Sd8 40.Tc1 Se6 (40...Txb5 41.Txc7 Dxc7 42.Dxb5 Dc6=) 41.Tc6 Sd8=) 39...g4 (39...Txb5 40.hxg5 fxg5 41.Sxg5!) 40.Sh2 Txb5 (40...h5 41.Df5 Nun ist das Feld betretbar. +-) 41.Sxg4 Sc5 Alles hängt plötzlich bei Weiß, aber...

Dueckstein7

42.Sxf6!! (42.Dxh7+ Kxh7 43.Sxf6+ Kh8 44.Sxd7 Sxd7 45.Txc7 ist auch gut, aber macht keinen Sinn.) 42...Dxc6 43.Dxh7+ Kf8 (43...Kxf6 44.Dh6+) 44.Dg8+ Ke7 45.Dg7+ Ke6 46.Sg4+- und Weiß gewinnt den Springer wieder und bringt dann einen Bauern durch.] 39.h4 h6 40.h5 [40.Kg1 sind solche unauffindbaren Rybka Spitzfindigkeiten.] 40...Df7 41.Df5 Te8 42.g4 Te7

Dueckstein8

[42...Sd8? Ich sollte mehr an meiner Körpersprache arbeiten. Zweimal setzte Dückstein zu diesem Verlustzug an - und zweimal zog er die Hand vom Holzspringer zurück. Ich muss zu auffällig gezuckt haben oder so. 43.Se5! (43.Sxg5! ist noch besser, aber das sah ich nicht - vielleicht er? 43...hxg5 44.h6+ Kh8 45.Txf6 usw.) 43...Txe5 (43...fxe5 44.Tg6+ und so weiter.) 44.dxe5 Sxc6 45.bxc6 fxe5 46.Dxe5+ Kh7 47.f4 gxf4 48.exf4+- Mit einem total gewonnenen Damenendspiel, Weiß drückt einfach die Bauernwalze durch und die schwarze Dame kann nicht ziehen, da der c7 hängt.] 43.Kg3 Sf8 [43...Sd8 und wieder das gleiche Spielchen wie im Zug davor. 44.Sxg5 (44.Se5 Txe5 45.dxe5 Sxc6 46.bxc6 fxe5 47.Dxe5+ Kh7 48.f4) 44...hxg5 45.h6+ Kh8 46.Txf6] Nun sind alle schwarzen Figuren gelähmt, aber wie erzwingt man den Sieg? Ich wusste es nicht und war geistig wie blockiert.

Dueckstein9

44.Se1?! Falsche Route. [44.Sd2! Der Weg führt über g3 nach f5, man sehe, dass Schwarz wehrlos ist: 44...Td7 45.Sb1 De7 46.Kg2 Df7 47.Sc3 Td8 48.Kh2 Td7 49.Se2 De7 50.Sg3 Df7 51.Dc2 Kg8 52.Sf5 Kh8 53.Sxh6 De7 54.Sf5 Dd8 55.f3 usw.] 44...Td7 45.Sd3 De7 46.Kg2 Df7 47.Sb4 Td8 48.Sa6 Td7 49.Dc2 Se6 Den Punkt c7 kann man nicht einnehmen. 50.Kg3 [50.Dg6+?! ist geistreich, aber führt nur zu einer amüsanten Zugwiederholung nach 50...Dxg6 51.hxg6 Te7 52.Sb4 Sd8 53.Tc2 Td7 54.Sa6 Se6 55.Tc6 Te7=] 50...Te7 51.f3 Td7 52.Df5 Sf8 53.Kf2 Te7

Dueckstein10

Hier habe ich verstanden, dass der Springer doch nach g3 und f5 muss (Bauerndurchbrüche wollte ich eh aus Prinzip nicht spielen) und führte den Springer zurück, aber da Dr.Dückstein für einen Moment die Konzentration verließ, war die Partie schneller vorbei, als zu erwarten war. 54.Sb4 Td7 55.Dc2 De7?? gibt für eine Sekunde die Kontrolle über g6 ab und verliert sofort. [55...Te7 zwingt mich zu diesem Springermanöver.] 56.Sa6 Se6 (sonst fällt der c7) 57.Dg6+ Selten war nach einer Schachpartie meine Erleichterung so groß, aber gleichzeitig auch ein anerkennendes Mitgefühl für den Gegner, der über lange Zeit super gekämpft hat die Niederlage wirklich nicht in der Form verdiente
1–0

Hier auch die Partie zum Download:

Schneider-Dueckstein (cbv, 8 KB)
Schneider-Dueckstein1 (pgn, 8 KB)

Mittwoch, 26. August 2009

Wer ist Samy Shoker?

Samy Shoker

Ich weiß es nicht. Vor dem Turnier kannte ich den jungen Ägypter auch gar nicht, außer seinen schach.de-Nick "sh0k3r", bzw. so ähnlich, denn ich finde ihn bisher nicht ;-). Das erste Mal fiel er mir beim (für mich in mehrerlei Hinsicht tragischen) Blitzturnier auf, bei dem wir erst anhand meiner Partie gegen GM Arutinian (Shoker lobte mich ausdrücklich für meine Fairness, Arutinian nicht auf Zeit zu ziehen; ich muss dies an dieser Stelle einfach einbinden, da dergleichen Seltenheitswert besitzt, und dann anhand unserer Partie (ich verlor chancenlos) ein paar Worte wechselten.
Später musste ich dann feststellen, dass der junge IM nicht der Semifish war, für den ich ihn anfangs gehalten hatte. Sein Repertoire zeigte durchaus Standfestigkeit und er eilte von Sieg zu Sieg zu Sieg. Hier seine Begenung aus der sechsten Runde gegen den erfahrenen GM Andrei Kovalev (der unter anderem schon mal das Czech Open in Pardubice gewinnen konnte), mit der Shoker endgültig das Feld zerstampfte und die Weichen auf Start-Ziel-Sieg stellte.

Kovalev,Andrei - Shoker,Samy, Vienna open 2009 (6), 2009

1.e4 g6 Der Ägypter spielt in jeder Weißpartie 1.g3 und in jeder Schwarzpartie 1...g6, was ihm großen Respekt meines Mannschaftskollegen Lars Thiede einbrachte. Vielleicht sollte man es mittels 1.b3 probieren. Aber der Junge stellt den Läufer auch dann nach g7. 2.d4 Lg7 3.Sc3 d6 4.Le3 a6 5.Sf3 b5 6.Ld3 Sd7

Shoker-1

Ich würde den weißen Aufbau in dieser Form niemals spielen. Ehrlich. Die Anordnung der weißen Leichtfiguren sieht zwar auf den ersten Blick korrekt, richtig und sogar ästhetisch aus, ist aber dem aggressiven schwarzen Aufbau in meinen Augen auf längere Sicht bereits unterlegen. Die weiße Hoffnung liegt in einem schnellen Opferangriff - und dieser fängt jetzt an. 7.e5 Lb7 [7...dxe5 8.Le4 Tb8 9.dxe5 mit opulenter Kompensation, da der schwarze Turm bereits in Gefahr ist.] 8.e6 fxe6 9.Sg5 Sf8 10.0–0 Sf6 [10...h6 läuft in 11.Lxg6+! Sxg6 12.Sxe6±] 11.Te1 Dd7 12.Ld2 Alles schon mal gesehen worden, aber mir gefällt nicht, dass Weiß in so einem Stadium schon zu solchen Zügen verpflichtet ist. Da stimmt doch was mit der Partieanlage nicht? 12...h6 13.Sf3
Shoker-2

13...g5 bis hier folgten die Geschehnisse der Partie von Anand! gegen einen recht jungen Svidler, in der es stattdessen mit [13...Tb8 14.a4 b4 15.Se4 Sxe4 16.Lxe4 Lxe4 17.Txe4 Dc6 weiterging, und späterem 1–0 Anand,V-Svidler,P/Linares 1998 (42)] 14.De2 Kf7!? In diesem Konzept wird der König entwickelt, wie jede andere Figur auch. 15.a4 c6 Weiß hat mit seinem Vorstoß e5-e6 bereits eine Bresche in die gegnerische Stellung gehauen. Er mag sogar besser stehen. Aber dies reicht nicht aus. Die Wundheilung läuft mit Zügen wie ...Kf7 und ...c6 auf Hochtouren. Weiß wird definitiv weitere Opfer bringen müssen, um Fortschritte zu erzielen. 16.Se4 Tauscht einen Verteidiger ab und macht auch dem c-Bauern oder dem Turm Platz (über die dritte Reihe) 16...Sxe4 17.Lxe4 Lf6 18.Ta3 Rybka gefällt dieser Zug nicht. Hat Schwarz jetzt nicht die Chance, mit...g4 eine Figur zu gewinnen? Tja, leider war ich in diesem Moment nicht am Brett und kann nicht sagen, wie die Stimmung am Brett war. Aber irgendwas sagt mir, dass Shoker gespürt haben muss, dass Kovalev sowieso ein Springeropfer auf e5 plant. Manchmal steht es dem Widerpart richtig auf der Stirn geschrieben. Warum ihn also drängen? Lieber noch einen gesunden Zug machen... 18...Tg8 [18...g4 19.Se5+ und es hängt zwar bald der Bauer g4, aber dafür kommt Dh5+ mit Verzögerung.]

Shoker-3

19.Se5+ [19.h3; 19.Le3; 19.h4 waren alles Wege, die Spannung weiter zu unterhalten, aber Kovalev wollte es nun wohl richtig wissen.] 19...dxe5 20.dxe5 Lxe5 21.Dh5+ Sg6 22.Td3 Dc7 Deckt den Läufer. 23.Dxh6 [edit 28.08.: ? Frisst Bauern, aber verliert etwas Zeit und hebt die Fesselung gegen den Springer auf. So bekommt Schwarz etwas Zeit zur Konsolidierung. Mit 23.h4! hingegen, worauf ich von Burkhard Treiber aufmerksam gemacht wurde, konnte Weiß große Angriffsfortschritte erzielen. Zum Beispiel ist 23...gxh4 gar nicht möglich, da der Läufer e5 hängt (nach 24. Lxg6+) und der Versuch, den Druck mit 23...Lf4 zu entlasten, endet nach 24.Lxg6+ Txg6 25.Lxf4 gxf4 (sonst ist die Dame mit 26.Tf3 weg) 26.Txe6!! in einer Stellung, wo Schwarz trotz der Mehrfigur hilflos ist und der König nach einer kommenden Schachorgie erlegt wird. Schließlich kostet der Versuch, ähnlich zu spielen, wie in der Partie, nämlich 23...Tg7 nach 24.hxg5 hxg5 25.Lxg6+ Txg6 26.Txe5!! (immer dieser Turm!) Dxe5 27.Tf3+ die Dame, auch wenn nach 27...Df6 (27...Kg7 28.Lc3) noch eine Weile geordneter Widerstand möglich ist. Ich denke allerdings nicht, dass dieser Fund die Leistung von Shoker groß schmälern sollte. Er war von der Verarbeitung der immensen Turnieranspannung und der Konzentration her der bessere der beiden an diesem Tag und er vermochte Kovalev Probleme zu bereiten, die dieser nicht lösen konnte.] Tg7 24.Lxg5 Was hat Weiß für die Figur? Gewiss nicht gerade nichts. Der schwarze König ist in Gefahr, viele offene Linien und passive schwarze Figuren. Die weißen Akteure hingegen sind alle ausnahmslos gut platziert. Das ist aber gerade das weiße Problem. Es mangelt an Ressourcen, während die nächsten schwarzen Züge offentdichtlich sind - oder nicht? 24...Tag8 [24...c5 erfordert Nerven, die noch stärker sind, als die von Samy Shoker, aber holt Vorteil raus. 25.Tf3+ Kg8 26.Lxg6 Lxf3 27.gxf3 Dd6 und wenn etwa 28.Te4 dann 28...Dd1+ 29.Kg2 Tf8 Gegenangriff und weißes K.O.]

Shoker-4

25.h4?[25.Tf3+! Lf6 (25...Ke8 26.Dh5 Kd7 27.Td1+ Kc8 28.Lh6 und die Dividende kommen zurück.) und jetzt erst 26.h4 verurteilt die schwarzen Figuren zu einer solchen Tatenlosigkeit, dass Schwarz es schwer hat, aber sich wohl noch retten kann, man sehe 26...c5 27.h5 Lxe4 28.Txe4 Sf8 29.Lxf6 exf6 (29...Txg2+ 30.Kf1 exf6 31.Dxf6+ Ke8 32.Txe6+ Sxe6 33.Dxe6+ De7 34.Dc8+ Dd8 35.Dc6+ Dd7 36.Te3+ Kd8 37.Td3) 30.Dxf6+ Ke8 31.Txe6+ Sxe6 32.Dxe6+ De7] 25...c5! Die Befreiung. Weiß kommt nicht mehr zu seinem Ziel - dem kontrollierten Vorstoß h4-h5 und verliert nacheinander alle seine Truppen. 26.Tf3+ [26.Dh5!? ist laut Rybka besser, aber macht mal diesen Zug, wenn Ihr grade eben h2-h4 gezogen habt.] 26...Ke8 27.Dh5 Kd7 [27...Lxe4 geht auch sofort. 28.Txe4 Th8 29.Lh6 Kd7 und Schwarz ist safe, denn nach 30.Tg4 kommt 30...Sf4!] 28.Lxb7 [28.Lh6 Lxe4 29.Txe4 Th8] 28...Dxb7 29.Dg4 Die Mission ist gescheitert.

Shoker-5

29...Sxh4! komischerweise ist bei Schwarz alles für den Konter vorbereitet. 30.Txe5 Sxf3+ 31.gxf3 Dc6 32.axb5 Dd6! Gute Nerven hat der Junge schon... Weiß gab auf. 0–1

Andrei Kovalev
Trotz weißer Steine und 100 ELO Vorteil total eingegangen: Andrei Kovalev. Aber immerhin kam er auf dem guten vierten Platz ins Ziel.

Der SchaFzoo

Nur echt mit 0, 2 oder 4 Hörnern

Suche

 

Übersicht

Dezember 2009
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 2 
 5 
 6 
 7 
 8 
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 

Zoobewohner

Schottisches Hochlandrind

Was ist aktuell los?

Mäh?
Mäh! Was denn sonst? Das zweite Schaf ist doch...
Kevin (Gast) - Do, 10. Dez, 17:33
Witzigerweise habe ich...
Witzigerweise habe ich mir heute "Glennkill" gekauft.
Eis (Gast) - Do, 10. Dez, 17:17
Mäh?
Mäh!
Gast 1 (Gast) - Do, 10. Dez, 16:30
Deutsche Schaf-Tage
Auf vielfachen Wunsch ist heute Tag des Schafs!
Kaffeehausschach - Do, 10. Dez, 16:01
:-) :-) :-) :-) :-) :-)
:-) :-) :-) :-) :-) :-)
Für mehr Schafe (Gast) - Do, 10. Dez, 15:38
SuperBrain?
Erstmal danke an alle erfolgten und noch kommenden...
Kaffeehausschach - Do, 10. Dez, 14:59

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 217 Tagen
Zuletzt aktualisiert: Do, 10. Dez, 17:33

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (with comments)
xml version of this topic

twoday.net AGB

Zoobesucher (ab 10.Juni)

Wetter

Aktuelles Wetter in Karlsruhe:


Temperatur: 8 C
UV Index: 0
Luftfeuchte: 78 %
Sichtweite: Unlimited km
Luftdruck: 1011.5 mb
Windstärke: 26 km/h

Weather data provided by weather.com