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Stiftung Turniertest

Mittwoch, 23. September 2009

Herzogenriedpark Turnier - 2009 in Mannheim

Ein kleiner Geheimtipp im Herzen der badischen Industriestadt. Zweimal war ich bei diesem kleinen aber feinen Turnierchen bereits da und jeweils ließen sich nur 40-50 Teilnehmer blicken, auf seine Kosten kommt man allerdings auf jeden Fall.
Das Turnier liegt mitten im riesigen Herzogenriedpark, der ein Relikt der Mannheimer Bundesgartenschau in grauen Zeiten der BRD ist. Auf seinem Weg von der Kasse (2€ Eintritt) kommt der Teilnehmer an Gehegen mit Schafen, Schweinen, Ponys u.ä., Spielplätzen, riesigen grünen Wiesen mit Gänsen und Liegestühlen, an schönen schattigen Parkalleen und an Enten- und Karpfenteichen vorbei. Man fragt sich (auch bedingt durch das wunderschöne Wetter) an jeder Ecke, ob und warum man eigentlich zum Schach will... Das Spiellokal selbst ist ein Restaurant mit Biergarten auf dem Parkgelände, wobei dieses eine besondere Attraktivität auf Senioren auszuüben scheint. Auf der Speisekarte sind die Hälfte der Gerichte als Seniorengerichte markiert und im Eingangsbereich liegen Prospekte mit Katalogen für Seniorenartikel (etwa Handys mit riesengroßen Tasten, Lupen aller Formen und Farben, oder auch eine Tellerranderhöhung (ein 3 cm breiter, auf einen Teller klemmbarer Plastikstreifen) für 8,50 €. Dementsprechend viele Mitbürger der angesprochenen Bevölkerungsschicht sind über den ganzen Tag in der Lokalität zu finden, aber das stört nur soweit, dass deswegen das Radio durchgehend auf voller Lautstärke läuft.
Wirklich unangenehm (aber auch nix was man dem Turnier an sich anhängen kann) ist der Geruch im Eingangsbereich des Restaurants, wo die Türen zu den Toilettenräumen sind. Ich erinnerte mich an diesen noch mit großer Widerwärtigkeit aus dem Vorjahr und fragte mich, ob sich da wohl in der Zwischenzeit in der Hinsicht was getan hat. Die Antwort lautete "Nein." Allerdings lag es nicht an den Toiletten selbst, denn dort war die Geruchskulisse durchaus sehr angenehm. Mysteriös.

Zum Turnier: Die Räumlichkeiten waren schon etwas eng, wenn statt der 46 die in der Aussschreibung "angedrohten" 60 Teilnehmer erschienen wären, wäre es wirklich platzmäßig nicht mehr schön geworden. So ging es zwar, aber besser nutzen hätte man den so vorhandenen Platz schon können. Das Spielmaterial war solala, überall Plastik und keine Spur von Digitaluhren. Die für jedes Turnier notwendigen technischen Geräte (PC und Drucker) funktionierten aber sehr gut und schnell und dementsprechend fix war auch der Turnierablauf. Keine unnötigen Verzögerungen und immer eine rasche Auslosung - Ausnahme die zu lang geratene Mittagspause, was aber daran liegt, dass,( s.o.) das Seniorenrestaurant mit dem Ansturm der Schacher total überfordert war.
Die Preise waren zwar wirklich nicht hoch, aber immerhin gab es auch noch Sachpreise für alle, die teilweise gar nicht schlecht waren. Auch von den Titelträgern wurde ein Startgeld verlangt, aber unter solchen Umständen eines (Kleinst)-Turniers ist das durchaus akzeptabel.

Fazit: Das Schachturnier ist OK, jetzt nix Außergewöhliches oder so, aber ist gut, familiär, freunschaftlich organisiert und in Verbindung mit einem Besuch im Park eine durchaus lohnenswerte Anlage eines gemütlichen Spätsommersonntags.

Mannheim1
Etwas eng, aber für ein Schnellturnier gerade noch annehmbar

Mannheim2
Der Spielsaal etwas ungewöhnlich von der Farbe her, aber dafür mit direktem Zugang nach draußen in den Biergarten und die Sonne. Wie man sieht, waren auch ziemlich viele Kinder mit ihren Eltern da.

Erreichbarkeit: wrb
Spielbedingungen: wbb
Spielmaterial: weis
Organisation: weid
Besetzung: weis
Preise: weis

Fazit: wbb

Dienstag, 22. September 2009

10. Plochinger Marquardt- Schnellschachturnier am 19.09.2009

Ein so straff und sauber organisiertes, unkompliziertes Turnier, dass es darüber gar nicht wirklich viele Worte zu verlieren gibt.

Die Stadthalle Plochingen liegt ganze 300 Meter vom Bahnhof entfernt, wo regelmäßig Züge fahren. Das Gebäude bietet einen hellen, geräumigen großen Spielsaal, in den locker noch viel mehr als die erschienenen 80 Teilnehmer hereinpassen würden. Man hatte sogar soviel Platz, dass einem fast schon die Laufwege ermüdend lang vorkamen. An den Spitzenbrettern erstklassiges Spielmaterial inklusive entsprechender Uhren, weiter hinten allerdings nur das Standard-Plastik. Die Verpflegung, die zum großen Teil von fleißigen mittelwürttembergischen Kindern gestemmt wurde, schmeckte gut. An die regionale Köstlichkeit, den Leberkäs' traute ich mich allerdings als "Norddeutscher" nicht ran.

Außer dem etwas unpünktlichen Beginn und der zu lang gehaltenen Eröffnungsreden gibt es auch am zeitlichen Ablauf nichts zu kritisieren. Die Eingabe der Ergebnisse und die Neuauslosung erfolgte vorbildlich schnell, so dass die Siegerehrung um Viertel vor 5 vorbei war - ein Traum eines freien Samstag-(Fussball?) abends, würde man nicht als Semipro aus einer anderen Region Baden-Württembergs anreisen! ;-)). Nicht gut ist natürlich leider, dass die Ergebnisse immer nach 2 Tagen immer noch nicht im Netz sind - eine solche Nachbereitung wäre nicht schlecht und kostet auch nicht viel mehr als 5 Minuten Arbeit am Abend. Hier die Vereinshomepage, vielleicht taucht ja mal so etwas wie eine Tabelle auf.

Für die gebotene Besetzung waren nach meinem Gusto die ausgeschriebenen Preise einen kleinen Tucken zu gering, aber wie man meiner regulären Berichterstattung entnehmen kann, ist bei Schnellschachturnieren in diesen unsicheren Zeiten sowieso die absolute Hölle los - regionale Präferenzen von Spielern brechen völlig weg, alle spielen eh überall. Auf einen solchen Pro-Ansturm kann man sich gar nicht vernünftig einstellen. Die Anwendung des Hort-Systems halte ich allerdings für sehr lobenswert. Für alle weniger erfolgreichen Schacher hielt das Turnier noch Trostsachpreise (in absteigender Reihenfolge: Kekse, Mini-Boule-Sets, Karpov-Bücher aus den 80ern, Kugelschreiber) bereit.

Fazit: Von den Veranstaltungen, die man gerade noch so als "Dorfturnier" bezeichnen kann, ist Plochingen eine der vorbildlichsten, an denen ich zumindest in diesem Jahr teilgenommen habe. Da fehlte einfach nichts, außer am Ende vielleicht ein wertvollerer Preis als die Trost-Keksdose. Von mir eine große Teilnahmeempfehlung!

Erreichbarkeit: weid
Spielbedingungen: weik
Organisation: weid
Spielmaterial: weik (vorne), wbb(hinten)
Besetzung: weid
Preise: wrb
Dennewitz-Faktor: weid

Gesamt: weid mit einem dicken +

Mittwoch, 9. September 2009

Bensheim, 16. Active-Chess-Open 2009

Das elfründige Schnellturnier in Bensheim in Südhessen hinterließ bei mir einen so oft vermissten straffen, gut organisierten und sogar eleganten Eindruck. Die Räumlichkeiten waren für einen solchen Anlass hervorragend geeignet, hell und sehr geräumig und die (im Schnitt) jungen Organisatoren zogen das elfründige Programm ziemlich fix durch, so dass sich zwischen den Partien nur geringe, unvermeidliche Pausen ergaben. Einzig das Spielmaterial (besonders die Uhren) an den hinteren Brettern konnte mit dem hohen Gesamtniveau nicht mithalten. Vorne war auch das Spielmaterial gut.

Bensheim-Spielsaal
Viel Platz für alle (Bild von 2008 von der Turnierseite)

Wenn man den Stimmen vor Ort Glauben schenkt, und sich statt des Gangs um die Ecke zum Dönermann in der Mittagspause am Catering verpflegt hätte, hätte man auch da alles richtig gemacht. Der Preisfond war recht ordentlich und die attraktive Verlosung von "Freßkörben", bei der man an seinem Glück aktiv "mitarbeiten" konnte, waren eine gute Idee. Genau so wie die humoristische Einlage mit der Verteilung von 2€-Münzen an das hungernde Schachvolk. :-)

Kevin Hoegy
Freßkorb

Thilo Kabisch
Der 11.Platz: Besser als nichts.

Auch das für mich etwas fragwürdige BuSumm-System als Methode, die Zweitwertung auszulosen, wurde im Vergleich zu der mich etwas in Schrecken versetzt habenden Tabelle von 2008 zugunsten einer normalen Buchholzwertung mit Streichresultat abgeschafft.

Leider ergab mittels eines genauen Studiums der Fortschrittstabelle, dass die "Dennewitz-Regel" zwar bekannt war (der Schiri nickte bei meiner Nachfrage zustimmend, als ich während der letzten Runde bemerkte, dass sich mal wieder ein Buchholz-Schäfchen vorzeitig von der Wiese verzogen hatte und in Panik für den Fall der Fälle die Rechtslage klären wollte) aber auch hier nicht angewandt wurde. Habe ich nachgeprüft - wenn ihr wollt, werft mir Kleinkariertheit vor. Ich habe damit kein Problem.

[Kleiner Tipp am Rande: Wenn ihr euch auch die Mühe machen wollt, meine Rechnung nachzuvollziehen, macht es NICHT an meinem Beispiel (der Zurückzieher, die Nr. 59 war eh meine Streichwertung) und AUCH NICHT an einem der Gegner der Nr.59, der gegen Spieler mit kampflosen Punkten gespielt hat. Ergibt nur Chaos. Ich habe es etwa am Beispiel der Nr. 16 (Helmut Kaulfuss) durchgerechnet. Vergesst aber die Streichwertung nicht!]

Jungs, eine Bitte: Klickt doch das nächste Mal das "Bei-kampflosen-Partien-gibt-es-einen-halben-Buchholzpunkt-Häkchen" an, bevor ihr beginnt (kostet vielleicht eine Minute Suchen in den Programmoptionen) und dann kommt ihr ein echt tolles Turnier raus, zu dem ich bei freiem Terminkalender garantiert wiederkommen werde und es auch jedem ans Herz legen kann, es mir gleichzutun.

Erreichbarkeit: wbb (Bensheim gut, Spiellokal weniger )

Organisation: weid

Spielbedingungen: weid

Spielmaterial: wrb

Besetzung, Preisfond: weid

Dennewitz-Faktor: wbb (Preisdifferenzen immerhin nicht so hoch, wie mancherorts, außerdem abmilderndes Hort-System sowie Streichwertung)

Gesamtbewertung: weid

Montag, 24. August 2009

Heinerfest Schachpokal, 04-05.07.09, Darmstadt (von Andreas Peschel)

Zum alljährlichen Darmstädter Heinerfest (Stadtfest mit Kirmes) veranstalteten das Schachforum Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem SV Griesheim jeweils ein 9-rundiges 30 Minuten Schnellschachturnier über zwei Tage. Dieses Turnier wird auch jeweils zahlreich von Spielern der polnischen Partnerstadt Plock bevölkert. Stiftung Turniertest war auch dabei!


Erreichbarkeit:

Grundsätzlich ist Darmstadt sowohl für den Individualverkehr als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Während des Heinerfestes sieht das jedoch ein wenig anders aus. Die Autofahrer haben dann ein Parkproblem und durch zahlreiche Umleitungen hat man es auch mit dem ÖPNV nicht leicht, die Spielstätte zu erreichen, insbesondere wenn man dort fremd ist. Hinzu kommt, dass am Sonntagmorgen längst nicht alle Verbindungen verkehren. Man sollte in diesem Fall über einiges Improvisationstalent verfügen.

Bewertung: wbb


Spielbedingungen:

Ich scheue mich davor, Bauern zu vergeben, werde es auch in diesem Fall nicht tun, aber ganz ehrlich: Die Spielbedingungen waren unter aller S.. .
Gespielt wurde in einer Nebenstelle des Abendgymnasiums. 120 Teilnehmer wurden auf 3 Klassenräume und die Cafeteria im Kellergeschoss (Bretter 1-13) verteilt.
In den Klassenräumen ging es teilweise zu wie in einer Legebatterie, lediglich die ersten 13 Bretter hatten etwas mehr Freiheit.
Das Spielmaterial bestand komplett aus Plastiksätzen und bunt durcheinander gemischten mechanischen Uhren.
Die sanitären Einrichtungen waren zwar ausreichend vorhanden, jedoch nicht besonders sauber.
Zumindest wurde ich, bis auf ein paar Ausnahmen durch sich vorbeidrängende Spieler, an meinen Brettern wenig beeinträchtigt.

Bewertung: weis


Organisation:

Die erste Runde startete mit knapp 15 Minuten Verspätung, was aufgrund der Teilnehmerzahl mit vielen Kurzentschlossenen annehmbar ist. Die weiteren Runden wurden jeweils zeitlich terminiert und eine Pufferzeit von 15 Minuten eingebaut. Viel zu lang!
Ein 9-rundiges 30 Minuten Schnellschachturnier muss man sicher nicht an zwei Tagen abhalten (4+5) und schon gar keine einstündige!!! Mittagspause am Sonntag.
Da ich in Runde 6 eine Kurzpartie hatte, durfte ich eindreiviertel Stunden auf die nächste Runde warten.
Die Veröffentlichung von Paarungen und Tabellen geschah sowohl nach dem ersten als auch nach dem zweiten Tag sehr zeitnah. Über die Siegerehrung kann ich nichts sagen, da ich preislos nach Beendigung der 9. Runde das Weite suchte.

Bewertung : weis


und sonst…

Der Preisfonds (ca.750 Euro) war in Bezug auf das Startgeld (10,-, bei Vorabnmeldung lediglich 5,- Euro) okay.
Das Catering wurde von einigen (Spieler-) Frauen organisiert und hielt ein reichhaltiges Angebot zu zivilen Preisen parat.
Die Idee eines Schachturniers während des Festes mit gleichzeitiger Einbindung der polnischen Partnerstadt ist eine tolle Idee. Die Ausführung (s. Spielbedingungen und Organisation) leider nicht.

Bewertung: weid


Fazit:

Tolle Idee- schlechte Ausführung, so lässt sich das Heinerfest Schnellturnier in Darmstadt kurz und knapp beschreiben.
Ein besserer Spielort gepaart mit angemessenerer Organisation könnte das Turnier zu einem echten Renner werden lassen und noch mehr als die stattlichen 120 Teilnehmer anziehen.

Gesamtbewertung: wbb

Dienstag, 21. Juli 2009

Eschborn Open 26.08 - 28.08 (von Andreas Peschel)

Zum sechsten Mal veranstalteten die örtlichen Schachfreunde vor den Toren Frankfurts ein fünfrundiges DWZ und ELO ausgewertetes Turnier. Stiftung Turniertest hat es einmal genauer unter die Lupe genommen.

Erreichbarkeit:
Eschborn ist eine kleine Stadt vor den Toren Frankfurts und damit natürlich sehr verkehrsgünstig gelegen. Sowohl mit dem PKW als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln (ca.15 Minuten mit der S-Bahn bis Frankfurt Hbf.) ist Niederhöchsstadt, der Nachbarort und Austragungsstätte des Turniers, sehr gut zu erreichen.
Bewertung: weid

Spielbedingungen:
Gespielt wurde im grossen Saal des modernen Bürgerzentrums, welches für die insgesamt 77 Teilnehmer hervorragende Bedingungen bot.
Getrübt wurde es einzig durch die durchgängig verwendeten Plastiksätze und mechanischen GARDE Uhren.
Etwas eng wurde der Durchgang zwischen den ersten beiden Reihen, die jeweils mit mit acht Brettern sehr großzügig bestückt waren. Das war bei dem insgesamt zur Verfügung stehenden Platz unnötig.
Auch die sehr grosse Bühne blieb leider unbenutzt. Dort hätte man mit ausreichend Platz die z.B fünf Spitzenbretter platzieren können.
Die sanitären Einrichtungen waren mehr als ausreichend und jederzeit in gutem Zustand vorhanden.
Ein separater Analyseraum stand ebenfalls zur Verfuegung.
Durch das Spielmaterial gibt es hier leider nur:
Bewertung: wrb

Organisation:
Alles in allem hatten die Schachfreunde aus Eschborn alles im Griff.
Als Schiedsrichter und Turnierleiter hatten sie den erfahrenen und kompetenten Konrad Neupert engagiert, der seine Sache, wie immer, souveraen meisterte.
Unnötig empfand ich den Anmeldeschluss eine Stunde vor Turnierbeginn.
20-30 Minuten vor Start der ersten Runde wäre bei einem Turnier dieser Größenordnung angemessen.
Leider wurde nur eine alphabetische und keine Teilnehmerliste nach Rangfolge ausgehangen, eigentlich ein ‘Muss’ fuer jedes Turnier. Auch die Informationen auf der Internetseite www.schachclub-eschborn.de flossen nur spärlich.
Die Siegerehrung fand ca. 20 Minuten nach Beendigung der letzten Runde statt. Das liegt noch im Rahmen.
Wie schon unter Spielbedingungen erwähnt, versäumte man es, die wunderschöne Bühne des Saals zur Präsentation der Spitzenbretter zu verwenden.
Bewertung: wrb

und sonst:
Das Catering wurde in Eigenregie durchgeführt. Durchschnittliches Angebot mit durchschnittlichen Preisen lässt es sich kurz und knapp zusammenfassen.
Die Idee des Turniers, ein fünfrundiges Open am Wochenende ist sehr gut, insbesondere arbeitnehmerfreundlich, da unter normalen Umständen kein Urlaub genommen werden muss.
77 Teilnehmer, darunter überraschender weise mit einem GM und einem IM nur zwei Titelträger trugen zu einer trotz unangenehm schwülwarmer Witterung, schoenen Schachatmosphäre bei.
Bis zu 10 Euro Startgeld ließ sich sparen, wenn man sich frühzeitig (4 Monate im Voraus!) anmeldete. Bei bis zu zwei Monaten im Voraus immerhin noch 5 Euro.
Da ich mich wie fast immer kurzfristig entschied, waren für mich 35 Euro fällig. Bei einem Preisfonds von 1800 Euro ( Hauptpreise 1.-7. 500 - 30) auch noch gerade so im Rahmen.
Unverstaendlich war jedoch die Preisvergabe bei den Hauptpreisen. Bei Punktgleichheit wurde ohne Berücksichtigung weiterer Wertungen geteilt. So geschah es, dass sich am Ende acht Spieler (unter ihnen auch der Tester) auf den Plaetzen 2.-9. mit jeweils 4 Punkten 750 Euro teilten, was 95,- fuer jeden einbrachte, wobei hingegen der Turniersieger mit 4,5 Punkten den kompletten ersten Preis einheimsen konnte, was den stattlichen Unterschied von 405 Euro zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten ausmachte.
Was hätte man bloß gemacht, wenn am Ende 12 Spieler geteilter Siebter geworden wären und sich 30 Euro hätten teilen müssen ?
Bewertung: wrb

Fazit:
Ich kann das Eschborn Open in jedem Fall empfehlen, insbesondere aufgrund der guten Erreichbarkeit, der Arbeitnehmerfreundlichkeit und des schönen Spielsaals wegen.
Bei mir ist eine Wiederholungsgefahr in jedem Fall gegeben, vielleicht dann sogar mit angemessenem Spielmaterial und einer etwas mehr durchdachteren Vergabe der Preise.

Gesamtbewertung: wrb

Montag, 29. Juni 2009

Open-Air-Schwabengarten-Schnellschachturnier Leinfelden

2009 erfolgte in Leinfelden (bei Stuttgart) die Premiere eines Open-Air-Schnellschachturniers. Zumindest wäre es unter freiem Himmel ausgetragen worden, wenn die Witterungsbedingungen es gestattet hätten. So mussten die Spieler und die Turnierleitung in eine kleinere Hütte auf dem Biergartengelände ausweichen, die zwar aufgrund ihrer Bauart (Komplett Holz, die meisten Fenster ohne Fensterscheiben) und ihrer rustikalen Ausstattung gewiss ihre Reize hatte und beileibe nicht das unattraktivste Spiellokal darstellte, aber in Sachen Platz und Bequemlichkeit doch einiges zu wünschen übrig ließ. Das Mobiliar war ein biergartengemäßes, also Tische und lange Bänke (hier präsentiert von einer jungen Turnierhelferin) ...

2009-06-Schwabengarten-Schnellschach-02

... und dementsprechend ergab sich, wie immer in solchen Fällen das große Oberschenkel-Problem. Sitzen an sich ist zwar mehr oder weniger gut möglich, aber in dem Moment, wo man versucht, während der Partie elegant die Sitzposition zu wechseln oder auch nur die Beine übereinander zu schlagen, erfährt man einige Schwierigkeiten. Der Inspiration nicht gerade zuträglich, aber für Schnellpartien grade noch OK. Positiv möchte ich noch anmerken, dass es keine großen Probleme mit dem Platz an und für sich gab (nur 2 Bretter pro langen Tisch) und natürlich auch, dass die Hütte gewissermaßen eine Notunterkunft war. Wünschen wir dem Turnier nächstes Jahr einfach besseres Wetter.

Das Spielmaterial... naja. Die Bretter, wenn auch nicht aus Holz, waren neu und wirklich gut, der Entropiegrad der unterschiedlichen Figurensätze an einem Brett hielt sich immerhin in weitaus in engeren Grenzen als etwa in Ulm, aber von Holz war auch hier leider bis auf wenige Bretter keine Spur... Die Uhren lassen hingegen einfach den Wunsch nach der Zeitmesser-Abwrackprämie aufkommen. Und die ewige Frage, ob Schach nicht doch ein Glückspiel ist. Die Voraussage, wann welches Blättchen fällt und warum, ist bei dieser Art von Chronometern unmöglich. Aber das ist mit Sicherheit alles eine temporäre Erscheinung. Nach dem Durchschreiten der Finanzkrise werden uns bestimmt in jedem Turniersaal lauter handgeschnitzte Mahagoni-Springer freundlich anlächeln und das bis dahin weiterentwickelte Modell der DGT 2010 wird den Bedenkzeitverlauf elektronisch speichern, der im Falle einer Reklamation zur Verfügung stehen wird.

Die größten Böcke (außer dem 16-Ender, der bereits eine der Wände schmückte)...

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...wurden allerings auf dem Gebiet der zeitlichen Organisation geschossen. An sich ist ein Anmeldeschluss/Spielbeginn von 11:30 ein großes Entgegenkommen an die Spieler und auch durchaus begrüßenswert, nur gerade bei einer Veranstaltung wie dieser, bei der Till aus Heidelberg und ich aus Bad Herrenalb vermutlich einen genauso weiten Anreiseweg hatten, wie die restlichen 36 Teilnehmer zusammen, vielleicht doch etwas unnötig und überdenkenswert, zumal die eingesparte Zeit einfach vom Abend geklaut wird. Und wenn man sich doch dazu entschließt, dann sollte man es zumindest versuchen, den Plan halbwegs konsequent durchzuziehen. Im vorliegenden Fall besetzten die ersten Bauern etwa gegen kurz nach Mittag die Brettzentren und auch sonst ging alles recht schleppend voran. Die Auslosungen kamen beileibe nicht besonders zügig und nach ihrem Erscheinen mussten erstmal von der Turnierleitung die Raucher wie entlaufene Schafe quer über das ganze Biergartengelände eingefangen werden. Dass die meisten Teilnehmer es dann vorzogen, ihre Partie ohne offizielle Rundenfreigabe zu eröffnen, ist ein eindeutiges Zeichen, dass das Plebs nicht in vollem Maße zufrieden gestimmt war. Die Turnierleiter habe ich als sehr nett und aufrichtig, aber leider als auch etwas resistent gegen in diese Richtung gehende Verbesserungsanregungen kennengelernt.
Die bei Turnieren vielgescholtene Mittagspause war allerdings genau richtig und auch notwendig, denn die wohlriechenden Düfte aus der Biergartenküche, die ungehemmt durch die offenen Fenster und Türen in das Spiellokal gelangten, hätten zumindest mich ohne eine Essenspause nicht mehr lange bei klarem Verstand spielen lassen. Unnötig zu erwähnen, dass das Essen wirklich gut und nicht zu teuer war.
All das führte dazu, dass Feierabend an diesem Samstag nicht vor 18:30 mit dem Ende der Siegerehrung ausgerufen werden konnte. Dies ist für ein 9-Runden-15-Minuten Standard-Schnellturnier schon ziemlich spät. Unabhängig vom speziellen Fall hätte es bei dieser Teilnehmerzahl (38) auch durchaus ein 7-Ründer getan, doch diese war in hohem Maße dem schlechten Wetter geschuldet.
Die Preise waren dafür mit 150/80/50 + Sonderpreise absolut OK, und die Regelung, auch von Titelträgern Startgeld zu nehmen, ist zwar ungewöhnlich, aber auch nicht von der Hand zu weisen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, das Turnier ist mal was anderes und unter freiem Himmel wäre sein Charme noch wesentlich erhöht worden, auch wenn konzentriertes Spiel draußen eine hohe Probe an die Geschmacksnerven und Speicheldrüsen gestellt hätte. Man sollte sich allerdings darauf einstellen, dass man an diesem Tag nicht mehr schafft, zu den Kumpels am Baggersee dazuzustoßen. Dafür kann man mit ihnen nach dem Turnier ja noch im Biergarten anstoßen. 38 Teilnehmer sind zuwenig, da gehen nächstes Jahr noch mehr!

Fazit:

Erreichbarkeit: weid (man kann sogar mit dem Flugzeug anreisen :-) Flughafen in Sicht- und leider auch in Hörweite)
Spielbedingunen: wrb
Spielmaterial: wbb
Organisation: weis
Besetzung: weis

Gesamtbewertung: wbb

Link zur Vereinsseite

Freitag, 26. Juni 2009

Sparda Schnellschachturnier München (von Andreas Peschel)

Nachdem ich auf der Homepage der deutschen Bahn zufällig entdeckte, dass sie stillschweigend erneut den Deutschland Pass, der erstmalig im letzten Jahr in den Monaten Juli und August eingeführt wurde, anboten, griff ich als Bahn-Fan sofort zu.
Dieser Pass berechtigt einen Monat lang mit allen DB- sowie allen nicht bundeseigenen Bahnen die freie Fahrt durch Deutschland und das für 299,- Euro (bis 26 Jahre gar nur 249,-).
Selbstverständlich versuche ich meine Touren durch die Republik mit dem ein oder anderen Schachturnier zu verbinden und so führte es mich an diesem Sonntag zur SG Schwabing München-Nord, die ihr 9. Sparda Schnellschach-Turnier ausrichteten:


Erreichbarkeit:

Gut, München liegt nicht gerade in Zentraldeutschland, jedoch war das Spiellokal des ausrichtenden Vereins recht einfach zu erreichen. Vom Hbf benötigt man 10 Minuten mit der U-Bahn und dann noch einmal wahlweise 2 Minuten mit dem Bus bzw. 10 Minuten zu Fuß. Auch Sonntags fuhr der ÖPNV in einem sehr gutem Takt.
Falls man aus der näheren Umgebung kommt, ist der Schwabinger Verein über die Autobahn schnell und unkompliziert zu erreichen. Dabei wird die komplette Münchner Innenstadt gemieden. Parkraum war, soweit ich das beurteilen konnte, in den umliegenden Seitenstraßen genug vorhanden.

Bewertung : weid


Spielbedingungen:

Gespielt wurde im regulären Spiellokal des ausrichtenden Vereins, einer Art Gemeinschaftsraum der Arbeiterwohlfahrt. In der Turnierausschreibung hieß es, dass Platz für etwa 60 Teilnehmer sei. Mit 44 Spielern war man allerdings schon fast voll. Maximal zwei Bretter hätte man im Raum noch unterkriegen können. Ob im Bedarfsfall noch ein weiterer Raum zur Verfügung gestanden hätte, weiß ich nicht.
Jedenfalls entzogen die anwesenden Teilnehmer sowie einige Zuschauer dem ‘Gehäge’ doch ein nicht unerhebliches Maß an Sauerstoff. Lediglich die beiden (meist) offenen Türen zum Garten heraus, machten das Spielen einigermaßen erträglich. Dass man relativ eng beieinander saß, ergab sich von alleine, allerdings empfinde ich das für Schnellschachpartien als nicht ganz so tragisch.

Gespielt wurde ausschließlich auf Plastikbrettern mit entsprechenden Figuren, die hin und wieder mal nicht zueinander passten.
Ganz schlecht waren leider die Uhren, die sicherlich schon deutlich länger als 20 Jahre im Besitz des Vereins sind. An den vorderen Brettern wurden noch ein paar GARDE Uhren eingesetzt, die allerdings bis auf ihre Größe auch nicht viel besser sind. Gerade in den ‘heißen’ Phasen ist es oft ein Glücksspiel, ob die Platte fällt oder nicht.
Digitaluhren komplett Fehlanzeige.

Ich möchte es natürlich nicht dem Verein anlasten, insbesondere wenn man keine finanziellen Möglichkeiten hat sich entsprechend moderne Spielsätze anzuschaffen aber im Zeitalter von FIDE-Bedenkzeiten mit Inkrement sollten sich die Bosse des Clubs über kurz oder lang mal Gedanken darüber machen.
Die sanitären Einrichtungen, ausgestattet mit einer Kabine und einen Pissoir sowie einer separaten Damentoilette waren für das Teilnehmerfeld sauber und ausreichend vorhanden. Bei Engpässen konnte man immer noch die Behindertentoilette benutzen.

Bewertung: weis


Organisation:

Meldeschluss war offiziell 10:45 Uhr (Beginn 11:00 Uhr). Zu diesem Zeitpunkt tummelten sich mehr als 10 Leute vor dem Anmeldetisch. Eine Person nahm dort etwas überfordert die Anmeldezettel entgegen, die manch einer allerdings erst dort entdeckte, ausfüllte und die ganze Prozedur verzögerte.
Ratsam wäre es gewesen, wenn eine zweite Person mit einem Laptop gleich die Teilnehmer eingegeben hätte, so geschah dies im Nachhinein, was natürlich den Turnierbeginn verzögerte.
Trotzdem hat man es geschafft, mit nur 20-minütiger Verspätung die erste Runde zu beginnen. Leider ließ man es sich nicht nehmen, vor jeder Runde die Paarungen komplett vorzulesen.
Ein Missstand, der mir schon häufiger bei Turnieren aufgefallen ist, ist der Aushang der Teilnehmerliste bevor dann einige Zeit später zur ersten Runde aufgerufen wurde. Umgekehrt wäre wesentlich effektiver!
Ärgerlich auch der Umstand, dass nach der vierten Runde eine 25-minütige + Restzeit aus der vergangenen Runde Mittagspause ausgerufen wurde. Nicht nur, dass durch solch eine Unterbrechung, die meiner Meinung nach völlig unnötig ist, der Spielfluss unterbrochen wird, sondern auch der Beginn der fünften Runde, für 14:15 Uhr terminiert, wurde erst um 14:20 Uhr mit dem Vorlesen der Paarungen fortgesetzt. Selbst hier wurde ein Aushang der Paarungen für nicht angemessen gehalten (vielleicht hatte man ja Angst, die Spieler könnten sich vorbereiten)..
Ich habe von diesem Turnier aus der Rochade Europa erfahren, musste mir dann aber eigenständig die Homepage des ausrichtenden Vereins suchen, um mehr über das Event zu erfahren. Erst nach längerem Suchen über den Punkt Archiv konnte ich mir ein kleines Bild von den Veranstaltungen der vergangenen Jahre machen. Turnierseite
Fazit:
Die Öffentlichkeitsarbeit hat auch Potenzial nach oben!
Wie und wann die Siegerehrung stattgefunden hat, kann leider nicht in die Bewertung mit einfließen, denn da hatte ich schon Reißaus genommen.

Bewertung: wbb


und sonst…

In der Ausschreibung wird Verpflegung zu günstigen Preisen angepriesen. Die 0,7 l Flasche Wasser wurde fuer 2,- Euro, die 0,3 l Flasche Pepsi fuer 1,50 verkauft. Günstig ist anders, wie ich meine. Zudem gab es wohl Wurstsemmeln und in der Mittagspause Wiener Würstchen, welche allerdings recht bald ausverkauft war.
Säfte wurden auch angeboten, light-Produkte jedoch nicht. Ob es Kaffee gab, war immer reine Glückssache. Immer, wenn ich danach fragte, hatte ich wohl Pech.
Zwischen den Runden konnte man vom Spielsaal in den kleinen Garten mit einigen Sitzgelegenheiten gehen, was vor allem von den Rauchern genutzt wurde. Diese kleine Oase brauchte man auch, um einen Ausgleich zu dem von Runde zu Runde immer stickiger werdenden Turniersaal zu haben.
Gegen den Modus von 9x15 Minuten CH-System kann man nichts einwenden, ebenso wenig zu den 8,- Euro Startgeld, die in einem ordentlichen Verhältnis zu dem mit etwas mehr als 500 Euro Preisfonds stehen ( Hauptpreise 150 -25 für die ersten fünf + 3 Ratingpreise).
Erstaunlich, dass sich bei diesem kleinen Preisfonds vier IMs im Teilnehmerfeld tummelten und ich war auch etwas überrascht, dass ich mit meiner DWZ von 2113 nur an 13 gesetzt war.
Über mein Abschneiden decke ich mal den Mantel des Schweigens, ob es am berüchtigten Münchner Föhn lag oder vielleicht negative Erdstrahlen meinen Biorhythmus durcheinander brachten, ich weiß es nicht. Aber da ich ja lediglich die Turniere bewerte, sollte das auch nebensächlich bleiben.

Bewertung: wbb


Fazit:

Wer Langeweile hat und keinen exorbitant weiten Anfahrtsweg, für den ist das Sparda Schnellschachturnier der SG München Nord vielleicht eine willkommene Abwechslung. Wer aus was für Gründen auch immer nicht daran teilnehmen kann, dem sei gesagt, dass er nichts verpasst hat.

Gesamtbewertung : wbb

Freitag, 19. Juni 2009

Seebach Open, Grossenseebach 11.06 - 14.06.09 (von Andreas Peschel)

Nachdem Ilja mir meine Idee geklaut hat, eine Seite zur Bewertung von Turnieren zu kreieren, werde ich zukünftig als Gastautor auf seiner Seite Bewertungen vornehmen.
Nachdem die Fußballsaison beendet ist, widme ich mich jetzt verstärkt einigen Schachturnieren.
Los geht’s mit dem über Fronleichnam stattfindenden Open in Großenseebach.
Wilde Partynächte, flanieren auf belebten Boulevards, Shopping in riesigen Einkaufscentern und sehen und gesehen werden in angesagten Straßencafes, all das gibt es in Großenseebach nicht.
Dafür ist das ca. 2500 Seelendorf im fränkischen Städtedreieck Nürnberg - Fürth - Erlangen bereits zum 20.Mal Austragungsort des Seebach-Opens, welches in diesem Jahr mit der Rekordbeteiligung von 154 Spielern startete.


Erreichbarkeit:


Wer nicht aus der Gegend kommt und auch nicht auf einen fahrbaren Untersatz zurückgreifen kann, der hat es schon etwas schwer, das fränkische Dorf zu erreichen. Zwar besteht werktags eine halbstündige Busverbindung nach Erlangen, doch auch diese Stadt liegt nicht gerade auf den gängigen Hauptverbindungsachsen Deutschlands. Sonntags verkehrt die Buslinie zudem auch nur alle zwei Stunden.
Zudem gibt es im Ort auch nur ein Hotel, welches zwar ein ordentliches 3-Sterne Haus ist, dem auf der Homepage des Veranstalters gepriesenen ‘ gehobenes Niveau ‘ allenfalls im Preis niederschlägt.
Um Mißverständnissen vorzubeugen, das Hotel war wirklich in Ordnung, hatte einen Fitnessraum, kostenloses WLAN, zwei kostenlose Premiereprogramme, einen Ventilator und die Zimmer waren angemessen groß und sauber. Für mich als häufiger Hotelgast gehört zu einem gehobenem Niveau dann doch noch etwas mehr.
Zur Abreise erfuhr ich dann noch durch Zufall von einem Sondertarif für Schachspieler: Sechs Euro vergünstigt pro Nacht - immerhin ! Ein Hinweis des Veranstalters auf seiner Homepage hätte verhindert, dass ich das Hotel wie üblich über HRS gebucht hätte.
Um die Übernachtungen dann doch ein wenig günstiger zu bekommen, muss man auf umliegende Nachbardörfer ausweichen, was allerdings wieder einen PKW notwendig macht.
Hat man diesen, ist Großenseebach in nur 3 km Entfernung von der A3 sehr gut zu erreichen.
Bewertung: wbb


Spielbedingungen:

Das Turnier fand in der modernen, lichtdurchfluteten Mehrzweckhalle statt. 154 Teilnehmer wurden auf acht Reihen in der Anordnung 4-2-4 verteilt. Das hatte zur Folge, dass man auf insgesamt vier Gängen ohne jegliche Probleme durch die Reihen streifen konnte. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass man den Abstand zu den Nachbarbrettern durchaus - auch durch eventuelle andere Tischformationen - etwas verbessern konnte. Aber auch so war es (gerade) noch okay . Einzeltische fehlten leider völlig.
Die sanitären Einrichtungen waren sauber und ausreichend vorhanden.
Die Luft im Turniersaal empfand ich jederzeit in Ordnung.
Gespielt wurde komplett mit Holzsaetzen und DGT 2010 Uhren. Besser geht es nicht!
In der benachbarten Grundschule konnte analysiert werden.
Bewertung: weid


Organisation:

Die Turnierhomepage bot eigentlich alle notwendigen Informationen. Leider fehlte dieses Turnier in einigen Turnierkalendern, so dass auf den deutschsprachigen Onlineportalen von diesem Open keine Notiz genommen wurde.
Die Anmeldung am Turniertag erfolgte auch reibungslos und ein ganz großer Pluspunkt war der (fast) pünktliche Beginn der ersten Runde.
Gewöhnungsbedürftig die Auslosungsprozedur: Zunächst wurde die Teilnehmerliste nach DWZ sortiert (was nicht den Fide-Richtlinien für Elo ausgewertete Turniere entspricht), und dann das so genannte beschleunigte CH-System gespielt, bei dem das Feld geviertelt wird und in der ersten Runde jeweils die Spieler der oberen Hälfte und die der unteren Hälfte untereinander spielten. Die Spieler der oberen Hälfte bekamen dann virtuell einen Punkt mehr, so dass die Verlierer der ersten Runde dann in der zweiten Runde auf die Sieger der Begegnungen der unteren Hälfte trafen. Nach der dritten Runde ging es dann im normalen CH-System weiter. Für Turniere, in denen Spieler eine Norm machen können, ist diese Variante sicher sinnvoll, für ein Open wie dieses völlig überflüssig.

Der Spielsaal bot eine schöne große Bühne, aber anstatt die ersten 5-6 Bretter darauf an Einzeltischen Zuschauer- und statusgerecht zu platzieren, baute die Turnierleitung dort ihre Tische auf, was in einem separaten Raum der Halle sinnvoller gewesen wäre.
Die Auslosung erfolgte jedoch sehr zeitnah, kurz nach Beendigung der jeweils letzten Partie.
Ein wenig ärgerlich war es, dass man keine Ergebnisse der beendeten Partien erfuhr.

In einem Aushang wurde darauf hingewiesen, dass aufgrund der ELO-Auswertung des Turniers durch die FIDE doch auf das Einhalten der Regeln zu Mobilfunkgeräten geachtet werden muss.
Mit der Teilnehmersortierung und Alkohol im Spielsaal (zahlreiche am Brett befindliche Spieler hatten ihren Gerstensaft neben sich stehen) nahm man es dann doch nicht so genau.
Ich finde das ja grundsätzlich auch in Ordnung, aber den Aushang hätte man sich in diesem Fall auch sparen können.

Der sonst im großen und ganzen sehr gute Eindruck von der Turnierleitung wurde am letzten Tag zunichte gemacht.
Anstatt die Siegerehrung 15 Minuten nach Beendigung der letzten Partie zu machen, wurde sie auf 15:00 Uhr, also eine Stunde nach theoretischer Beendigung der letzten Partie gelegt.
Meine Herren: DAS GEHT GAR NICHT !
Nach dreieinhalb Tagen Schach pur ist jeder Spieler froh, so schnell wie möglich wieder nach Hause zu gelangen, insbesondere die mit einer weiteren Anreise. Das man innerhalb von 10-15 Minuten nach Beendigung der letzten Partie problemlos die Siegerehrung vorbereiten kann, weiß ich aus langjähriger eigener Erfahrung als Teil des Kompetenzteams der Solinger Schachwochen, zumal bei diesem Turnier nicht einmal das Hort- System angewendet wird und so jegliche Rechnerei wegfällt.
Waere ich bei diesem Turnier nicht zufälligerweise geteilter Zweiter geworden, hätte ich mir die Siegerehrung mit Sicherheit geschenkt, so musste ich fünfeinhalb Stunden Wartezeit überbrücken.
Insgesamt konnte der sehr positive Eindruck zu Beginn des Turniers in organisatorischer Hinsicht nicht beibehalten werden und daher leider nur noch:
Bewertung: wrb


Und sonst …

In dieser Rubrik beurteile ich alles, was nicht direkt mit den anderen Punkten zusammenhängt aber dennoch turniertypisch ist.
Das Catering war ganz in Ordnung. Man bekam Kaffee und eine leider nur geringe Auswahl an Kaltgetraenken in 0,5 l Flaschen . Zudem gab es belegte Brötchen und täglich eine Auswahl an verschiedenen Kuchen. Die Verpflegung wurde vom Veranstalter organisiert und alles konnte man zu angemessenen Preisen erwerben.
Zur Mittagszeit öffnete dann auch das an die Halle angeschlossene Bistro, welches neben der umfangreichen normalen Speisenkarte auch eine Schachspielerkarte zu günstigen Preisen anbot.
Weiterhin konnten hier auch die Kaltgetränke erworben werden, welche das eigene Catering nicht anbot.
Parkplätze waren rund um den Spielort in unmittelbarer Nähe ausreichend vorhanden.
Der Preisfonds des Turniers zählte mit 2500 Euro zu den kleineren im Lande und so war es auch nicht verwunderlich, dass bei sieben Hauptpreisen (500 - 70 Euro) Profis dieses Turnier meiden. Die Bedenkzeit vo 2h/40 + 30 Minuten fuer den Rest ist für diese Art von Turnier gut gewählt.
154 Teilnehmer bildeten einen tollen Rahmen und vier Tage teils sehr gutes Schach. Vornehmlich für die Spieler aus der zweiten Reihe bietet sich hier die Gelegenheit bei entsprechender Form ganz oben zu landen.
Sehr positiv der Grillabend mit Freibier am Freitagabend. Dieses Angebot wurde zahlreich angenommen und es ergab sich eine gute Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen.
Wenn man zwischen den Runden einmal etwas mehr Zeit hatte oder die Nachmittagspartie nicht besonders lang war, hatte man bei entsprechendem fahrbaren Untersatz die Möglichkeit ins nahe gelegene Herzogenaurach zu fahren und dort die Outlets einiger bekannter Sportartikelfirmen zu besuchen.
Bewertung: weid


Gesamtfazit:

Dieses Turnier kann ich insgesamt für alle Amateurspieler empfehlen, die die Möglichkeit eines fahrbaren Untersatzes haben oder mitgenommen werden.
Eine Wiederholungsgefahr bei mir besteht durchaus und nicht nur, weil ich spielerisch sehr gut abgeschnitten habe.
Falls ich nächstes Jahr wieder teilnehmen sollte, hoffe ich, dass die Turnierleitung die kleinen Mängel abgestellt hat und vor allem, die Siegerehrung zeitnah an die Beendigung der letzten Runde durchführt.

Gesamtbewertung Seebach-Open, Großenseebach : wrb

Turnierhomepage

Mittwoch, 17. Juni 2009

Ulm, Georg-Sauter-Gedenkturnier

Es macht schon einen etwas ungerechten Eindruck. In meiner Funktion als Turniertester scheine ich manchmal mit zweierlei Maß zu messen. Bei der einen Veranstaltung kritisiere ich penibel jedes falsche Wort vom Schiedsrichter oder das teure Catering und verteile dafür entsprechende Notenabzüge, während ich bei der aktuellen Besprechung vorhabe, eine eher positive Bewertung und eine Teilnahmeempfehlung abzugeben. Trotzdem werden dem aufmerksamen Leser bei der Schilderung einiger Einzelheiten sicherlich die Haare zu Berge stehen. Ich werde aber versuchen, den Widerspruch aufzuklären.
Das Georg-Sauter-Gedenkturnier ist ein 9-ründiges Schnellschachturnier mit 20 Minuten Bedenkzeit und findet in einem nicht zu großen Saal eines Biergartens mit angeschlossener Privatbrauerei statt. Während 2008 die etwa 40 trotz Dauerregen erschienen Schächer bequem Platz fanden, traute sich heuer bei strahlendem Sonnenschein fast die doppelte Menge von Caissas Anbetern aus dem Haus und zum Turnier. Mit einem solchen Ansturm hat trotz Warnung in der Ausschreibung niemand ernsthaft gerechnet und so wurde es im Saal etwas eng. In den Nachmittagsstunden heiterten uns aber die Gespräche/Gesang der Biergartenbesucher (etwa 2,5 Meter von den Spitzenbrettern durch eine Fensterscheibe getrennt) etwas auf.
Gespielt wurde mit Plastikfiguren (Staunton und Bundesform; leider auch an den vorderen Brettern nicht besonders gut entmischt; ich kenne diese Problematik aus den Zeiten vom HSK Post Hannover - lassen Sie Ihre Kinder auf keinen Fall Tandem spielen!), Plastikbrettern und Analoguhren, die bei meinem Eintritt zur SG Isernhagen anno 1994 hochmodern waren und bei denen das Blättchen eine gefühlte Standardabweichung von einer halben Minute besitzt. Gut, möchte man meinen, ärgerlich, aber der Verein hat eben kein Geld für Neuinvestitionen. Diese Ansicht behielt ich auch bis zum Ende des Turniers bei, bis ich beim Warten auf die Siegerehrung in den hinteren Bereich des Turniersaals schlenderte, in dem ich mich vorher nie aufgehalten habe. Dort, in der Region um Brett 15 herum oder so, standen seelenruhig einige Holzbretter und teure Holzfiguren aufgebaut! Mir klappte bei diesem Anblick die Kinnlade dermaßen herunter, dass ich keine Kraft mehr fand, etwas zum Thema zu sagen, zumal es eh schon (zu) spät war und ich die Turnierleitung nicht beim Vorbereiten der Siegerehrung stören wollte.
Achja. Zum Zeitmanagement. Bei ausgeschriebenem Anmeldeschluß um 9:30 erfolgte der Partiebeginn um kurz nach 10, zum Teil weil noch auf im Stau stehende Teilnehmer gewartet wurde. Fair, zumal mir dies auch schon mehrfach passiert ist. Ärgerlich hingegen schon eher die dreimalige Neu-Terminierung des Endes der Mittagspause (das Essen im Biergarten war unglaublich lecker, aber einen solchen Besucheranstrurm konnte das Personal nicht gewohnt sein), die langen Phasen zwischen Bekanntgabe der Auslosung und dem ersten Zug, der zwischenzeitliche Neustart des Computers und der Umstand, dass der Drucker nach Runde 7 die Klinke gereicht hat ... Um Viertel nach Sechs war die Siegerehrung vorbei, der Münster aber leider geschlossen.
Nach dieser Schilderung könnte man sicherlich berechtigt die Frage stellen, warum schreiend die Flucht zu ergreifen, nicht die einzige in Frage kommende Verhaltensweise darstellt.
Die Antwort liegt in der überaus gutherzigen und freundlichen Turnierleitung. Die Drei wussten während des ganzen Procederes sehr wohl über die herrschenden Missstände Bescheid und versuchten diese nicht, wie viele ihrer Kollegen, einfach zu leugnen oder bei Anfragen übertriebene Autorität zu demonstrieren. Improvisation beherrscht Organisator Frederic Goda (einer der sympathischsten Turnierleiter, die ich jemals kennengelernt habe) perfekt. Seine Einstellung ist stets zuvorkommend, humorvoll und im Sinne von "Nehmt uns wie wir sind, besser geht es und können wir im Moment nicht!" und so eine Ehrlichkeit tröstet mich persönlich über viele, viele Fehler hinweg. Ich bin sicher, dass dies auch andere genauso sehen.
Wobei das mit den Holzfiguren wirklich ausgesprochen blöd gelaufen ist.
Aber ein paar kleine Zeichen und Wunder gab es sogar auch schon diesmal. Immerhin wurde ein gängiges Swiss-Chess verwendet, während letztes Jahr die Auslosung nach Alphabet für einige Lacher und einige amüsante Paarungen sorgte.

Ich werde mich jedenfalls unbelehrbar zeigen und bei irgendeiner Möglichkeit auch bei der nächsten Auflage erscheinen, auch einfach um die vielen netten Menschen zu treffen und um zu prüfen, ob sich schon irgendetwas einen kleinen Schritt zum Positiven verändert hat. Wenn ja, dann bin ich auch zufrieden. Und ich kann hierzu guten Gewissens auch jeden anderen Schachfreund einladen.

Erreichbarkeit: weid
Spielbedingungen: wbb
Material: weib
Organisatoren: weid
Besetzung: wrb
Preise: weid (wurden wegen hoher Teilnehmerzahl deutlich erhöht!)

Gesamtbewertung: wbb

Einen Turm geben die Plastikfiguren und der Lärm aus dem Biergarten bei bestem Willen einfach nicht her. Ich bin aber optimistisch, ihn bereits nächstes Jahr vergeben zu können. Ein paar Sätze Holzmaterial und ein bisschen Regen sollten bereits reichen.

Turnierseite (um den nächstjährigen Termin zu erfahren)

Dienstag, 16. Juni 2009

Hohenloher Schnellschach-Open-Air 2009 in Künzelsau (von Till Wippermann)

TillDa sich der hauptamtliche Turniertester am Sonntag auch einmal einen wohlverdienten Urlaubstag gegönnt hat, bin ich für ihn in die Bresche gesprungen und habe das Schnellschachturnier in Künzelsau besucht. Mir war von der Existenz des Turniers bisher nichts bekannt, aber es handelte sich immerhin schon um die dritte Auflage. Ich hoffe sehr, dass es auch eine vierte geben wird, denn dieses Turnier sticht in vielfacher Hinsicht positiv aus der Masse heraus.
Ich bin seit jeher ein Fan von Open-Air-Schach. Nicht nur, weil ich Frischluftfanatiker bin, sondern vor allem wegen der Atmosphäre. Man spielt Schach, aber es ist auch ein wenig wie ein Sonntagsausflug - man fährt irgendwo in die Landschaft und betätigt sich dann draußen. Dieses Freizeitgefühl wird in Künzelsau in vollem Umfang bedient. Gespielt wird im Innenhof des Stadtschlosses unter Fachwerkarkaden. Man befindet sich dabei in unmittelbarer Nähe zum Kocher (ein Nebenfluss des Neckar) und den Uferpromenaden, aber auch mitten in der sehenswerten Altstadt. Kein Vergleich zur gewohnten Schul- oder Sporthallenatmosphäre!
Da die Teilnehmerzahl im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen hat, wurde es unter den Arkaden allmählich etwas eng. Die ersten Bretter durften noch an Einzeltischen mit eigenen Stühlen spielen, ab Brett 9 ging es auf Bierbänken weiter. Das rustikale Ambiente passte aber ganz gut in die Umgebung, denn eigentlich war es wie in einem Freizeitpark. Ich habe noch nie erlebt, dass ähnlich viele Besucher/Begleitpersonen wie Spieler bei einem Schnellschach-Open waren, und auch nicht, dass die Veranstalter darauf sogar vorbereitet waren! Die Besucher machten es sich vor dem üppigen Verpflegungsstand im Hof oder vorm Schloss auf den eigens aufgestellten Bierbänken bequem. Dort wurden sie bestens versorgt von einem örtlichen Metzgermeister, der eigenhändig für leckeres Grillgut, Schnitzel, Brötchen, Torten, Salate und allerlei Getränke sorgte. Zudem wurde den Besuchern eine Musikshow dargebracht (habe ich leider verpasst) und eine kostenlose Schlossführung angeboten. Natürlich ist an so etwas wie Turnierruhe unter diesen Bedingungen nicht zu denken, aber mir persönlich macht das nichts aus, ganz im Gegenteil. Ich mag es, wenn es statt steriler Stille ein wenig Leben gibt. Hier kann man natürlich auch anderer Meinung sein.
Wie bemüht die Veranstalter sind, konnte man auch daran ersehen, dass alle Bretter - auch auf den Bierbänken - mit edlen Holzfiguren und der "Stradivari unter den Schachuhren" (I. S.) ausgestattet waren. Dass der Preisfond mit 1.000 Euro für ein Turnier dieser Kategorie durchaus ansehnlich war, rundet das Bild der Teilnehmerfreundlichkeit ab.
Leider gibt es bei so viel Licht auch Schatten. Der Schatten, den die hohen Schlossmauern den ganzen Tag über auf den Spielbereich warfen, war ja noch angenehm. Aber weil die Veranstalter so viel Rahmenprogramm, Essen und Kultur anboten, musste der Turnierablauf erheblich leiden. Über die Auslosungspannen vor der ersten Runde kann man hinwegsehen; dass allerdings eine einstündige Mittagspause und zusätzlich noch eine Kaffeepause am Nachmittag abgehalten wurden, ist für Spieler wie mich, die einen gewissen Spielfluss mögen, eher störend, zumal auch die Auslosungen immer etwas länger dauerten als es technisch nötig gewesen wäre. So wurde aus einem 9x15 min-Turnier eine knapp neunstündige Veranstaltung (Meldeschluss: 9:30 Uhr, Ende Siegerehrung: ca. 18:15 Uhr)! Womit wir beim zweiten dicken Minuspunkt wären: Wer kein Auto zur Verfügung hat (oder Freunde, die vor Ort wohnen und die man sowieso mal besuchen wollte - Dank an Tina und Felix!)), ist ziemlich aufgeschmissen. Künzelsau ist zwar Kreisstadt des Hohenlohe-Kreises, aber einen Bahnhof gibt es seit den frühen 90er Jahren nicht mehr, und die Regio-Busse, naja, es ist halt Sonntag. Aber selbst mit Auto ist man 40 Minuten von der nächsten Großstadt (Heilbronn) entfernt, Autobahnanschluss hat Künzelsau auch nicht. Insofern wäre mein Vorschlag fürs nächste Jahr: Eine Stunde später anfangen, dafür den zeitlichen Ablauf leicht beschleunigen. Dann hätte auch Ilja eine faire Chance teilzunehmen...
Noch ein paar Worte zum Turnier selbst: Erstaunlicher Weise fand kein GM und nur ein IM den Weg nach Hohenlohe, aber die fünf FM machten diesen Mangel teilweise wett und sorgten vor allem für ein abwechslungsreiches und ziemlich ausgeglichenes Turnier - mit einer Ausnahme: FM Rudolf Bräuning, der mit 8,5 Punkten durchmarschierte und unterwegs außer FM Hajo Vatter alles abstach, was sich in seinen Weg traute. Um den zweiten Platz wurde heftig gerangelt, am Ende war FM Bernd Reinhardt mit 7,0 Punkten der glücklichste Buchholz-Sammler. Mit sieben soliden Siegen und zwei glatten Niederlagen (Bräuning und Vatter) fühlte sich mein dritter Platz leistungsgerecht an. Pechvogel des Turniers war Hajo Vatter, der sieben Runden lang um den Turniersieg spielte, aber mit zwei abschließenden Niederlagen gegen deutlich schwächer eingestufte Gegner sogar noch aus den Preisrängen fiel.

Fazit: Eine Veranstaltung, wie man sie nicht alle Tage findet. Hoher Freizeit- und Unterhaltungswert; für einen effizienzorientierten Profi, der Wert darauf legt, bei seiner Tätigkeit nicht gestört, im Spielfluss nicht unterbrochen und möglichst schnell fertig zu werden (und dann schnell nach Hause zu kommen!), könnte es aber sehr anstrengend sein. Außerdem etwas wetterabhängig, denn die Bretter sind zwar im Ernstfall im Trockenen, aber alles Andere (inklusive Verpflegung) nicht. Ich persönlich würde gerne im nächsten Jahr wiederkommen, wenn der Zeitplan und die Mobilität dies zulassen, und empfehle jedem, dieses Turnier einmal auszuprobieren.

Erreichbarkeit: weis (für Bahnfahrer eigentlich sogar nur weib)
Spielbedingungen, Spielmaterial: weid
Organisation: wbb
Besetzung:wbb (aber aufgepasst: Ich prognostiziere fürs nächste Jahr das Schweinezyklus-Syndrom!)
Preise: wrb
Gesamtbeurteilung: wrb

PS: Ja, ich weiß, dass meine Gesamtbeurteilung nicht dem Schnitt der Einzelnoten entspricht. Das liegt daran, dass die hervorragende Turnieratmosphäre für mich viele formale Schwächen wettmacht.

Die Turnierseite, leider bisher nicht aktualisiert

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