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Deutschlandreise

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Eng in Enger

Nach dem Erfolg beim Mindener Sparkassenturnier ging es für uns am Sonntag weiter ins nicht allzu weit entfernt liegende Enger, wo der dortige Verein "Wittekinds Knappen" das 1. Integrationsturnier ausrichtete, mit der Intention, gezielt vereinslose Spieler mit Migrationshintergrund anzusprechen. Diese wurden dann auch entsprechend vom Startgeld befreit und bildeten eine eigene "Rating-Kategorie".

Leider wurde das Angebot nicht in der Form angenommen, wie es die herzliche und reibungslose Organisation erwartet und auch verdient hätte. Von der Startgeldbefreiung profitierten am Ende nur 2 oder 3 Spieler, wobei noch zu erwähnen ist, dass sich unter den (nur) 26 Teilnehmern einige nicht hier geborene Kinder befanden, allerdings eben schon im Verein und mit einer DWZ ausgestattet.

Dass es auch im oberen Teil der Setzliste an "Söhnen" aller Art fehlen würde, war durch den parallel stattfindenden Spieltag der 2.Bundesligen, der Oberligen und auch der meisten untereren Spielklassen in Niedersachsen und wohl auch in NRW selbst, nicht so schwer vorherzusehen. Nicht, dass es diesmal jedoch ungelegen kam, oder so... Um genau zu sein, ohne diese kleine, nützliche Zusatzinfo wäre ich vielleicht selbst gar nicht da;-)

Ilja
War ich aber doch und musste mich, überraschenderweise an 1 gesetzt, in der ersten Runde unter den Augen des Bügermeisters Klaus Rieke ("Ich habe neulich die Kommunalwahl gewonnen, hier spiele ich nicht mit, weil ich nicht verlieren will!") mit diesem kleinen, unschuldigen Kind auseinandersetzen. Bei 1.e2-e4 musste mir der Bürgermeister noch helfen, die restlichen 6 Züge bis zum Matt fand ich dann selbst. Die nach dem Ende vom Politiker vorgeschlagene "Trainingspartie" stieß bei meinem Gegner allerdings nicht auf große Zustimmung, so dass ich den Jungen dann gehen ließ. Ich habe zwar schon einiges gesehen, aber bei dieser "Partie" fühlte ich mich irgendwie etwas fehl am Platze.

In der vierten Runde nahm mir dann der an 2 gesetze FM Matthias Krallmann mit Slavisch Abtausch recht leicht ein Remis ab. Dabei wollte ich doch eigentlich die Leute mit dem Schneverdingen-Bericht von dieser Eröffnungswahl abschrecken!

Da nach Krallmann zum Drittgesetzen Krüger ersteinmal eine 200 150 ELO große Lücke klaffte, sah nun alles nach einem 6,5:6,5 mit anschließendem "Erstrunden-Kinder-Sinnlosigkeits-Vergleich" aus, in dem ich zu diesem Zeitpunkt die deutlich schlechteren Karten zu haben schien. Doch bevor ich richtig anfangen konnte, mich über meine Eröffnungswahl zu ärgern, verlor Krallmann durch einen Turmeinsteller gegen Krüger. Dieser hatte damit zwar 5/5, aber nun konnte ich das Turnier wieder aus eigener Kraft gewinnen, ohne irgendwo an Brett 11 noch vorsagen zu müssen ;-). Optimismus machte sich also breit, aber die Partie gegen Krüger aus Runde 6 fing nicht wirklich vielversprechend an:

Ilja Schneider - Michael Krüger, Enger (6) , 2009

Krueger

(Pardon für das ungewohnte Diagramm, aber ich war bisher nicht so dreist, mir hier auf der Arbeit Chessbase zu installieren. Außerdem gäben das die Ressourcen dieses Rechners eh nicht her.)

Aaalso. Ich habe die Partie etwas zu zahm angelegt und stehe nun ein wenig unangenehmer. Am Unangenehmsten ist hier schon die Frage, was ich eigentlich tun soll, wenn der Gegner, dem das Remis offensichtlich zum Turniersieg gereicht, Selbiges anbietet?
Es kam aber kein Gebot, sondern 1...Lc4, wonach ich glücklich war, 2.b3 ziehen zu können. Statt eines Rückzuges unternahm mein Gegner nun das nicht direkt schlechte, aber in dieser Situation doch unnötig riskante 2...Td3+ ?! Dabei erhielt er nach 3.Ke2 Txg3+ 4.Kf2! Txc3 5.bxc4 Txc4 zwar eine Position, die Schwarz keinesfalls verlieren muss - guckt euch den Paria auf g2 an!- , verlor aber beim Versuch, meine Bauern zu eliminieren zusehends die Kontrolle und sah sich am Ende mit einem T+5B vs T+L konfrontiert, wo ich die Infanteristen einen nach dem anderen abschießen und schließlich auch mattsetzen konnte.

Da die letzte Runde gegen den Jugendpreissieger Chris Huckebrink (ich bin froh, dass ich ihm damit nicht den Preis verdorben habe!) recht leicht durchging, hat sich die Anfahrt auch an diesem Tage gelohnt.

Ilja2
Nicht aber für meinen treuen Reisebegleiter. Freddy erwies sich, an 5 gesetzt, anscheinend als "overqualificated" für diese Art von Veranstaltungen und wurde mit enttäuschenden 4/7 nur Neunter. Während ich hier also (mit Turnierleiter Seyfettin Kara) den Siegpokal in die Kamera halte, (und dabei anscheinend weiche Knie bekomme!) sieht man Freddy sein fehlendes Wohlbehagen irgendwie an :-)

Sieger
Jaja, es hat schon Turniere mit weniger Preisgeld und einer höheren Leistungsdichte gegeben. Aber will man das überhaupt? ;-). Ich bitte, diesen Aspekt zusammen mit der Diskussion über die überflüssigen "Söhne" bei der Terminplanung 2010 unbedingt zu beachten.
Mir hat es jedenfalls, besonders wenn man bedenkt, dass es die erste Auflage war, sehr gut gefallen.


Die Turnierseite findet sich hier

Und die Bildergalerie

Und zu guter Letzt die Tabelle

Montag, 30. November 2009

Kein Kampf in der Kampa-Halle

Sagt euch "Das Goldene Kalb" etwas? Nein. Habe ich es mir doch gedacht. Dieser absolute Meisterwerk eines satirischen Romans von Ilja Ilf und Evgenij Petrov spielt in den frühen 30er Jahren der stalinistischen Sowjetunion. Mehrere Hauptfiguren der Handlung entstammen dabei ein und derselben Gruppierung: Die Söhne Leutnant Schmidts. Die 30 Söhne und 4 Töchter des Leutnants (im Alter von 18 bis 52 Jahren) ziehen dabei durch die bei einem vorherigen Gesamttreffen ihnen zugeteilten 34 "Explotationsbezirke" der Sowjetunion und verdienen sich ihren Lebensunterhalt indem sie bei den Kommunalverwaltungen vorstellig werden und sich als verarmte Nachfahren des (fiktiven?) Revolutionshelden ausgeben. Die Bezirke sind dabei zu dem Zweck eingeteilt worden, um "Überfischung" zu verhindern und die Gefahr des Auffliegens zu minimieren. Natürlich halten sich bei Weitem nicht alle an die Konvention (viele fühlen sich bei der regionalen Vergabe ungerecht behandelt, Städte mit Universität und Kultur wie Moskau, Leningrad oder Charkov stehen bei Schmidts Söhnen etwa ganz, ganz niedrig im Kurs) und es kommt massenweise zu Konflikten und schlagkräftigen Zusammenstößen von Leutnant Schmidts kriminellen Nachkommen, besonders in den "fruchtbaren, provinziellen Kleinstädten", wo der Name Schmidt die Stadtverwalter noch durchaus beeindrucken kann.

Ich wäre im Schnellschach auch für so eine Konvention. Im Moment ist es so, dass man die gleichen "Söhne Epischins" überall im Lande, von Berlin über Bremen, Niedersachsen, Ostwestfalen, den Ruhrpott, das Rheinländische und Badische durch bishin ins tiefste Württemberg treffen kann. Es entstehen hohe Reisekosten, gepaart mit wenig Schlaf und alle "Söhne" greifen sich gegenseitig in die Tasche. Ich kann natürlich meinen Geschwistern die auch noch zu einem guten Teil besser spielen als ich, kaum verordnen, was sie zu tun und was sie zu lassen haben, könnte mich aber durchaus mit der Meinung anfreunden, dass so ein kleiner Abrüstungsvertrag, erstmal wirksam in Gang gesetzt, durchaus positive Folgen für alle Beteiligten haben könnte. So einen (auf gut Deutsch) Schwachsinn wie Trossingen würde es dann nicht mehr geben... Sogar komplett freie Wochenenden wären plötzlich wieder drin. Nur selbst will ich mit der Abrüstung lieber eher nicht anfangen. Pioniere einer Idee sind grundsätzlich immer diejenigen, die für diese Idee sterben und verbluten müssen und dafür fühle ich mich noch eindeutig zu jung.

Nach diesem langen Vorwort kommen wir endlich zu dem samstäglichen Geschehen beim Mindener Sparkassenturnier. Da der Preisfond des von "Proleter Westfalen Minden" (auch ein Name, wie ich meinen Verein eher nicht nennen würde) ausgerichteten Opens im Vergleich zu den Vorjahren etwas zurückgegangen war, fand sich in der Mindener Kampa-Halle, zu meiner großen Überraschung, nur ein weiterer "Sohn" ein, nämlich Großmeister Lev Gutman. Da ich besonders regionbedingt (das gute, fruchtbare Ostwestfalen) bereits das Allerschlimmste befürchtet hatte, war es durchaus eine angenehme Überraschung für mich. Oder habe ich (wie immer) eine lukrativere Konkurrenzveranstaltung verpasst? Nr. 3 war jedenfalls der Katernberger Jugendliche und aktueller Deutscher Vizemeiser U16, Jens Kotainy. Sonst war es durchgängig sehr schwach besetzt, nur etwa 10 von 50 Spielern kamen auf eine Spielstärke von etwa 2000.

Ein echter Kampf um den Turniersieg fand zum (meinem) Glück nicht statt, nachdem Gutman, dessen Unmut ich hier zu hundert Prozent teile, bereits vor dem Turnier folgende sehr unangenehme Geschichte passiert war.

Am Bahnhof Minden gab es an dem Tag anscheinend Störungen und alle möglichen Züge kamen teilweise deutlich zu spät. Insbesondere ging es hierbei um einen Zug aus Rheine, in dem Gutman saß und einen Zug aus Hannover mit 15 Jugendlichen, die alle im parallelen Jugendturnier mitspielen wollten.

Die Turnierleitung schickte daraufhin drei Wagen zum 2 km entfernten Bahnhof um die Verspäteten abzuholen. Dort beteuerte man Gutman, der bereits vor Ort war, es sei "unnötig" eine Taxe zu nehmen, und man würde jetzt zusammen auf den Kinderzug warten, genauso wie das Turnier. So verbrachte der GM sinnlos eine halbe! Stunde am Bahnhof. Durch ein Kommunikationsproblem der Verantwortlichen wartete allerdings nur das Jugendturnier mit dem Start (wie will man auch ohne 15 Spieler beginnen?!). Das Open ging dann irgendwann einfach ohne Gutman los, und als dieser endlich doch eintraf, hatte er bereits ein "-" kassiert. Seinen Ärger danach kann ich voll und ganz nachvollziehen, zumal ich nicht sicher bin, ob von der TL überhaupt eine offizielle Entschuldigung erfolgte. Selbst Startgeld wollte man von Lev nach einer solchen Aktion noch kassieren, ließ dann aber wenigstens das noch bleiben. Immerhin holte der ehemalige Kortschnoj-Sekundant danach noch 7,5/8 (Remis gegen mich) und wurde punktgleich, aber eben mit schlechter Buchholz, bedingt durch den Turnierstart, Zweiter.

Zu einer Diskussion möchte ich das Verhalten meines Viertrundengegners und des Schiedsrichters stellen, da ich selbst nicht weiß, wie es regelgemäß/ethisch korrekt ist.

Wolfgang Peist - Ilja Schneider , Minden (4) 2009

1.d4 Sf6 2.c4 c6 3.Sf3 d5 4.Db3 dxc4 5.Dxc4 Le6!? (eine nette Idee, die auch schon mal gegen Epishin funktioniert hat). Hier dachte er länger nach und zog 6.Dd3?! Ich denke, beide gewöhnlichen Züge 6.Dc2 und 6.Da4 sind besser. 6...Da5+ 7.Sc3 Lf5. Hier geschah wieder nach einer längeren Pause 8.Dc4. An dieser Stelle denke ich mittlerweile, dass 8...b5 ganz gut ist (zumindest zum Weiterspielen gegen einen schwächeren Gegner), aber ich zog erstmal 8...Le6. Natürlich folgte hier prompt 9.Dd3 und ich zog bald 9...Lf5, weil das einfach der beste Zug in der Stellung sein muss. Nach 10.Dc4 dachte ich noch ne Weile nach und ließ mich noch einmal zu 10...Le6 hinreißen, da ich ihn verleiten wollte, doch aus der Schaukel abzuweichen. Hier zog er dann 11.Dd3 und sagte: "Ich reklamiere Remis!" Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass dies im Schnellschach nicht möglich ist. Er: "Ja, aber es ist ja dreimal die gleiche Stellung!" Ich: "Ja, ist es. Ich will nicht lügen. Aber reklamieren, das geht trotzdem nicht." Er hielt die Uhr an und holte den Schiri. Der Schiri sagte dann: "Sie können nicht reklamieren, da Sie keinen Beweis haben. Ich stelle mich jetzt neben das Brett und zähle mit." Mein Gegner: "Aber er hat doch zugegeben, dass es zum dritten Mal die gleiche Stellung ist!" Schiri: "Stimmt das?" Ich:" Ja, gebe ich zu. Da bin ich ehrlich. Aber ich würde gerne weiterspielen, und seine Reklamation war von Anfang an gar nicht möglich." Schiri: "Da Sie zugeben, dass es drei Mal die gleiche Stellung war, entscheide ich auf Remis."

Noch einmal die Frage: Was sagt ihr zu dem Vorfall? Meiner Meinung nach von meinem Gegner ethisch nicht ganz korrekt und der Schiri hätte an seinem Plan festhalten müssen, die Züge mitzuzählen. Oder irre ich mich da? Fachkundige vor!

Wie es Freddy (der in Minden keinen Ratingpreis erhielt, da er Fünfter wurde) und mir am nächsten Tag in Enger erging und wieviele "Söhne Epischins" dort anwesend waren, sowie einige Bilder der beiden Veranstaltungen, wenn ich wieder über einen USB-Anschluss verfüge, also spät nach Feierabend. Außerdem bin ich euch noch einige Bilder aus dem Labor schuldig.

Sonst wünsche ich allen meinen Lesern einen schönen Start in die Woche und nicht etwa 4 Stunden "Schlaf" in einem ICE-Abteil neben einem Dauerschnarcher.

Donnerstag, 26. November 2009

Abends im Labor...

... und in den Nachbarräumen und Büros wird es langsam genauso dunkel, wie der Himmel über der Karlsruher Oststadt. Wenn mein DPMC mit Arginin fertig gemessen hat und ich die POPE-Probe in den Kalorimeter gestellt habe, dann kann ich auch gehen. Dies wird in etwa anderthalb Stunden das Ziel sein.

Würde man an unserem Institut eine Studie über deutsche und ausländische Arbeitsmoral durchführen (will ich natürlich nicht, denn dadurch entstehen ja unnötige Vorurteile ;-)), so käme man zu einem Ergebnis, das der volkstümlichen Meinung diametral widerspricht. Meine (nativ) deutschen Kollegen pflegen alle einen 9to5 Arbeitstag inklusive reichhaltiger Mittagspause (halb 12 bis kurz vor eins). Da ich um die Zeit allerdings vor Kurzem noch nicht einmal ansprechbar war, ist mein Magen dazu noch nicht bereit und ich komme selten mit. Meist tun es dann um halb 3 Duplos und Apfelschorle vor dem Gebäudeausgang (bei der Institutsmüllanlage).

Eine nette georgische Kollegin macht zwar auch Mittag, hat sich aber grade immerhin eben erst verabschiedet. Bleibt nur noch noch das tägliche Triumvirat aus meinem Chef, seinem Mitarbeiter Wladimir (ebenfalls Ukrainer, übernachtet manchmal auf dem Sofa im Seminarraum) und eurem treuen Gastgeber. Wir gehen dann meist so um 7 (und wenn ich morgens kurz nach 8 ankomme, ist mein Chef IMMER schon da)

Die Arbeit, die ich mache, ist total interessant. Etwa zum ersten Mal im Leben macht man hier Sachen, von denen man nicht im Vorhinein weiß, was herauskommen soll. ;-). Soll der Sinn von Forschung sein, habe ich mir sagen lassen. Seitdem ich den eigenen Arbeitsplatz mit dem 486-Rechner habe, an dem ich das hier schreibe, klappts auch mit dem Weltcup und dem Bloggen ;-). Neue Bilder aus dem Labor, wenn ich dann zuhause bin. Wer hätte gedacht, dass der 486er keinen USB-Anschluss besitzt?

Macht jedenfalls (noch) Spaß.

Morgen muss ich dann noch etwas früher antreten (so gegen 7), immerhin geht am frühen Abend bereits der ICE nach Hannover. Ihr ahnt es: in Minden und in Enger finden am WE zwei Schnellturniere statt (eine Homepage habe ich kurioserweise bei beiden nicht gefunden, bitte posten!) und so werden wir uns (in ungewisser Besetzung) wieder auf den Weg zum Spiel, Spaß und Ratingpreisen) ins Ostwestfälische machen. So langsam will ich auch mal wieder in Form kommen, denn die DBEM naht und als letztjähriger "Best of the rest" hat man natürlich nur ein einziges (wenn auch ein angesichts der Besetzung leicht vermessenes) Ziel.

Das war's von mir, schönen Abend an alle!

Ne halt, noch nicht ganz. Das POPE, was ich unter anderem auf Änderungen der Phasenübergangstemperaturen untersuche, reimt sich auf "dope". Von daher ist der Ohrwurm, der mich seit Tagen begleitet, wahrlich nicht schwer zu erklären.

Dienstag, 24. November 2009

SF Berlin in der Heide

Eigentlich wollte Dennes das Turnier in Schneverdingen gar nicht wirklich mitspielen. Und ich eigentlich auch nicht. Aber Brett 4 der legendären Hannover Altstars, Mark McAdam, den es mittlerweile nach Hamburg verschlagen hat, meinte, es sei mal wieder Zeit, die Klötzchen zu bewegen. Und da man sich nach meinem Umzug nach Baden-Württemberg eh so selten sieht, beschlossen wir nach langem Hin und Her doch ein Rendezvous in der niedersächsischen Provinz.

schneve
Der geräumige Schneverdinger Turniersaal - seit hier gespielt wird und nicht mehr in einer großen Halle, ist das Turnier noch einmal ein Stück attraktiver geworden.

Organisiert war das Turnier super, inklusive Einhaltung eines sehr straffen Zeitplans. Das Landhotel Schnuck bot der Veranstaltung wie immer einen höchst würdigen Rahmen und hatte u.a. das beste und reichhaltigste Frühstücksbuffet zu bieten, welches ich auf deutschem Boden bislang vorgesetzt bekommen habe. Die Minibar war umfangreicher als so mancher Bahnhofskiosk, das Zimmer so groß, dass man dort ohne Weiteres hätte noch 1-2 Personen unterbringen können. Titelträgern eine freie Übernachtung in einem solchen Hause zu sponsern, halte ich für eine sehr nette und freundschaftliche Maßnahme, für die ich mich gerne noch einmal bedanken würde.

Wickert1
Geschiedst wurde wie immer überaus kompetent von Detlef Wickert - einer meiner Helden der Olympiade in Dresden 2008

Nur mit den Namen hatten es die Veranstalter nicht so. Ich wurde im Laufe des ersten Abends zwei-dreimal mit „Ilja Richter“ betitelt, was ja noch verständlich und nicht wirklich ungewöhnlich ist (das passiert mir noch häufiger, als die Anrede „Frau Schneider“ in Briefen und Emails, neulich kam sogar ein Brief mit „Frau Yeja Schneider“ an), Marks Namen hat das Swiss-Chess aber wirklich bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet. Aus McAdam mach Hcadarn! Später ließ er den Namen korrigieren, aber mehr als Mark Mcadarn , der bis in die Ewigkeit die Tabelle zieren wird, kam dabei nicht raus.

Pokale
Wir kamen zu spät. Die ganzen Pokale wurden schon vorher im Kinderturnier verteilt. Ohne Witz, aber als ich so 11-12 war, fand ich Geldpreise total doof und Pokale waren mir viel lieber. Allerdings kann einer empfindlichen Kinderseele der zuhause entdeckte Herstelleraufkleber auf der Pokalunterseite eine Menge an Illusion über die "Einzigartigkeit" des gewonnenen Preises rauben.

Nun zum schachlichen Aspekt. Das Blitzturnier vom Samstagabend wurde eine leichte Beute von GM Alexander Naumann, der einen engen Bezug nach Schneverdingen in Form seiner Frau Nadine besitzt und regelmäßig das Turnier mitspielt.(Das Paar hat sich sogar im Spielsaal seinerzeit das Ja-Wort gegeben). Seine Klasse setzte sich leicht gegen den versprengten Haufen derer durch, die auch schon samstags angereist waren: IM Michail Kopylov, FM Karsten Schulz, FM Michael Schäfer und euren Gastgeber, der einen rabenschwarzen Abend erwischt hatte(kein Sieg gegen die die Genannten plus Remis gegen meinen oft unterschätzten Fahrer Fredrik Polenz ). Ich war an dem Tag, wie auch den Rest der Woche kurz nach 6 aufgestanden, um meine verabredete Mitfahrgelegenheit nach Hannover zu kriegen. Leider hatte der Typ mich kommentarlos versetzt, ich fuhr mal wieder Bahn und rannte den ganzen Tag meinem Schlaf hinterher und konnte so niemals entscheidend in den Turnierverlauf eingreifen. Am Ende stand ein (schmeichelhafter!) 4.Platz und das Bierchen an der Hotelbar.

Am nächsten Tag karrte dann Verstärkung heran in Form von etwa GM Zigurds Lanka, Alexander Izrajlev (mit neuer Frisur aber altem Cappy) und last but not least, Dennes Abel. Der Turnierverlauf versprach spannender zu werden.

Wurde er aber nicht. Dies lag zum größten Teil an Dennes, der an diesem Tage keine halben Sachen machte und in fast schon Carlsen-ähnlicher Manier der Konkurrenz mit 7/7 einfach wegzog. Trotz eines verhaltenen Turnierstarts fiel auch ich unter den durch den wie aufgedreht spielenden Youngster verursachten Kollateralschaden. Nur gegen Ende ließ er noch etwas Milde walten und schenkte den Solingern Schäfer und Naumann zwei Remisen und sicherte sich ganz überlegen den Turniersieg. In seinem Windschatten konnte ich mithilfe einer extrem günstigen Auslosung noch Bronze erreichen. Zweiter wurde Lanka, den Swiss-Chess vorher mehrfach vor Dennes verschont hat.

In der letzten Runde produzierte ich gegen Izrajlev noch ein durchaus nette Partie, die ich nicht ganz in Gänze zusammenkriege, aber ein interessanter Moment blieb doch haften:

Izrajlev,Alexander - Schneider,Ilja
Schneverdingen (9), 22.11.2009


Izy-Ilja1

21...a5 Weiß hat den Sizilianer harmlos behandelt und steht nun schon etwas schlechter, da er einen anfälligen Damenflügel hat und seine Figuren unkoordiniert stehen. Auch die Bauern e4 und f4 könnten später mal schwach werden, während von ihnen keine aktive Bedrohung ausgeht. Natürlich sollte die Stellung für ihn noch haltbar sein, allein schon wegen der Möglichkeit, etwa ein verteidigungsfähiges Turmendspiel anzustreben. Alexander startet aber mit einem sehr schlechten Zug: 22.Lb5? Tab8 23.Ld3 Er muss zurück, denn [23.Lxd7 Lxd7 verliert einfach einen Bauern.] Eine kleine Aufgabe: Schwarz am Zug gewinnt (Material) 23...Tb4!? Konzeptionell ist dieser Tausch und die Öffnung der a-Linie natürlich durchaus erstrebenswert, aber es gab hier eine deutlich "klarere" Lösung: [23...Lb3! 24.Sc3 (alles Andere kommt der Kapitulation gleich, etwa:) (24.Kf2 Sf8!!–+ (Das simple-minded 24...Lxa4 25.Txa4 Sc5 ist auch sehr stark.) ) und nun 24...Sc5! 25.Lf1 es drohte 25...Se6 und der Lb3 ist indirekt gedeckt 25...Se6 26.Td2 Lc4! und wie durch Zauberhand gewinnt Schwarz den f4 oder den b2, wonach der Rest eine Sache der nicht zu schweren Technik sein sollte.] 24.Txb4 axb4 25.Te1 und Schwarz hat nur einen kleinen Vorteil, den er später in einem Turmendspiel zum Gewinn verdichten konnte. 0–1

Dass ich mich überhaupt für dieses "Finale" qualifizieren konnte, lag an einem anderen Turmendspiel:

Schneider,Ilja - Berthold,Thomas Andreas
Schneverdingen (8), 22.11.2009


Schneider-Berthold

Mein Gegner hatte seinen König auf dem Suche nach dem Schutz vor Schachs nicht in der üblichen Zone g7/h7 versteckt, sondern versuchte eine aktive Verteidigung mit einem König auf g4. Dies wäre auch vermutlich ausreichend gewesen, wenn er sich nicht so beeilt hätte, mit g5 den Rückwärtsausgang zu verbarrikadieren. 1...g5?? [1...f4 hält, soweit ich das überschauen kann, auch noch Remis, und zwar mit dem Trick 2.gxf4 Ta4! (2...Kxf4?? 3.a6 Kg4 4.a7 g5 was sonst? 5.Kh1! Ta1+ 6.Kh2 Zugzwang. 6...Ta2 7.Kg2 und gewinnt, denn der Bauer verteilt gleich mit f3+ ein tödliches Schach.) 3.a6 Txf4! Von wegen Onkel Tarrasch und die Türme hinter den Freibauern und so! (3...Kxf4 4.a7 Kg4 5.f3+!) 4.a7?! Das ist jetzt sicher Remis, über (4.Tb8 Ta4 5.f3+ Kf4 zweifele ich noch.) 4...Tf7 5.f3+ Kf4 6.Kf2 Kf5 Und Fortschritte sind merkwürdigerweise nicht möglich, Schwarz hält alles zusammen: 7.Kg3 (7.Ke3 Te7+ 8.Kd4 Tf7) 7...Kg5 8.f4+ Kf5 9.Kf3 g5! 10.fxg5 Kxg5+ und es ergibt sich, dass Weiß nicht gewinnen kann, etwa: 11.Ke4 Kf6 12.Kd5 Kf5 13.Kc6 Kf4 14.Kb6 Tf6+ usw.; 1...Kh5 mit der Taktik, keine Bauern mehr zu bewegen, ist am Sichersten. Weiß bekommt bald das allübliche Problem, seine Stellung nicht mehr verbessern zu können.] 2.a6 und nichts mehr geht. Der schwarze König steckt im Mattnetz. 2...f4 [2...Ta3 3.a7 Ta2 4.Th8! Txa7 5.f3# ist ästhetisch einigermaßen ansprechend.] 3.gxf4 gxf4 Nun ist es trivial. Nach [3...Kxf4 was man hätte durchaus noch probieren sollen, geschieht aber wie gehabt 4.a7 Kg4 5.Kh1! Ta3 oder beliebig anders 6.Kh2 (droht f3+) 6...Th3+ (6...Ta2 7.Kg2 und f3 kommt.) 7.Kg2 Th7 8.f3+ Kh5 (8...Kh4 9.Tb8 Txa7 10.Th8+ Th7 11.Txh7#) 9.Kg3 und gewinnt durch Zugzwang.] 4.a7 f3+ 5.Kg1 Ta1+ 6.Kh2 und aufgegeben. 1–0

Und in der Runde davor hatte ich eine Begegnung mysteriöser Art :-)

Zschischang, Marine - Schneider,Ilja
Schneverdingen (7), 22.11.2009


Zschischang-Schneider

Das mag nicht die exakte Partiestellung sein, aber man erkennt recht zuverlässig die Konturen der slavischen Abtauschvariante, die meine Gegnerin ohne sichtliche Skrupel angewandt hatte. Man könnte sich natürlich fragen, warum ich mich auf eine solche Stellung eingelassen hatte, aber das ist ein ganz anderes Thema.

Jedenfalls bot Madame hier Remis an. Ich darauf: "Naja, wenn wir es schon so weit geschafft haben, dann können wir ja noch weiterspielen!" Sie: "Bereu's aber später nicht!"

Ich schmunzelte ein wenig über die Warnung, sie spielte wenig später f4 und bald ließ sich ein Platzhisch auf c4 nieder und bedrohte den Bauern e3. Die Türme waren da schon vom Brett gefallen, ich gewann den e3, aber musste dafür meinen Damenflügel abgeben. Letztendlich setzte ich (meiner Ansicht nach recht sicher) Matt, bevor ihr a-Bauer entscheidend Fahrt aufgenommen hatte, auch wenn das Ende der Partie recht taktisch verlief.

Beim Aufgeben hieß es dann vorwurfsvoll: "Hast du aber Glück gehabt!" Muss ich sagen, da war ich schon etwas entrüstet. Macht ja auch Sinn. Glück gehabt. Die Diagrammstellung ist ja augenscheinlich ausgeglichen, also kann Weiß genauso so wahrscheinlich gewinnen wie Schwarz. Quasi wie beim Roulette - gerade oder ungerade, Rot oder Schwarz?
Naja :-) Soll sie denken, es war Glück. Dann können wir ja nächstes Mal wieder Slavisch Abtausch spielen. Immer wieder gern.


Hier noch einige Bilder vom Turnier, eine große Bildergalerie findet sich auf der Turnierhomepage.

DennesSieger
Dennes mit dem Siegerlächeln

Naumann
Alexander Naumann gewann am Ort seiner Trauung das Blitzturnier, im Schnellschach konnte sich der Favorit aber nicht gegen seine kampferprobten Gegner Dennes und Zigurds Lanka durchsetzen. Außerdem überholte ich den GM noch in der letzten Runde nach Buchholz. Er nahms aber gelassen.

Ilja-und-Dennes
Das beim Schnellschach deutlich erfolgreicher als in der Bundesliga agierende SF-Berlin-Gespann

Freddy
Wöchentlich grinst das Murmeltier

Freitag, 20. November 2009

Mittagspause...

...statt Frühstück im Bett um diese Uhrzeit. Ich werde mich umgewöhnen müssen.

Zum Glück wird mir langsam mein Chef immer sympathischer. Er hat zwar noch nie in seinem Leben eine Schachfigur angefasst, verfolgt aber als gebürtiger Ukrainer die Turnierlandschaft unter dem Aspekt ukrainischer Spieler. So war ihm etwa unser 1,5:4,5 vom Europacup gegen Kiev PVK durchaus ein Begriff, ebenso wie die Namen der ukrainischen Spieler oder auch Ivanchuks Mundschutz-Auftritt beim Tal-Memorial in Moskau über den wir uns beide köstlich amüsieren konnten. Genau wie viele anderen User auch, beschwerte er sich über die unübersichtliche Webseite aus Ohrid, auf der er täglich die Ergebnisse nachgeschaut hat. Und da er selbst bald in Ohrid einen Freund besuchen will, hat er auch gleich jemanden zur Hand, der sich auskennt... Klein ist die Welt, oder? ;-)

Doch doch, die paar Wochen Praktikum kriege ich gut rum.

Auf der Schachbundesliga-Seite gibts jetzt neue Lesefrüchte zum vergangenen Wochenende in Emsdetten: Von Timo Sträter und mir.

Und nun zum bald beginnenden Wochenende: Da die Entzugerscheinungen doch zu groß sind, habe ich mich zum Rückfall verführen lassen. Heute abend oder morgen geht es in die Heimat nach Hannover und es wird das gute alte Schneverdinger Schnellturnier mitgespielt.

Über mögliche "finanziell unerwüschte" Begegnungen im hohen Norden oder auch über das, was sonst bei meinem ersten Schnellturnier seit 2 Monaten passieren wird, sowie (wenn nötig) über die Verkehrslage auf der A7 wird hier Anfang nächster Woche genaustens berichtet werden. Oder vielleicht auch schon Samstag Nacht nach dem Blitzturnier. Man möge mir viel Spaß wünschen! ;-)

Soll ich dem HPLC-Gerät von euch Grüße ausrichten?

Freitag, 6. November 2009

Ab heute Österreich gucken!

Gleich geht es für mich aus München nach Jenbach zu meinem ersten Engagement in der Österreichischen Staatsliga. Mein Verein heißt ASVÖ Wulkaprodersdorf. Am Wochenende stehen drei Begegnungen an, wobei die Liveübertragung aus unserem Nachbarland traditionell eigentlich immer sehr gut funktioniert. Von daher einfach mal vorbeischauen!
Vor Ort, wie einfach mal von Stefan Löffler vollmundig versprochen, weitere Berichte, natürlich wie immer bedingt durch angemessenen WLAN-Empfang.

Bis dann!

P.S. Auf Colorado werde ich aber zum Einstand vermutlich leider verzichten müssen. Dafür sind mir die Ösis zu konservativ ;-)

Dienstag, 3. November 2009

Open-Dramaturgie

Der erste Platz schien eigentlich schon unerreichbar weg, doch das Schweizer System treibt ja bekanntlicherweise oftmals seltsame Blüten. So war zu meiner großen Freude die sechste Runde derart günstig verlaufen, dass ich mich schon mal vom 7. auf den 2. Platz verbessern konnte. Es endeten einfach alle Spitzenbegegnungnen so, wie ich es mir vorher gewünscht hatte - was will man mehr? Jetzt musste ich ja nur noch den führenden Raoul Strohhäker überholen, der - mit einem Remis gestartet, das ihm sein Gegner wohl in Gewinnstellung angeboten hatte - sich mit fünf Siegen am Stück (der letzte gegen GM Schmittdiel, der seinen Vorteil im Gewinnstreben total überzogen hatte) an die alleinige Tabellenspitze gesetzt hatte.

Leider haben aber diesmal Teskes Thesen dahingehend versagt, dass ich als Setzlistenerster irgendwo unterwegs einen Farbwechsel erleiden musste und so für die letzte Runde die wichtige weiße Farbe verlor. Selber schuld aber auch, wenn man früh Remis macht und sich hochlosen lässt, da passiert sowas schon mal!... Also hieß es schön mit Schwarz auf Sieg spielen, denn das Zweitrundenremis erlaubte es mir auch nicht wirklich, mich auf irgendein Buchholz - Geweihmessen einzulassen.

Gemäß Umumbas Aussage

Umumba (Gast) - So, 1. Nov, 17:30
Bekanntlich ist Colorado heutzutage eigentlich die einzige Eröffnung, wenn man mit Schwarz in der letzten Runde auf Gewinn spielen will. :-)


entschloss ich mich also mal wieder, es in einer Turnierpartie zu versuchen. Dabei kam ein echter Zuschauermagnet heraus, den ich wegen der Fülle und Komplexität der möglichen Varianten
nicht sinnvoll komplett hier im Blog darstellen kann. Natürlich gibt es eine sehr ausführlich kommentierte Fassung als Download. Hier nur einige Schlüsselmomente:

Raoul Strohhäker - Ilja Schneider
In 4-5 Zügen brennt das Brett!

Stroh1

10.d3 oder 10.d4 ? Raoul entschied sich nach langem Nachdenken für Letzteres, nach 10.d3 wäre eventuell 10...Tg6 11.Df4 Lh3!?!? möglich. Kinder, nicht zuhause nachmachen!


Stroh2

Hier gab es so viele schöne Züge, wie 14...Lxc2, 14...Th8 oder das von mir unterschätzte aber typische 14...e5! Ich habe es echt geschafft, den einzigen Zug zu wählen, der wirklich nicht gut ist: 14...Sb4?

Es folgte 15.0-0-0 Sxc2? 16.g4 Le4?

Stroh3

und nun hätte Raoul mich mittels 17.Lb5! +- wegschießen können. Es kam aber zu meiner großen Erleichterung 17.Sxe4?


EInige Züge später dachte ich dann, ein Figur gewonnen zu haben, aber fiel nach

Stroh4

22.Ld3! glatt vom Stuhl. Das Mehrmaterial lässt sich, bei zwei passiven weißen Türmen nicht behaupten. Zum Glück hatte ich gerade noch 22...Td6 als Rettung zur Hand.


Raoul machte im entstandenen scharfen Endspiel dann zum Glück den letzten Fehler, indem er mit

Stroh5

27.dxe5?? eine schlagartige Aktivierung meines Läufers zuließ. Nun ist der weiße König gegen die feindliche Übermacht allein auf sich gestellt (während die weißen Türme den Bauern f3 vernichten!) und wird in den nächsten Zügen nach 27...Lxe5 28.h4 Tc6+! 29.Kd1 Td6+ 30.Kc1 Se4! 31.Txf3 Td2 usw. mattgesetzt.


Die ganze, ausführlich kommentierte Partie, ein Muss für alle Colorado-Liebhaber gibt es hier:

Strohhaeker-Schneider (cbv, 8 KB)
Strohhaeker-Schneider1 (pgn, 10 KB)

Die Turniertabellen

Bilder vom Herbstopen


Am Ende möchte ich mich noch bei Raoul bedanken, der genauso seinen Teil dazu beigetragen hat, dass eine solche spannende Partie überhaupt entstehen konnte, und der diese am Ende enttäuschende Niederlage nach außen hin so locker hinnahm, wie ich es vermutlich nicht gekonnt hätte.

Samstag, 31. Oktober 2009

Morgen geht es um die Wurst

5 Runde sind in Deizisau absolviert. Dabei notiere ich mittlerweile bei meiner Form gut entsprechenden 4 Punkten. Die Partien sprechen beide für sich und wurden ja auch schon bei den Comments leicht ankommentiert ;-) Diagrammupload ist leider nicht möglich, bedingt durch das Sch... WLAN.
Nix Halbes und nix Ganzes also. Allerdings ist vermutlich bis auf den 1 Platz, der unerreichbar weg scheint, noch mehr oder weniger alles drin. Ich müsste nur die auch heute omnipräsente Lethargie ablegen und einfach mal 2 Partien am Stück gewinnen.

Für den zoologischen Akpekt sorgte heute übrigens die Partie Taras-Kabisch aus der 4 Runde. Weiß überschritt in einem hoffnungslosen Bauernendspiel, in dem der schwarze Bauer unmittelbar vor der Umwandlung stand die Zeit, woraufhin Kabisch reklamierte. Der Gegner , wie sich herausstellte, ging davon aus, nach dem 40 Zug noch eine halbe Stunde Zeit zu erhalten und protestierte gegen die Anzeige 0.00 vehement. Da trotz mehrfacher Rufe kein Schiri in die Nähe kam und sich des Falles annahm, weigerte sich Weiß aufzugeben und Schwarz war es auch egal. So spielten die beiden unter Aufschreiben und Betätigen der Uhr einfach noch eine Weile weiter, bis das Matt unmittelbar in der Tür stand.

So, und jetzt brauche ich morgen ganz ganz viele gedrückte Daumen und das einmal vor- und einmal nachmittags. Morgen Nacht aus Bad Herrenalb dann das Ergebnis, für die die etwa die Liveübertragung verpasst haben werden.

Schönen Abend noch aus Deizisau!

Freitag, 30. Oktober 2009

Update aus Deizisau

Schönen Abend an die Leser vom Herbstopen aus Deizisau. Die W-LAN-Verbindung in die ich mich gerade im Hotel halblegal eingehackt habe, droht jeden Moment einzubrechen, von daher das Wichtigste in Kürze:

Ilja hat 2,5/3 (die ersten 2 Partien wurden sogar live übertragen auf www.herbstopen.de), danach hatte ich mich mit einem Remis gegen den stark verteidigenden Vadim Reimche von der Bühne auch schon verabschiedet. Wie so oft in solchen Fällen hat der Held des Vormittags damit auch schon die Tagesration an Energie verbraucht, was dahingehend resultierte, dass Reimche anschließend gegen Raoul Strohhäker eine vermutlich leicht bessere Stellung aufgab. Wer mich etwas näher kennt, der weiß, dass mich dieser Anblick gewiss ein wenig getiltet hat (und das nicht etwa wegen des Buchholtzpunktverlustes - wenn ich so weiterspiele wie bisher (ich vermute ich stand gerade sehr schlecht... muss ich aber noch prüfen) wird ein Preis eh eher kein Thema sein - sondern einfach aus Prinzip. In wen investiert man da bitte seine Punkte?!

Naja, morgen versuche ich es mal ausführlicher- ich hoffe mal Sven Noppes lässt mich an einen der PCs.

Nochmal viele Grüße aus Deizisau!

Mittwoch, 30. September 2009

Ostdyssee (II)

Siegerehrung vorbei, in Sangerhausen wunderschönes nachmittägliches Spätsommerwetter. Auf dringlichen Wunsch eines Mitfahrers, dem man hätte im Nachhinein lieber nicht mehr entsprechen sollen, wurde der Wagen noch beim lokalen Discounter mit Pistazien (zum Glück blieben diese übrig, so hatten Dennes, Chev, Pablo und ich beim Umzug was zu knabbern), Bärchenwurst und vielen regionalen Brauerzeugnissen "betankt".

Baerchenwurst

Entsprechend stürmisch wurde es dann auf der Fahrt nach Wittenberge. Bedingt durch die kaputte Kindersicherung hatte ich zwar keine Chance zu verhindern, dass wir durchgängig bei offenem Fenster gefahren sind (und ich bin beileibe kein langsamer Fahrer!), und gewöhnte mich mittlerweile an die Kälte, aber in dem Moment als ich von der Rückbank hörte: "Nein, keine Flaschen mehr aus dem Fenster werfen!", oder auch als der Wagen das eine oder andere Mal eine starke Abbremsung infolge der geöffneten rechten hinteren Wagentür erfuhr, platzte mir so langsam der Kragen, und ich musste auf einem Rastplatz den einen oder anderen dann doch mal etwas lauter zurechtweisen. Der Rest der Fahrt verlief dann überraschend glatt, besonders weil ich verzichtet habe, Überholmanöver vorzunehmen, um "Stinkefingerattacken" gegen den Überholten zu verhindern. :-)

In Wittenberge hatten wir das Pech, direkt neben einer Großraumdisko zu übernachten. Die ganze Dorfjugend war versammelt... die Lautstärke kosmisch. Beim Warten auf die Wirtin vor dem Hotel (wir kamen außerhalb der Öffnungszeiten) war mir etwas mulmig vor etwaigen jungen Vertretern der rückwärtsgerichteten Szene, die sehr unsanft reagieren können, wenn ihre "Kirschen" allzu wahllos angemacht werden... was in diesem Fall ja geschah. Aber es passierte nichts und auch die Verkehrsschilder vor dem Hotel stehen noch (schief). Abends gab es noch leckere Pizza in einem der umliegenden Lokale, wobei das beherzte Eingreifen der Kellnerin, die den voluminösen Kerzenständer zur Seite schaffte, das Gefahrenpotential beim Essen durchaus entschärft hat.

Morgens, gestärkt durch ein reichhaltiges Frühstück, ging es dann zum Spiellokal, welches dank (m)einer genialen Planungsleistung direkt in der gleichen Straße lag, wie das Hotel. ;-)

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Das Kulturhaus Wittenberge diente als hervorragender Spielsaal.

Gespielt wurden 11 Runden Schnellschach. Trotz oder gerade wegen der Bundes- und Landtagswahlen (Wahllokal war im gleichen Gebäude) fanden sich etwa 70 Teilnehmer ein. Dabei war ich, wie auch im Vorjahr an Nummer 2 hinter GM Zigurds Lanka gesetzt.

Da Colorado bei Theoriehai Lanka vermutlich die innere Seriösitätsgrenze unterschreitet, war genau dies meine Eröffnungswahl gegen den Großmeister. Allerdings packte mich nach einer insgesamt gelungenen Eröffnung ein unerklärlicher Respekt (und ein Magenkrampf, zuviele Peperoni auf der Pizza!) und ich bot hier Remis an. Lanka akzeptierte erfreut.

Lanka

Danach hieß es mit beiderseits 4,5/5 Klotzen statt Kleckern um den Turniersieg, aber leider schaffte ich es hiernach keine Schwarzpartie mehr zu gewinnen. Weder gegen den erstaunlich fitten Alexander, noch gegen den starken Ex-Jugendspieler Sebastian Kesten, der mit dem moralischen Support seiner Freundin sich die "Dreistigkeit" Slavisch Abtausch erdreistete und mich bis zum Ende um das Remis schwitzen ließ, noch gegen den hochsoliden FM Karsten Schulz aus Cottbus. Das Ergebnis waren folglich 9/11 und ein vorprogrammierter zweiter Platz im "Niemandsland" zwischen Lanka (10) und Izrajlev (8). Absolut gerecht.

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Der Turniersieger, Turnierleiter Carsten Dittrich

Tatiana Melamed - Ilja Schneider
Mein geliebter Tromp gegen WGM Tatiana Melamed.

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Wie so oft, kam ich nicht dazu, während des Turniers etwas zu mir zu nehmen. Als ich dieses kurz vor der Siegerehrung nachholen wollte, konnten mir diese beiden Damen leider fast nur noch Jägermeister Kümmerling anbieten.

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Oops, he did it again!

Da die Rückfahrt außer einer stundenlangen Reise durch verlassene, beinahne schon gespenstische Landschafts- und Dorfkulissen auf der verzweifelten Suche nach einer Tankstelle (ich für meinen Teil war schon irgendwie erleichtert, als wir endlich die niedersächsische Grenze kreuzten) und einem erdrutschähnlichen Einbruch der SPD bei der Bundestagswahl nichts Schockierendes bereithielt, beende ich an dieser Stelle meinen Ostdyssee-Bericht.

Dieses Wochenende war zugegebenermaßen recht konzentriert und gefühlsintensiv, aber das Ziel des Blogs ist es ja, euch einen Einblick in mein tägliches (Schach)-Leben zu geben und diesen Zweck erfüllt die Schilderung recht gut. Ich hoffe, ihr hattet beim Lesen so einigen Spaß und macht mir ab jetzt in Zukunft ein paar dumme Sachen nicht nach :-)

Und zum Schluss:
Kropfgazelle
Eine Persische Kropfgazelle aus Karlsruhe

Der SchaFzoo

Nur echt mit 0, 2 oder 4 Hörnern

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Witzigerweise habe ich...
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Mäh!
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:-) :-) :-) :-) :-) :-)
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