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Mittwoch, 14. Oktober 2009

Großer Abschlussbericht aus Ohrid

Vermutlich ist allen aufgefallen, dass am Ende ein bisschen die Luft raus war. Schachlich lief es gar nicht mehr, die montenegrische Grippe erfasste immer größere Mannschaftsteile, und zum Bloggen kam man da schon gar nicht mehr. Immerhin hat Rainer bis zuletzt tapfer den Mut gefasst und auf der SF-Berlin-Homepage Runde für Runde den gemeinsamen Absturz inklusive nachspielbarer Partien dokumentiert. So dass ich das an dieser Stelle nicht mehr mache, mich damit begnüge zu erwähnen,
  • dass Platz 35 nicht unbedingt den Anfangserwartungen / den Erwartungen des Turnierverlaufs entspricht
  • dass 4 von 6 Spielern am Ende mit ihrer Leistung eher unzufrieden waren
  • und dass es in der Bundesliga, die übrigens am Freitag startet, eindeutig nur noch besser laufen kann
und prompt zur großen Spielerabrechnung übergehe.

1. Ilja Schneider (3/7 -5,3 ELO)

DSC00104
Ich hätte mich mehr auf das Schach als auf die Schwäne fokussieren sollen...

Mit meiner Leistung bin ich nicht zufrieden. Nicht nur, dass es mir über das ganze Turnier nicht gelungen ist, irgendwelche neuen Ideen zu zeigen (dort, wo ich es versucht habe, also in den Schwarzpartien gegen Sepp, Miladinovic und Ruck, ist es kläglich gescheitert), sondern wurde ich auch auf meinem "Heimatrevier", in Varianten, die mir bestens bekannt sein müssten, wie gegen Onischuk oder Docx, sofort aus der Eröffnung vor große Probleme gestellt. Ich spielte über das gesamte Turnier unkonzentriert, übersah einfache Taktiken und zeigte teilweise grobe Fehler in der Stellungseinschätzung, wobei ich die Stellungen teilweise mit übergroßem Optimismus (Bauernraub gegen Sepp und gegen Miladinovic, das sinnlose Bauern"opfer" in der ersten Runde gegen den jungen Albaner), teilweise auch mit unerklärlichem Pessimismus (Docx, Ruck, auch gegen Ivanchuk und Onischuk) angegangen habe. So sucht man nicht nach den geeigneten Zugkandidaten und findet auch keine guten Züge.
Ferner gab es bei mir schon lange gekannte Problem mit der Increment Bedenkzeit, die meinem Spielstil total widerspricht.
Gut waren aber immerhin (teilweise) der Kampfgeist und die Endspieltechnik in den Endspielen gegen Sepp und Onischuk. Hätte mir letzterer nicht durch einen groben Einsteller im Mittelspiel vorher einfach einen ganzen Punkt geschenkt, so wäre das Turnier mit 2/7 einfach eine blanke Katastrophe. So war es einfach nur ein schlechtes Turnier, was einige Fragen aufwerfen sollte, für deren Beantwortung ich allerdings einige Zeit benötigen werde.


2. Rainer Polzin (2/7, -18,5 ELO)

Rainer Polzin
Rainer entspannt auf dem Boot.

Noch viel weniger, als das es mein Turnier war, ist es das Turnier unseres Team Captains Rainer gewesen.
Nach dem Pflichtsieg in Runde 1 gegen einen schwachen Albaner lässt sich der Auftritt von Rainer in zwei Teilen zusammenfassen:
  • drei mehr oder weniger einseitig verlorene Schwarzpartien, allerdings gegen äußerst starke (Gashimov, Miroshnichenko) bzw. stark spielende (der Belgier Wemmers, holte mit einer Performance von über 2650 eine GM-Norm) Gegnerschaft
  • drei Partien mit den weißen Steinen gegen schwächere Gegner, in denen Rainer nach der Eröffnung dank guter Vorbereitung mindestens klaren Vorteil hatte, diesen dann aber jeweils infolge u.a. einer unglücklichen Zeiteinteilung noch einstellte. Das krasseste Beispiel war in der letzten Runde, als er das hier noch verlor:
Rainer Polzin - Mikulas Manik ECC Ohrid (7)

Polzin-ManikWeiß gewinnt mit 38.Sd6! sofort, es kam aber leider 38.Sxb2? Dxb2 39.d6 Db6! 40. Tfa1?? (40.Td7 genügte vollkommen) 40...Dxd6 und bald 0:1

Schwierig zu sagen, wie so ein Absturz zustande kommt. Nerven, das fehlende Training, Pech, fehlendes Stellungverständnis... Rainer wusste es selbst nicht so genau. Fest steht jedenfalls, dass er in der kommenden Bundesliga-Saison alles daran setzen wird, diesen Auftritt beim Europacup vergessen zu machen. Achja, und wenn das oben nicht so deutlich herausgekommen ist, das gilt auch für mich.


3. Jan Lundin (2/7, -17,1 ELO)

IMGP0277
Ging deutlich cooler mit dem Misserfolg um, als die meisten: Jan Lundin

Der sympathische Schwede un unseren Reihen ist in meinen Augen ein typischer schachlicher Autodidakt. Soweit ich das richtig verstanden habe, hatte er nie einen richtigen Trainer und bringt sich das königliche Spiel gewissenhaft aus Büchern und Praxis im Internet bei ("Täglich eine halbe Stunde"). Auf diese Weise schaffte er innerhalb der letzten 7-8 Jahre den Sprung von einem Spieler mit ELO 2100 zu einem IM in spè, dem nur noch einige Pünktchen zum Titel fehlen. Im Moment spielt er einigermaßen viel Schach, früher lagen die Dinge anders.

Wie ich es häufig bei Spielern beobachtet habe, die sich ihre Ausbildung größtenteils nicht draußen auf der Straße, sondern zuhause im eigenen Sessel holen, sind die schachlichen Qualitäten in diesen Fällen oft sehr unregelmäßig verteilt. Jan ist dabei keine Ausnahme. Während mich sein Eröffnungsspiel und sein taktischer Ideenreichtum in Ohrid schlichtweg beeindruckte (er kann Eröffnungen deutlich besser als etwa ich!), stellte ich bei ihm einige Endspielschwächen und einen etwas wenig ausgeprägten Sinn für Gefahren fest. Fehlender Hang zum Pragmatismus. Und natürlich auch eine, mit dem letzten Punkt untrennbar verbundene Unsicherheit, jedes Mal, wenn es in die Zeitnotphase ging.
So kam es, dass Jan Schwierigkeiten hatte, eine Partie ganz auf dem in der Eröffnung eingeschlagenen hohen Niveau durchzuspielen. Er war derjenige von uns, der mit Abstand am meisten Chancen und Punkte wegwarf, alleine 2,5 in den letzten 3 Runden. Etwa in der letzten Runde:

Rafal Antoniewski - Jan Lundin ECC Ohrid (7)

Ant-Lundin Hier spielt man normalerweise ohne nachzudenken, 29...Sd5!, platziert das Tier nach c3 und erhält klaren Vorteil. Jan hat die Berliner Mauer bisher gegen den starken Großmeister vorbildlich behandelt, aber schickt nun den Springer auf eine Horrormission: 29...Sf5? 30.g4 Sg3 31.Te1 Jetzt kann der Springer nicht mehr heraus, wenn man ihn nicht sofort mit 31...Ld5 über das Feld e4 befreit. Aber Lundin zog nun 31...Tc6?? und nach 32.Le7! Td7 33.Lh4 war der Springer einfach weg und der e-Bauer bald durch.

Es ehrt Jan, dass er Misserfolge wie diesen, ganz im Stile eines Diplomaten stets mit betonter Fassung trug "Ich habe einiges gelernt." oder "Solche Züge hätte ich noch vor einem Jahr nicht gefunden.", aber abstellen wird er solche Fauxpas' erst können, wenn er Schach noch mehr als bisher im Sinne eines Kampfes und nicht wie eine Lehre oder eine Ausbildung betrachtet.
Aber dafür ist er jetzt schon ein unglaublich netter und unkomplizierter Zeitgenosse.


4.Rudi (5/7, +26,4 ELO)

Henrik Rudolf
Hatte im Laufe des Turniers, das er sich mit einer überfälligen ersten IM-Norm veredelt hat, am meisten zu lachen: Henrik Rudolf ("Rudi")

Es gibt immer jemanden, bei dem läuft es einfach. Egal was er anfasst, es klappt alles. Dieses Mal war Rudi der Glückliche in dieser Rolle.

Rudi machte eigentlich das was er immer macht : Dynamisch, aggressiv, immer nach vorne ausgerichtet angreifen. Aber er spielte diesmal einfach gut, bereitete sich gewissenhaft vor und erhielt, ganz im Gegensatz etwa zu mir, "seine" Stellungen aufs Brett. So kamen die Punkte einer nach dem anderen. Als Rudi bei 3,5/5 notierte und ihm vermutlich bereits ein Remis zur ersehnten IM-Norm reichen täte, spielte er mutig seinen geliebten Königsinder nach vorne und gewann seine beste Partie. Insgesamt eine starke Vorstellung des Rostockers, die sogar noch durch die nicht wirklich verdiente Niederlage gegen das alte Eisen Beljavski getrübt wurde. Auch da hatte sich Rudi vorher mit energischem Angriffsspiel mit Schwarz einen Vorteil erarbeitet.


5. Jan Wendt (4/7, +6,4 ELO)

Jan spielte hinten ein solides, fast schon etwas unauffälliges Turnier, baute aber gegen Ende, so wie der gesamte Rest etwas ab. Seine Schwarzsiege in den Runden 3 und 4 waren für die Mannschaft absolutes Gold wert, die Niederlage gegen Smirin in Runde 2 vermeidbar, die gegen Baklan un Runde 5 gerechtfertigt.
Dass es am Ende nicht auch für Jan für eine IM-Norm reichte, liegt an den zwei Remisen aus deutlich besseren Stellungen am Ende des Turniers. Zuerst hat sich Jan mit dem Verbraten an Unmengen von Bedenkzeit mit Weiß selbst ausgetrickst, bis die Stellung im Ausgleich versandete, danach unterschätzte er bei einem Massenabtausch im Mittelspiel, im Vertrauen auf seinen entfernten Freibauern ein lehrreiches Festungsmotiv im Läuferendspiel.
Es war für Jan beileibe kein schlechtes Turnier, aber auch er könnte aus meiner Sicht noch eine Prise Abgebrühtheit oder Pragmatizizät gut vertragen.

IMGP0233
Hielten hinten alles dicht: Jan Wendt und Stephan Bruchmann. Links Jan Lundin


6. Stephan Bruchmann (4/7, +4,8 ELO)

Stephan musste bei uns hinten auf Brett 6 den Abräumer spielen und das gelang ihm sehr vorbildlich. In der ersten Runde beim 5,5:0,5 gegen die Albaner noch mit dem Pech, das einzige Remis genau gegen einen ELO-Träger zu platzieren (man sollte allerdings erwähnen, dass dieser Spieler in der Folge durchscorte: 6,5/7 ), drehte Stephan das Turnier mit in der Folge 2/3 (darunter ein sicheres Remis gegen GM Golod) schnell zu seinen Gunsten. Der schöne Sieg in Runde 4 gegen den montenegrischen Grippeträger wurde allerdings mit dem teuren Preis der Ansteckung erkauft. Geschwächt fand Stephan am Folgetag das Remis gegen den ukrainischen GM Vysochin nicht und schob, sichtlich von der montenegrischen Grippe gezeichnet in Runde 6 ein Kurzremis ein. Nur um am letzten Tag (allerdings gegen einen nicht so starken Gegner) nocheinmal zuzubeißen und sich über 50% zu hieven, die ihm noch eine moderate ELO-Steigerung beschieden.
Daneben ist noch zu erwähnen, dass Stephan zusammen mit mir gewissenhaft die Verantwortung für den "Gute-Laune-trotz-Chaos-Faktor" geteilt hat und mindestens genauso viel zu dessen Gelingen beigetragen hat, wie euer Autor, so dass ich mich sehr gerne an seine zahlreichen Sprüche und Anspielungen erinnere.


Als Fazit bleibt festzuhalten: Ohrid und der See sind herrlich, das gute Essen und das "Skopsko"-Bier kriegt man nachgeworfen, für die "Musik" sollte man genügend Ohrstöpsel bereithalten, eine sechsstündige Fahrt durch Mazedonien ist stressig und durch die schachliche Traumatisierung die in dieser Woche stattfand, habe ich starke Zweifel, ob ich mich jemals in meinem Leben wieder in Ohrid ans Brett traue.

DSC00099
Tschüüüss!

P.S. *Hust! Hust!* Ich bitte um besondere Wertschätzung für den Umstand, dass ich das alles gestern so oder so ähnlich schon einmal eingetippt hatte und mich tatsächlich noch einmal aufraffte, dieses titanische Werk zu wiederholen.
christian (Gast) - Mi, 14. Okt, 17:51

Ich hätte mich mehr auf das Schach als auf die Schwäne fokussieren sollen...
Ich vertrete, bis mir sie jemand mit statistisch signifikanten Studien widerlegt, die Gegenhypothese: Mehr Schwäne implizieren mehr Punkte. Die Vorstellung, dass so hübsche Tiere sich negativ aufs Spiel ausüben, ist doch abwegig. Und stell dir mal das Gesicht deines Gegners vor, wenn du in der Bundesliga mit deinem persönlichen Schwan am Brett erscheinst.

Deine unermüdliche Schreibmotivation wird natürlich anerkannt, wobei ich mir den Ratschlag erlaube, lange Texte immer vorher im Texteditor deiner Wahl zu schreiben und erst dann ins Webformular zu Copypasten. Erspart viel Frust, glaub es mir.

LowScore - Mi, 14. Okt, 18:43

Anerkannt...

und wertgeschätzt! :-) Danke für die ausführlichen Berichte.

Peter B (Gast) - Mi, 14. Okt, 18:51

Gute Ratschläge...

... bekommt man immer erst hinter her. Die verschiedenen Vorschläge in welchem Programm auch immer Texte speichern kann, kommen mir vor wie die überflüssige Frage nach einer Sicherungskopie wenn gerade die Festplatte gekracht hat.

Im übrigen steht es einem Zoodirektor zu, sich intensiv mit einem Schwan auseinanderzusetzen, immerhin gehört die ständige Suche nach geeignetem Inventar auch zu diesen Aufgaben.

Zum Schachlichen: Schade dass es nach dem GM-Turnier in Berlin auch diesmal in den "Lang"-Partien nicht so geklappt hat. Die kürzere Bedenkzeit lag dir ja zwischendrin ganz gut. Also volle Konzentration auf die Bundesliga, es wird hart genug...

Pantherchamäleon (Gast) - Mi, 14. Okt, 22:50

Woher und Wohin

Rainer P. stellte sich (War es in der zweiten Runde?) beeindruckt vom Spiel des Gegners die Frage: "Wieso habe ich eigentlich verloren?"

„Das Pantherchamäleon gehört zu den größten seiner Verwandtschaft. Außergewöhnliche Fähigkeiten machen die Chamäleons einzigartig im Reich der Reptilien.
Weil es die Augen unabhängig voneinander bewegen kann, ist es für das Chamäleon keine Kunst, gleichzeitig zu sehen woher es kommt und wohin es geht.“

Ob das als Erklärung eine Hilfe sein könnte?

Kaffeehausschach - Mi, 14. Okt, 23:25

Sehr gut... Vugar Gashimov als Pantherchamäleon ;-)
Chev Chelios - Mi, 14. Okt, 23:42

Das selbst mir zu blöd.
Rössel (Gast) - Do, 15. Okt, 11:33

;)

......chev?! =O
HAJDUK (Gast) - Do, 15. Okt, 10:21

Chev

ILJA! Chev findet deinen Blog nicht mehr super.

Wombat (Gast) - Do, 15. Okt, 15:15

Streichelwiese

„Wombats haben ganz kleine Augen und können wahrscheinlich genauso schlecht gucken wie ein Maulwurf.
Am liebsten verschläft er den ganzen Tag, denn ein richtiger Wombat wird erst abends munter. Die Nacht über geht dann jeder für sich auf Streifzug und sucht sich etwas zu essen.“

Bietet dieser Schach-Zoo bei Bedarf den Service einer Streichelwiese an?
Falls nicht, dann bitte mit ins Angebot aufnehmen!
хенрик (Gast) - Do, 15. Okt, 17:53

Streichelwiese

"Golbat beißt seine Beute mit seinen vier Reißzähnen und trinkt das Blut seiner Opfer. Es wird in Nächten aktiv, in denen nicht einmal der Mond scheint. Es fliegt dann durch die Dunkelheit und greift Menschen und Pokémon an. "
fisch (Gast) - Do, 15. Okt, 20:03

der fisch kaut....
Hallo Jungs gehts noch? :)
Das ist ja das reinste Biologenforum...reißt euch mal zusammen!
Pantherchamäleon (Gast) - Do, 15. Okt, 22:49

Gegendarstellung

@Kaffeehausschach: Fehlinterpretation/ Nicht Vugar G. als Pantherchamäleon

Ein Vergleich mit dem Weißspieler selbst mag zwar nahe liegend erschienen sein, tatsächlich aber zielte der Vergleich auf die Zugbewegungen der weißen Figuren (hauptsächlich Zug 14 bis 19) ab, die eine mystische Gleichzeitigkeit von Vergangenheit und Zukunft ausstrahlen und deshalb in dieser Hinsicht an die außergewöhnliche Fähigkeit der gegenwartsbezogenen Augenbewegungen des Pantherchamäleons erinnern.

Chev Chelios - Fr, 16. Okt, 01:10

ILJA! Ich finde deinen Blog super.
Also wer diese einfache Metapher nicht verstanden hat, hat hier glaub ich nix zu suchen.
Gruß Chev
_________________ (Gast) - Sa, 17. Okt, 13:29

mehr

wir wollen wieder mehr artikel lesen ;) ! der letzte liegt schon 3 tage zurüch ;) !

Felsenleguan (Gast) - Sa, 17. Okt, 14:07

toller Service

... erstaunlich guter Service!
Um 13:56h, also 4 Minuten vor Rundenbeginn, verschickt SF Kohlstädt die Paarungen im pgn-Format per E-Mail!
Peter B. (Gast) - Sa, 17. Okt, 18:35

Die Seuche...

... geht weiter. Auch die erste Bundesligapartie geht nicht gut aus. Schachtherapeut bereite die Couch vor!

Felsenleguan (Gast) - Sa, 17. Okt, 20:48

In die Vorbereitung gelaufen?

… war aber auch ‚fies’ oder ‚tricky’ gespielt von Sune Berg Hansen: 10.a3 als eventuell clevere Vorbereitung -etwas abseits der Schablone- war der erste Zug, der eine leichte Verunsicherung ausgelöst haben mag, also dieses unangenehme Gefühl hervorruft: „Oh Mist, ich laufe in die gegnerische Vorbereitung.“
War 12…h6 zu allgemein oder zu langsam und sollte durch 12…a6 ersetzt werden, was sowieso kommen muss, möglichst sofort? So klar ist auch nach 12…a6 nicht der schwarze Pfad zum Ausgleich, oder?
Versetzt 14.d4 den zweiten Stich dem eigenen Selbstvertrauen? Plötzlich ist es so kompliziert, wie man es so schnell nicht erwartet hatte.
Als Fehler sehe ich 17…Lg4, mit der Idee auf f3 doppelt abzutauschen, an (was wahrscheinlich durch 17…Ld7 ersetzt werden muss). Das sieht zuerst stabil aus, gibt aber den weißfeldrigen Läufer ab und mit 21.La4! findet Weiß den korrekten Weg, um sein Läuferpaar zu zeigen und die Initiative zu behalten.
Trost an Ilja, Kompliment an Sune Berg!

Perfect Your Result

Trier – Katernberg 3,5:4,5
Volokitin an 1 gewinnt für Katernberg, der Rest (Brett 2 bis 8) von Katernberg hält Remis; auch Jens Kotainy bei seinem ersten Bundesligaeinsatz!
Hat Volokitin nach seinem gnadenlos guten Buch „Perfect Your Chess“ eine neue Devise angesagt und sie ist erfolgreich umgesetzt worden?

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