Strategie für Großmeister
Heute hatte ich ein Erlebnis der besonderen Art.
Nicht unbekannter deutscher Großmeister -
Ilja Schneider (psammenitos.) , schach.de 22.4.2010
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Offensichtlich muss sich Schwarz in dieser Stellung zwischen den zwei Rückschlagmöglichkeiten auf f4 entscheiden. Ohne lange nachzudenken, und mich an meine Erfahrungen in dieser Struktur anlehnend, zog ich 17...gxf4, was im Chat ersteinmal prompt mit "Also Ilja, manchmal machst du Züge, da fällt mir echt nix zu ein." vermerkt wurde. Nach einigen wechselseitigen Ungenauigkeiten mündete die Partie in einem ausgeglichenen Endspiel, wo ich - wie immer - den Läufer einstellte und verlor.
Die richtige Gedankenaustausch fing an dieser Stelle erst an. Analysiert wurde "das einzig richtige" 17...exf4 zwar nicht bis zum Erbrechen, aber doch recht weit und ausführlich. Nach dem wohl beiderseits besten (viele Varianten lasse ich aus) 18.b3 Sd7 19.Td1 Thd8 20.Lb2 Se5 21.h4 kommt es zu einer Stellung, die für Schwarz verlockend aussieht, aber dem Weißen anscheinend keine echte Gefahr droht:
Trotzdem habe ich heute gelernt, dass 17...gxf4 (was ebenfalls aus Ausgleich proklamiert wurde) ein grober strategischer Fehler und somit ein Zeichen für mangelndes strategisches Verständnis sei, und dass JEDER, wirklich JEDER, wie etwa die genannten Beispiele Nimzowitsch, Carlsen oder Karpov hier ohne Nachdenken ein und ausschließlich zu 17...exf4 gegriffen hätte. Auf meine schlichtende Anregung hin, ob es nicht auch sein könnte, dass an dieser Stelle die Wahl des Zuges einfach eine Geschmacksfrage sei, beschied mein Gegner mich mehrfach mit einem "Nein." Da hatte ich endlich mal die schachliche Wahrheit vor mir, zusammengefasst in einem einzigen Satz.
Zufrieden loggte ich mich vom Schachserver aus. Endlich ging mir auf, warum ich immer noch kein Großmeister bin... Diese wertvolle Erkenntnis muss ich unbedingt noch vor dem Schlafengehen mit euch teilen.
Oder was sagt ihr zum Thema? Strategische Fehlleistung, Geschmackssache oder gar ein kleiner Geniestreich? Abstimmen oder posten! Meinungen und Analysen aller Art willkommen. Wenn jemand Carlsen oder Karpov einen Blick auf die Stellung werfen lassen könnte - auch sehr gut.
Strategy for Grandmasters or how to take back the White Knight?
Sie sind am Zug!
Nicht unbekannter deutscher Großmeister -
Ilja Schneider (psammenitos.) , schach.de 22.4.2010
Offensichtlich muss sich Schwarz in dieser Stellung zwischen den zwei Rückschlagmöglichkeiten auf f4 entscheiden. Ohne lange nachzudenken, und mich an meine Erfahrungen in dieser Struktur anlehnend, zog ich 17...gxf4, was im Chat ersteinmal prompt mit "Also Ilja, manchmal machst du Züge, da fällt mir echt nix zu ein." vermerkt wurde. Nach einigen wechselseitigen Ungenauigkeiten mündete die Partie in einem ausgeglichenen Endspiel, wo ich - wie immer - den Läufer einstellte und verlor.
Die richtige Gedankenaustausch fing an dieser Stelle erst an. Analysiert wurde "das einzig richtige" 17...exf4 zwar nicht bis zum Erbrechen, aber doch recht weit und ausführlich. Nach dem wohl beiderseits besten (viele Varianten lasse ich aus) 18.b3 Sd7 19.Td1 Thd8 20.Lb2 Se5 21.h4 kommt es zu einer Stellung, die für Schwarz verlockend aussieht, aber dem Weißen anscheinend keine echte Gefahr droht:
- Auf 21...Lc5+ 22.Kf1 Sc6 kommt 23.Lg7!
- Nach sofort 21...Sc6 22.Lg7 Le7 (will die Läufer tauschen, mit etwas Vorteil) kommt das Quallenopfer 23.Lxh6 und Weiß kann kein Problem haben
- Nach dem letzten Vorschlag des Großmeisters, 21...Kf7 schließlich, war ich zugegebenermaßen etwas ratlos, aber Rybka gab sofort 22.hxg5 hxg5 23.Sc1! raus, wonach von schwarzem Vorteil keine Spur zu sehen ist. Der Verteidigungshirsch geht nach d3 und deckt die gesamte Armee.
Trotzdem habe ich heute gelernt, dass 17...gxf4 (was ebenfalls aus Ausgleich proklamiert wurde) ein grober strategischer Fehler und somit ein Zeichen für mangelndes strategisches Verständnis sei, und dass JEDER, wirklich JEDER, wie etwa die genannten Beispiele Nimzowitsch, Carlsen oder Karpov hier ohne Nachdenken ein und ausschließlich zu 17...exf4 gegriffen hätte. Auf meine schlichtende Anregung hin, ob es nicht auch sein könnte, dass an dieser Stelle die Wahl des Zuges einfach eine Geschmacksfrage sei, beschied mein Gegner mich mehrfach mit einem "Nein." Da hatte ich endlich mal die schachliche Wahrheit vor mir, zusammengefasst in einem einzigen Satz.
Zufrieden loggte ich mich vom Schachserver aus. Endlich ging mir auf, warum ich immer noch kein Großmeister bin... Diese wertvolle Erkenntnis muss ich unbedingt noch vor dem Schlafengehen mit euch teilen.
Oder was sagt ihr zum Thema? Strategische Fehlleistung, Geschmackssache oder gar ein kleiner Geniestreich? Abstimmen oder posten! Meinungen und Analysen aller Art willkommen. Wenn jemand Carlsen oder Karpov einen Blick auf die Stellung werfen lassen könnte - auch sehr gut.
Strategy for Grandmasters or how to take back the White Knight?
Sie sind am Zug!
Kaffeehausschach - Fr, 23. Apr, 02:41




