Der erste Sieg mit Chebanenko-Slavisch
Wie sogar Wikipedia weiß, spiele ich gerne Slavisch mit 4...a6, die sagenumwobene, legendäre Chebanenko-Variante, benannt nach einem moldavischen Meister und Trainer zu Zeiten des eisernen Vorhangs, der laut Augenzeugen tagelang auf seinem Sofa liegen, sich lediglich von Omelett und Walfleisch ernähren und dabei moldavische "Liana"-Zigaretten rauchen konnte. Sein früher Tod 1997 im Alter von nur 55 Jahren kommt da gar nicht überraschend daher...
Im Gegensatz zu seinen Schülern, zu den die GMs Bologan, Rogozenco oder Gavrikov zählen, schlug die Eröffnung bei mir aber nicht ein wie eine Bombe. Höchstens wie eine Bombe, gezündet vom Kojoten auf der Jagd nach Road Runner. Immer wieder explodierte sie in meinen eigenen Händen. Gyimesi, Ruck, Ragger, Buhmann, Borovikov, Manolache ist nur eine kleine Aufreihung an Gelegenheiten, wo ich 4...a6 spielte und richtig auf die Weichteile bekam.
Doch irgendwann, und wenn es gegen einen Spieler mit 2300 ist, irgendwann musste der Moment kommen, an dem ich meine erste Partie mit diesem Shit gewinne. Erwischt hat es in Deizisau den sympathischen Österreicher Harald Schneider-Zinner. So dass man immer noch sagen kann - "bei 4...a6 verliert Schneider immer!"
Harald Schneider-Zinner- Ilja Schneider , Neckar-Open Deizisau 2010 (6)
1.d4 Sf6 2.c4 c6 3.Sc3 d5 4.Sf3 a6 5.Se5!? Lange Zeit ein Geheimtipp, aber mittlerweile hat dies all sein Gift verloren.
5...Sbd7 6.Lf4 dxc4 7.Sxc4 b5 8.Se5 Lb7 9.e3 e6 10.Df3!?
&ls_color=(135,250,250)&square_size=42&border_width=5&border_color=(255,255,255))
Einst eine CBM-Empfehlung von Rogozenco, in freudiger Erwartung von z.B. 10...Sd5 11.Sxd5 cxd5 12.Sxd7 Dxd7 13.Ld3 mit minimal besserer Stellung (Lb7!), aber der Zahn der Zeit hat in dieser Stellung so einiges klarstellen können:
10...Ta7! Erstmals gespielt von Movsesian. Der c6 ist wegen 11...Da8 gar nicht zu nehmen, und Schwarz droht aber schon 11...c5. Er hat keinerlei Probleme mehr.
11.Td1?! c5 12.e4?!
Laut meinem Gegner noch ganz kurz vorbereitet, aber Schwarz hat bereits etwas Vorteil:
12...b4! 13.dxc5?
Das "Figurenopfer" verliert zwar keine Figur, aber es geht einfach trotzdem nicht. Er musste schon mit 13.Sxd7! Dxd7 14.dxc5 den Notausgang suchen, aber auch da steht Schwarz nach 14...Dc6 etwas angenehmer.
13...bxc3 14.c6 cxb2! 15.cxd7+ Sxd7
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Ein Hurrikan ist übers Brett geweht und beide Seiten sind total unterentwickelt. Aber nur Weiß hat ein Problem, namentlich den schwarzen Mehrbauern auf b2. Der überwiegt in seiner Bedeutung sogar die Fesselung in der d-Line und droht ständig durchzulaufen, während der Chebanenko-Bauer auf a6 jedes weiße Spiel killt.
16.Dc3 Verständlich, besonders wenn man sich nur ein paar Sekunden das Massaker nach 16.Sxd7 Lb4+ 17.Ke2 Dxd7 ansieht, aber das wäre noch das geringere weiße Übel.
16...Db6 Dem liegt eine elegante Idee zugrunde, aber nach dem einfachen 16...Lxe4! (droht einfach mal umzuwandeln) 17.Dxb2 Da5+ 18.Ke2 (einziger Zug) 18...Tb7 gibt Weiß gleich den Löffel ab.
17.Sxd7 Db4! Die angesprochene elegante Idee. 18.Kd2! Nur so.
18.Dxb4 Lxb4+ 19.Ke2 Lxe4 und "finito amore"
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18...Lxe4? Lasst euch von eurem Hausfisch zeigen, wie Schwarz nach 18...Dxe4! (Ich war zu fixiert auf Damentausch um das zu finden!) 19.Sxf8 Dxf4+ usw. gewinnt.
19.Sxf8 b1S+ 20.Txb1 Dxc3+ 21.Kxc3 Lxb1 22.Lc4 Lf5
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Wenn man doch nur den Springer f8 verdauen könnte, ohne ihn anzufassen!... Dann wäre die Sache einfach. Aber er kann noch Support kriegen. Probieren wir mal: 23.Ld6 Txf8 (was sonst?) 24.Lxf8 Txf8. Hier kann Weiß noch kämpfen, wenn er nicht gerade gegen Kramnik oder Gelfand spielt. Ich denke, Schwarz holt in dieser Stellung so 75-80%, so dass seine Gewinnchancen höher sind, als die Chancen von Weiß auf ein Remis. Nicht nach dem Geschmack von Schneider-Zinner, der nun einen Gewaltversuch unternahm:
23.g4? Es geht einfach nicht. 23...Lxg4 24.Tb1 Txf8 25.Ld6
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Es droht 26.Tb8+. 25...Ta8 ist keine Lösung, denn nach 26.Tb7 wird es richtig unangenehm. Also, was tun?
25...Th8! Richtig, dem Läufer d6 wird seine exponierte Lage zum Verhängnis.
26.Tb8+ Was soll er noch tun? 26.La3 Kd7 ist witzlos.
26...Kd7 27.Txh8 Kxd6 28.Txh7(?) Aber sonst hat er eben einfach zwei Bauern weniger.
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28...Tc7! Schwarz gewinnt den Läufer oder holzt alles ins gewonnene Bauernendspiel ab. Weiß gab daher auf. 0:1
Im Gegensatz zu seinen Schülern, zu den die GMs Bologan, Rogozenco oder Gavrikov zählen, schlug die Eröffnung bei mir aber nicht ein wie eine Bombe. Höchstens wie eine Bombe, gezündet vom Kojoten auf der Jagd nach Road Runner. Immer wieder explodierte sie in meinen eigenen Händen. Gyimesi, Ruck, Ragger, Buhmann, Borovikov, Manolache ist nur eine kleine Aufreihung an Gelegenheiten, wo ich 4...a6 spielte und richtig auf die Weichteile bekam.
Doch irgendwann, und wenn es gegen einen Spieler mit 2300 ist, irgendwann musste der Moment kommen, an dem ich meine erste Partie mit diesem Shit gewinne. Erwischt hat es in Deizisau den sympathischen Österreicher Harald Schneider-Zinner. So dass man immer noch sagen kann - "bei 4...a6 verliert Schneider immer!"
Harald Schneider-Zinner- Ilja Schneider , Neckar-Open Deizisau 2010 (6)
1.d4 Sf6 2.c4 c6 3.Sc3 d5 4.Sf3 a6 5.Se5!? Lange Zeit ein Geheimtipp, aber mittlerweile hat dies all sein Gift verloren.
5...Sbd7 6.Lf4 dxc4 7.Sxc4 b5 8.Se5 Lb7 9.e3 e6 10.Df3!?
Einst eine CBM-Empfehlung von Rogozenco, in freudiger Erwartung von z.B. 10...Sd5 11.Sxd5 cxd5 12.Sxd7 Dxd7 13.Ld3 mit minimal besserer Stellung (Lb7!), aber der Zahn der Zeit hat in dieser Stellung so einiges klarstellen können:
10...Ta7! Erstmals gespielt von Movsesian. Der c6 ist wegen 11...Da8 gar nicht zu nehmen, und Schwarz droht aber schon 11...c5. Er hat keinerlei Probleme mehr.
11.Td1?! c5 12.e4?!
Laut meinem Gegner noch ganz kurz vorbereitet, aber Schwarz hat bereits etwas Vorteil:
12...b4! 13.dxc5?
Das "Figurenopfer" verliert zwar keine Figur, aber es geht einfach trotzdem nicht. Er musste schon mit 13.Sxd7! Dxd7 14.dxc5 den Notausgang suchen, aber auch da steht Schwarz nach 14...Dc6 etwas angenehmer.
13...bxc3 14.c6 cxb2! 15.cxd7+ Sxd7
Ein Hurrikan ist übers Brett geweht und beide Seiten sind total unterentwickelt. Aber nur Weiß hat ein Problem, namentlich den schwarzen Mehrbauern auf b2. Der überwiegt in seiner Bedeutung sogar die Fesselung in der d-Line und droht ständig durchzulaufen, während der Chebanenko-Bauer auf a6 jedes weiße Spiel killt.
16.Dc3 Verständlich, besonders wenn man sich nur ein paar Sekunden das Massaker nach 16.Sxd7 Lb4+ 17.Ke2 Dxd7 ansieht, aber das wäre noch das geringere weiße Übel.
16...Db6 Dem liegt eine elegante Idee zugrunde, aber nach dem einfachen 16...Lxe4! (droht einfach mal umzuwandeln) 17.Dxb2 Da5+ 18.Ke2 (einziger Zug) 18...Tb7 gibt Weiß gleich den Löffel ab.
17.Sxd7 Db4! Die angesprochene elegante Idee. 18.Kd2! Nur so.
18.Dxb4 Lxb4+ 19.Ke2 Lxe4 und "finito amore"
18...Lxe4? Lasst euch von eurem Hausfisch zeigen, wie Schwarz nach 18...Dxe4! (Ich war zu fixiert auf Damentausch um das zu finden!) 19.Sxf8 Dxf4+ usw. gewinnt.
19.Sxf8 b1S+ 20.Txb1 Dxc3+ 21.Kxc3 Lxb1 22.Lc4 Lf5
Wenn man doch nur den Springer f8 verdauen könnte, ohne ihn anzufassen!... Dann wäre die Sache einfach. Aber er kann noch Support kriegen. Probieren wir mal: 23.Ld6 Txf8 (was sonst?) 24.Lxf8 Txf8. Hier kann Weiß noch kämpfen, wenn er nicht gerade gegen Kramnik oder Gelfand spielt. Ich denke, Schwarz holt in dieser Stellung so 75-80%, so dass seine Gewinnchancen höher sind, als die Chancen von Weiß auf ein Remis. Nicht nach dem Geschmack von Schneider-Zinner, der nun einen Gewaltversuch unternahm:
23.g4? Es geht einfach nicht. 23...Lxg4 24.Tb1 Txf8 25.Ld6
Es droht 26.Tb8+. 25...Ta8 ist keine Lösung, denn nach 26.Tb7 wird es richtig unangenehm. Also, was tun?
25...Th8! Richtig, dem Läufer d6 wird seine exponierte Lage zum Verhängnis.
26.Tb8+ Was soll er noch tun? 26.La3 Kd7 ist witzlos.
26...Kd7 27.Txh8 Kxd6 28.Txh7(?) Aber sonst hat er eben einfach zwei Bauern weniger.
28...Tc7! Schwarz gewinnt den Läufer oder holzt alles ins gewonnene Bauernendspiel ab. Weiß gab daher auf. 0:1
Kaffeehausschach - Di, 20. Apr, 20:27




