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Mittwoch, 28. Oktober 2009

Sutovsky - Svidler

Auf Nachfrage zu meinem letzten Beitrag die von mir bisher in der Tat übersehene und in der Tat durchaus hübsche Partie Svidler - Sutovsky aus dem Match Israel - Russland. Auf den ersten Blick lange Zeit ein scharfer Kampf, mit dem glücklicheren Ende für Peter Svidler, aber wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass die Partie vermutlich zu großem Teil Frucht der russischen Vorbereitungsarbeit war. Die Neuerung ...Lxc5! kam im 17.Zug und Sutovsky, der offensichtlich nicht den besten Tag erwischt hatte, beging in den Zügen 19, 20 und 21 drei Fehler steigender Gewichtung, was schnell zu einer Katastrophe führte. Die Partie, besonders die Neuerung und das blutige Ende sind zwar in gewissem Sinne schön, aber in Wirklichkeit scheint mir, Weiß hat sich einfach nicht wirklich gewehrt.

Sutovsky,Emil - Svidler,Peter
17.ETCC 2009 Novi Sad, Serbia (5.2), 26.10.2009


Svi

15...Sd5 Diese scharfe Caro-Kann-Variante stellt den recht seltenen Fall dar, dass beide Parteien auf einen Königsangriff am gleichen Flügel aus sind. Schwarz hat zwar mittlerweile das Rochaderecht eingebüßt, aber dafür musste sich die weiße Dame an den Brettrand verkriechen und die Schwächung der langen Diagonale mit g3 steht an. In einigen Fällen stürmt Schwarz hier sogar mit seinen Königsflügelbauern los und bedrängt die Dame. Ohne jede Erfahrung bin ich hier gern Schwarz. 16.g3 c5 17.dxc5 Lxc5! Eine konzeptionell interessante Neuerung statt der beiden vorher praktizierten Zurückschlagungsarten. Schwarz überlässt dem weißen Springer das Angriffsfeld e5, allerdings nicht ohne Preis - der Bauer f2 ist gefesselt und für Weiß steigt die Wahrscheinlichkeit, mattgesetzt zu werden. Der schwarze Springer geht freiwillg nach f6 zurück, um selbst ein paar Felder zu decken und die lange Diagonale a8-h1 zu räumen. 18.Se5 Sf6 19.Tae1?! Mindestens ungenau. Sutovsky, dem gerade ein Vorpostenspringer auf e5 zugestanden wurde, will sich weiter im Angriffsstile aufbauen, unterschätzt aber die Bedeutung der nun offenen d-Linie. Ab hier kann von einem weißen Vorteil keinerlei Rede mehr sein. [19.Tad1 ist nicht so sehr auf ein Opfer auf e6/f7 aus, sondern hält sich offen, mittels Ld3-e2-f3 den Druck abzubauen. Wer weiß, vielleicht bliebe nach einer solchen Operation im Erfolgsfalle noch ein kleines Stückchen weißer Vorteil haften?] 19...Td8

Svi1

Weiß ist voll mobilisiert, aber wie die Stellung verstärken? Schwer. Nützliche Bauernzüge sind keinerlei in Sicht. Das beste wäre Dh4, womit die Dame langsam wieder aus dem Versteck kriecht und den Druck auf den Sf6 verstärkt. Sutovsky muss bei seinem impulsiven Zug etwas Böses übersehen haben. 20.Lg6? [20.Dh4! um nach dem unzweideutigen 20...La8?! 21.Td1 Db7? 22.Le4 den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, ist besser. Man beachte die Dame auf h4.] Nun will Weiß direkt auf f7 ein Massaker anrichten, aber Svidler bleibt total cool. Ich würde gerne wissen, wie lange er an dieser Stelle nachgedacht hat.
20...La8! und das Nehmen auf f7 verliert nach 21...Db7 einfach auf der Stelle. Statt des noch rettenden 21.Td1 verfällt Sutovsky in Panik: 21.Lh5?? Gibt mir nichts, dir nichts den wichtigsten Verteidiger ab und beschwört ein Blutbad auf g2 oder h1 herauf. [21.Td1 Txd1 (21...Ke7 22.Lh5 Txd1 23.Lxd1 Td8 24.Lf3 Ld6 25.Lxa8 Lxe5 26.Lxe5 Dxe5 27.Dg2 Kf8 ist sicherer und auch sehr gut für Schwarz.) 22.Txd1 Db7 23.Td8+ (23.Kf1 fxg6!–+) 23...Ke7 24.Txa8 Txa8 25.Lxf7 Dd5 mit schwarzem Vorteil aber noch gewisser Hoffnung.] 21...Sxh5 22.Dxh5 Db7 23.Te4

Svi2

23...Kg8! Nun will er einfach den e4 nehmen. 24.Tfe1 Td2 Wie in einer Blitzpartie. 25.Sd3 f5 Weiß ist total gelähmt. [25...Txd3! Die Beseitigung dieses Verteidigers führte noch stringenter zum Sieg. 26.De5 (26.cxd3 f5) 26...Ld4! 27.Lxd4 Txd4 28.Dxd4 f5–+] 26.Sf4 fxe4 27.De8+ Lf8 28.Sg6 [28.La3 e3 29.f3 Td8! lenkt die weiße Dame von e6 ab. 30.Dxd8 Dxf3 und so weiter.]

Svi3

28...e3 29.Dxf8+ Kh7 30.Dxh8+ Kxg6 31.f3 Tg2+ 32.Kh1

Svi4

32...Te2! [32...Dxf3 33.Dxg7+ Kh5 gewann auch.. irgendwann kommt das tödliche Abzugsschach.] 33.Tf1 Dxf3+! 0–1

Selektive Sicht eines Zehn-Finger-Faultiers auf die Mannschafts-EM in Novi Sad (vom Eukalyptusbaum)

Wie dem Leser mit Sicherheit aufgefallen ist, mache ich gerade eine Abstinenzperiode durch, in freudiger Erwartung der Koalas, Känguruhs und Waschbären, die ich in Deizisau treffen werde. Natürlich schaue ich mir in der Zwischenzeit das muntere Treiben der Mannschafts-EM in Novi Sad (Serbien) an und mache mir so meine Gedanken.

Sagen, dass ich mich gut als Prophet eigne seit dieser Zoo existiert, kann ich wahrhaftig nicht. Proklamierte ich Robert Rabiega und Vasily Yemelin beim Berliner GM-Turnier zu den Favoriten - beide spielten (für ihre Verhältnisse) desaströs. Lautete bei den SCHACH-Fragen meine am meisten überbewertete Persönlichkeit Hikaru Nakamura - er stampft beim Elite-Turnier in San Sebastian alle in den Erdboden und holt sich in Mainz gegen Aronian die 960-Krone, bekunde ich im nächsten Satz eine mangelnde Huldigung der Leistungen Karpovs - er wird in San Sebastian abgeschlagen Letzter, sein Auftritt in Zürich wird auch nicht wesentlich erfolgreicher und sein Ergebnis im Revival-Match gegen Kasparov - najaa..

Und jetzt wird es fast schon unweigerlich so sein, dass der "überflüssigste 2700er" Gashimov und der "Sympathiebolzen" Mamedjarov im Alleingang die diesjährige Mannschafts-EM für sich gewinnen werden. Beide notieren im Moment bei 4,5/6 und einer 2800+ - Performance und sind die tragenden Säulen einer Azeri-Truppe, die dieses Jahr weder den schwächelnden Armeniern, noch von den (in Teamwettbewerben häufig unter Wert spielenden Russen), noch etwa von den durch Gelfands Abwesenheit stark dezimierten Israelis aufgehalten werden kann.
Am morgigen Mittwoch findet die (nicht nur schachlich) brisante Spitzenbegegnung Azerbaidschan-Armenien statt, die letzte Chance, dieser Turnier noch einmal spannend zu machen.

Mir stellt sich immer wieder die Frage: Wie machen die Jungs das? Auch wenn ich schon längst die Hoffnung aufgegeben habe, es jemals nachmachen zu können, so will ich es doch wenigstens nachvollziehen. Betrachten wir folgende Partie, wobei ich jedes Detail vermeiden möchte, sondern nur das selektiv aufzeigen, worauf es mir eigentlich ankommt:

Mamedyarov,Shakhriyar - Postny,Evgeny [D31]
17.ETCC 2009 Novi Sad, Serbia (4.1), 25.10.2009

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sc3 Sf6 4.Sf3 dxc4 5.a4 e6 Eine noch aus Aljechin-Zeiten bekannte Fortsetzung, die in letzterer Zeit wieder etwas mehr in Mode kommt. Einer meiner Berliner Mannschaftskollegen rief nach einer einstündigen Beschäftigung mit diesem Abspiel gar etwas wie "Damengambit ist widerlegt!". Natürlich ist die Sache nicht so einfach, zum Beispiel gewann hier bei der letzten Deutschen Meisterschaft Arik Braun gegen Daniel Fridman mit Weiß eine nette Kurzpartie. Schwarz verzichtet auf eine Entwicklung des weißfeldrigen Läufers vor die Bauernkette und strebt eine schnelle Rochade und Druck gegen das weiße Zentrum vor. 6.e4 Lb4

Mamed1

7.Lxc4?!
Aber das ist sehr selten und wurde nur einmal in einer Großmeisterpartie plus von Anand gegen Rublevsky im Blitzen angewandt. Weiß schert sich nicht um den angegriffenen Zentrumsbauern und treibt einfach seine Entwicklung voran. Wie die Meister der alten Zeiten! Nur dass diese immer im Punkt f7 ein dankbares Angriffsziel hatten. Schauen wir auf die Stellung nach 7...Sxe4 8.0–0 Sf6 9.De2 0–0 10.Td1 Sbd7 11.Td3?! Dc7

Mamed2

Man möge mich eines Besseren belehren, aber ich habe keinerlei Zweifel, dass die weiße Kompensation an dieser Stelle objektiv ungenügend ist. Außer des alltäglichen Läuferproblems hat Schwarz keine Schwächen, eine ordentliche Entwicklung und festen Halt im Zentrum. Aber solche Überlegungen interessieren Zocker wie Mamedjarov wenig. Sein Ziel war es, den Gegner aus der Vorbereitung zu holen - geschafft. Ihn zu verunsichern und Zeit auf der Uhr zu gewinnen - vermutlich auch. Dass Mamedjarov, hier ein großartiges Angriffskonzept aus der Taufe gehoben hat, glaube ich nicht. Allerdings schafft er es, den Gegner reihenweise zu überspielen und die Partie zu gewinnen. Ein kulturell wertvoller oder wissenschaftlicher Zugang zum Schach ist das nicht, aber im Moment durchläuft leider das Schach in meinen Begriffen eine Phase, in der sich die klassischen, edlen, "ausgebildeten" Spieler nicht gegen solche pragmatischen, schachlich geradezu "vandalistischen" Attacken erfolgreich zur Wehr setzen können. Ich warte seit Jahren auf den Tag, wo sich dieser Verhältnisse wieder ändern und wo ein Gelfand nicht in 20 Zügen gegen Gashimov wegfliegt oder ein Adams mit Weiß wieder die Eröffnung gegen Radjabov übersteht. Ich befürchte aber vielleicht, sie kommen gar nicht mehr wieder. 12.Se5 Ld6 13.Lf4 Sd5 14.Lg3 S7f6 15.Tf3 Sh5 16.Txf7 Txf7 17.Dxh5 Tf5 18.Dg4 Ld7 19.Ld3 Lxe5 20.dxe5 Sxc3 21.bxc3 Tf7 22.h4

Mamed

Es hat sich mittlerweile viel getan, aber für mich steht (schwacher Läufer hin oder her) ein gewisser schwarzer Vorteil immer noch nicht in Frage. Nun fing es für Postny beginnend mit 22...c5?! doch mal langsam an, bergab zu gehen, aber das ist hier nicht so wichtig. Ich wollte nur zeigen, dass es im Moment im Schach so ist, dass sich "Dreistigkeit" durchsetzt. Weiß gewann später durch einen Mattangriff.

Schachlich für mich nicht wirklich beeindruckend, aber ich wundere mich und finde es schade oder gar enttäuschend, wie ein so guter Spieler wie Postny einfach nicht mit einer solchen Lage umgehen konnte.

Seit langer Zeit bemerke ich einen teilweise schleichenden, teilweise abrupten Niedergang von Spielern, die einfach glänzende Originale einer "guten alten" Zeit sind, in der ich Schach gelernt habe. Mickey Adams zum Beispiel, für viele ein Elite-Langweiler schlechthin, ist oder zumindest war eindeutig einer meiner Idole. Warum? Einfach wegen seiner kultiviert minimalistischen Einstellung zum Schach. Er hat ein sehr enges Eröffnungsrepertoire, ist kein großer Arbeiter, aber ein sehr sicherer Spieler und ein guter Techniker. Mit Schwarz hielt er sich in der Weltspitze sehr solide, mit Weiß gewann er ab und an mal eine Partie und war ein unauffälliger, bescheidener +1/+2 Bewohner sämtlicher Topturniere. Was er machte, machte er ohne viel Aufsehen zu erregen, aber immer auf die gleiche Weise. Das ist das was man Stil nennt. Eine Eigenschaft, die (leider) immer weniger der farblosen 2700-Eindringlinge mitbringen. Dafür mochte ich Adams und mag ihn auch jetzt noch.

Doch irgendwas hat sich seitdem getan. Die 2730 des Briten sind längst unter die magische 2700-er Grenze abgewirtschaftet, es fehlt die Energie und die Spritzigkeit von damals, der Mann ist durchschaubar und ist auch mit Weiß vor Eröffnungsniederlagen nicht gefeit. Ich wüsste mal gerne, was Adams selbst zu der folgenden Partie sagen würde. Das was ich da sehe, finde ich als ehrlicher Mickey-Fan leider einfach nur traurig. Trotz seiner Aufflackerns beim Europacup in Ohrid (6,5/7) scheint seine Zeit, so sehr ich ihm noch viel Erfolg wünsche, leider einfach vorbei.

Adams,Michael - Radjabov,Teimour [B30]
17.ETCC 2009 Novi Sad, Serbia (2.1), 23.10.2009

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 e6 4.c3 Eine total seltene Mischung eines Lb5- mit einem c3-Sizilianer, die auch trotz einiger klangvoller Namen keinen großartigen Score aufweist. 4...d5 5.De2 a6!?N

Adams

Und hier bereits im fünften Zug die Neuerung! Und eine total pragmatische obendrein! Radjabov scheint sich kaum um die weiße "Drohung" , oder besser gesagt, Ankündigung auf c6 zu schlagen, zu kümmern. Ist das Doppelbauernkonzept etwa überholt? 6.Lxc6+ bxc6 7.d3 Se7 8.c4 Legt sich den Bauern c5 für einen späteren Angriff zurecht, aber mir gefällt das alles aus weißer Sicht irgendwie nicht mehr. Man will Adams irgendwie fragen: "Du weißt aber schon, wer dir da gegenübersitzt?" 8...Sg6 9.0–0 Ld6 10.e5

Adams2

Ich verstehe die Stellung nicht. Vielleicht ist das der beste weiße Zug. Mag sein. Aber ich würde mich weigern, eine Position anzustreben, wo ein Zug wie 10.e5 erforderlich wäre. 10...Lc7 11.Sc3 0–0 12.Sa4 f6! Natürlich. Das mit dem Flügelangriff und der Zentrumsaktion muss ich hier nicht nocheinmal erklären. 13.exf6 Dxf6 14.Lg5 Df5

Adams3

Was haben wir hier zu bieten? Beide Seiten haben etwas unkonventionell gespielt und verfügen über eine Anzahl von Schwächen. Weiß hat seinen "Klebstoff"Läufer frühzeitig abgegeben und muss dafür jetzt den Preis zahlen in Form von weichen weißen Feldern wie d3, f3 oder g2. Die Dame hat notdürftig die Aufgabe des Läufers übernommen. Dass Schwarz, der mittelfristig gute Königsflügelaussichten hat, nicht schon deutlich besser steht, liegt an der etwas besseren weißen Entwicklung und daran, dass er einen Bauern schlagen kann. War Adams hier zufrieden mit dem was er sich selbst aus der Eröffnung hergerichtet hatte? Wohl kaum, denn solche unerklärlichen Böcke wie sein nächster passieren nicht aus guter Laune heraus: 15.Lh4?? Die Großmeister Henrik Teske und Thomas Luther, die auf schach.de live kommentierten, fanden die schwarze Stellung auch so schon besser, hatten aber wie ich große Mühe zu verstehen, was Adams bei diesem katastrophalen Aussetzer geritten hatte. [15.Sxc5 Lf4! (15...dxc4 16.Le3; 15...e5 ist interessant) 16.h4 (16.Lxf4 Sxf4 Hier werden d3 und g2 zu weich.) 16...dxc4 17.d4 Lxg5 18.Sxg5 Sxh4 läuft auch nicht mehr unter dem Label "Ruhige Positionspartie", die Adams seine ganze Karriere zelebriert und sich mit der Wahl von 3.Lb5!? auch für diesen Tag vorgestellt hat, aber genau so hätte er spielen müssen. Fehlende Flexibilität? Nach dem unerklärlichen Textzug ist die weiße Stellung einfach aufgabereif:] 15...Sf4 ... und der d3 bricht weg, und die schlechten Figuren behält Weiß auch noch. 16.De3 Sxd3 17.Lg3 Lf4 18.De2 Tb8 19.Dc2 dxc4 [19...Se5 war auch mörderisch. Was für ein Niedergang des britischen GMs!] 20.Tad1 Lxg3 21.fxg3 Sxb2! 22.Dxf5 exf5

Adams4

und Schwarz gewann nicht in allzu komplizierter Art und Weise. Im Moment besitzt er drei Mehrbauern.

Kurzgefasst, Azerbaidschan wird das Ding gewinnen, obwohl ich die Jungs einfach nicht wirklich mag, verhindern kann ich es wohl eh nicht, und so bleibt es nur, im Falle des tatsächlichen Sieges ihnen den gebührenden Respekt zu zollen. Aber bitte nicht mehr. Mögen werde ich diese Art von Spiel bestimmt niemals.

Die Deutschen... haben diesmal ein ziemlich gebrauchtes Turnier erwischt. Nach einem guten 4-0 Start verlor man gegen die besagten Azeris mit 1,5:2,5 (Georg Meier kassierte gegen Gashimov leider in einer klassischen Plusgleich-Variante eine schmerzhafte Weißniederlage, nachdem er seine vorteilhafte Stellung sukzessive verschlechtert hatte, Jan Gustafsson spielte in Erinnerung der alten Zeiten bei kritischem Mannschaftsstand eine lebhafte, bessere Stellung nicht weiter und machte hier:

Gustafsson, Jan - Mamedov, Rauf
17.ETCC 2009 Novi Sad, Serbia (3.1), 24.10.2009

Gusti1

Remis ) und dann kam man gegen die Griechen nicht über ein 2:2 hinaus, weil Naiditsch am ersten Brett gegen Ioannis Papaioannou diese Überraschung kassierte:

Naiditsch, Arkadij - Papaioannou, Ioannis
17.ETCC 2009 Novi Sad, Serbia (4.5), 25.10.2009

Naiditsch

In dieser eh sehr seltenen Lb4-Variante im Skandinavier (auch wenn Naidisch durch eine Vorgängerpartie seines Gegners hätte gewarnt sein müssen!) folgte die Neuerung 8...Sc6!? Naidisch reagierte nach dem normalen 9.a3 Lxc3 10.Lxc3 Db6 mit dem mir nicht verständlichen 11.De1?! (Stellt schon mal unnötig den armen c2 en prise) 0-0 12.b4?! Nun kam Schwarz mit 12...Le4! einfach mal in den Genuß eines schon recht großen Vorteils (d4,c2 schwach, Einschlag auf f3 droht, schlechte weiße Läufer...) und gewann fast schon deprimierend einfach. Das tut weh.

Beim Remis gegen Polen in Runde 5 verlor Naiditsch für mein Auge erneut ohne große Gegenwehr, aber dafür schlug wenigstens die große Stunde von Georg Meier:


Meier,Georg - Wojtaszek,Radoslaw
17.ETCC 2009 Novi Sad, Serbia (5.7), 26.10.2009

Meier

20.Tfb1 Das Endziel der weißen Initiative ist der Gewinn des Bauern a5. Aber kann sich Schwarz nach dem Textzug nicht bequem entlasten? 20...Sxe5 21.Sc5!! Von wegen, automatisches Zurückschlagen! Meier lässt die halbe gegnerische Armee unter Beschuss schmoren. 21...Sc6 [21...Lxe2 22.dxe5] 22.e3!

Meier2

[Wie mir der Sieger abends auf schach.de mitteilte, gewann auch 22.Lxc6 Txc6 23.Txb5 in ähnlicher Manier, aber hier ist noch Technik gefragt nach 23...Td6 24.e3 Td5 25.Tbxa5 e5 26.Se4 Txa5 27.Sxf6+ gxf6 28.Txa5 exd4 29.exd4] 22...Tb6 23.Lxc6 Tfb8 24.Lf3! Und Georg gewann den anvisierten Bauern und die Partie. Glänzend!

NaiMei
Arkadij Naiditsch und Georg Meier bei der Arbeit (Quelle: Chessbase)

In der bisher letzten Runde 6 war leider eine Niederlage gegen Israel zu beklagen. Trainer Bönsch ließ nach 2 Niederlagen vorne Naiditsch heraus. Die Mannschaft agierte halbwegs fehlerfrei, aber eben so ein bisschen wie immer, mit der berühmten "Nimm du ihn, ich hab ihn sicher" - Einstellung. Als Ergebnis standen 3 (zu) sichere Remisen und eine bittere und auf den ersten Blick total unnötige Endspielniederlage Gustafssons gegen Postny.

So findet sich die deutsche Mannschaft nach 6 Runde mit 6-6 Punkten auf dem mageren 18.Platz wieder, von 5 Spielern notiert nur Daniel Fridman mit 3,5/5 im ELO-Plus. Das Minus der meisten anderen Spieler ist nicht hoch, aber die Niederlagen sind sehr unglücklich verteilt. Ich bin gespannt, wie sie morgen gegen Italien antreten und was das Team noch den Rest des Turniers reißen kann.

Die Hoffnungen der Deutschen liegen genau da. Daran, dass das Frauenteam (als Startnummer 7 sich momentan ebenfalls an Platz 18 befindend) bedauerlicherweise seit Jahren keine vernünftige Hintermannschaft hat, haben sich schon alle gewöhnt, und daran können auch schönrednerische Vorberichte und intensives Läuferendspieltraining leider nichts ändern.

frauen
Also an Elli liegts nicht...(Quelle: Chessbase)

Aber noch sind ja im serbischen Novi Sad ein paar Runden Zeit und ich lasse mich gerne auf jede beliebige Weise noch positiv überraschen.

Hier findet der Statistikfreund alles, was er für sein Glück benötigt.

Und jetzt, wie immer an dieser Stelle ... gute Nacht an alle von Ilja, der optimistisch ist, es ab Donnerstag in Deizisau nicht genauso schlecht zu machen ;-)

Der Schachzoo

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