Kommentierte Partien vom GM-Turnier und ein paar ehrliche Worte
"Lieber spät als nie!", sagte der Mann, legte sich auf die Gleise und schaute dem abfahrenden Zug hinterher.
So auch hier. Das Berliner GM-Turnier ist zwar schon seit fast zwei Wochen Geschichte, aber erst jetzt ist die komplette Nachbereitung erfolgt, in Form einer Kommentierung der 7 bisher unkommentierten Partien (Yemelin, Rabiega, Erdös, Maksimenko, Agopov, Pähtz und Lundin).
Früher (in Hannover von 2002-2005) habe ich so gut wie alle meine Partien ausführlich kommentiert und an die Jugendgruppe verschickt. Danach ist dieser Brauch bei mir aus Zeitmangel etwas in Vergessenheit geraten. Das heißt natürlich nicht, dass ich meine Partie nicht analysiere, aber eine regelmäßige Nachbereitung in "schriftlicher" Form kann für die Einprägsamkeit von bestimmten Ideen ganz schön nützlich sein.
Während dieser Arbeit (eigentlich war es ein großes Vergnügen) habe ich mich erinnert, wie sehr mir dieses bei meiner schachlichen Entwicklung in Hannover geholfen hat. Vielleicht sollte ich dieses Ritual wieder fest in mein Standardtrainingsrepertoire aufnehmen, wobei natürlich die "Ausbeute" aus Open-Partien immer deutlich dünner sein wird, als hier, denn gemäß dem klassischen "Melken-Schütteln-Prinzip" sind die Partien eines Pros beim Open speziell darauf ausgelegt, nicht im klassischen Sinne interessant oder gar spannend zu sein. In diesem Sinne war für mich Berlin schon eine Schach-Oase mit 11 mal mehr, mal weniger spannenden, ausgekämpften Begegnungen.
Jedem aufstrebenden Spieler im 2000-2200er Bereich kann ich aber eine wörtliche, ausführliche Kommentierung seiner "Werke" auf jeden Fall bedenkenlos empfehlen. Am besten natürlich, wenn diese nicht nur auf der eigenen Festplatte verharren, sondern wenn ein Austausch innerhalb einer Gruppe (Mannschaftskollgen oder so) stattfindet. Ich kenne Fälle, wo das mal mehr, mal weniger gut funktioniert. Glaubt mir, wenn da genug Leute mitziehen, kann eine solche Beschäftigung viel mehr bringen, als Skype-Training bei einem der diplomierten "System"trainer, die gerade dabei sind, den Markt zu überwuchern. Oder seht euch auch das entsprechende Kapitel in Yermolinskis "Weg zur Verbesserung im Schach/Road to Chess Improvement" an. Sehr aufschlussreich und fast schon rührend zu lesen, wie der junge Alexander fast von seiner damaligen Schachschule in Leningrad komplett verdorben wurde - und wie er sich langsam mit ehrlicher Arbeit aus diesem Sumpf befreien konnte und sich selbst "auf der Straße" die Skills aneignete, um in den USA jahrelang die Turnierszenerie dominieren zu können. Herrlich!
Ich merke gerade, ich bin wieder viel zu sehr abgeschweift. Noch zwei Bemerkungen zu meinen Beobachtungen, die mir bei der Analyse der Partien aufgefallen sind:
GM-Turnier-komplett-in-pgn (pgn, 43 KB)
Viel Spaß beim Nachspielen!
So auch hier. Das Berliner GM-Turnier ist zwar schon seit fast zwei Wochen Geschichte, aber erst jetzt ist die komplette Nachbereitung erfolgt, in Form einer Kommentierung der 7 bisher unkommentierten Partien (Yemelin, Rabiega, Erdös, Maksimenko, Agopov, Pähtz und Lundin).
Früher (in Hannover von 2002-2005) habe ich so gut wie alle meine Partien ausführlich kommentiert und an die Jugendgruppe verschickt. Danach ist dieser Brauch bei mir aus Zeitmangel etwas in Vergessenheit geraten. Das heißt natürlich nicht, dass ich meine Partie nicht analysiere, aber eine regelmäßige Nachbereitung in "schriftlicher" Form kann für die Einprägsamkeit von bestimmten Ideen ganz schön nützlich sein.
Während dieser Arbeit (eigentlich war es ein großes Vergnügen) habe ich mich erinnert, wie sehr mir dieses bei meiner schachlichen Entwicklung in Hannover geholfen hat. Vielleicht sollte ich dieses Ritual wieder fest in mein Standardtrainingsrepertoire aufnehmen, wobei natürlich die "Ausbeute" aus Open-Partien immer deutlich dünner sein wird, als hier, denn gemäß dem klassischen "Melken-Schütteln-Prinzip" sind die Partien eines Pros beim Open speziell darauf ausgelegt, nicht im klassischen Sinne interessant oder gar spannend zu sein. In diesem Sinne war für mich Berlin schon eine Schach-Oase mit 11 mal mehr, mal weniger spannenden, ausgekämpften Begegnungen.
Jedem aufstrebenden Spieler im 2000-2200er Bereich kann ich aber eine wörtliche, ausführliche Kommentierung seiner "Werke" auf jeden Fall bedenkenlos empfehlen. Am besten natürlich, wenn diese nicht nur auf der eigenen Festplatte verharren, sondern wenn ein Austausch innerhalb einer Gruppe (Mannschaftskollgen oder so) stattfindet. Ich kenne Fälle, wo das mal mehr, mal weniger gut funktioniert. Glaubt mir, wenn da genug Leute mitziehen, kann eine solche Beschäftigung viel mehr bringen, als Skype-Training bei einem der diplomierten "System"trainer, die gerade dabei sind, den Markt zu überwuchern. Oder seht euch auch das entsprechende Kapitel in Yermolinskis "Weg zur Verbesserung im Schach/Road to Chess Improvement" an. Sehr aufschlussreich und fast schon rührend zu lesen, wie der junge Alexander fast von seiner damaligen Schachschule in Leningrad komplett verdorben wurde - und wie er sich langsam mit ehrlicher Arbeit aus diesem Sumpf befreien konnte und sich selbst "auf der Straße" die Skills aneignete, um in den USA jahrelang die Turnierszenerie dominieren zu können. Herrlich!
Ich merke gerade, ich bin wieder viel zu sehr abgeschweift. Noch zwei Bemerkungen zu meinen Beobachtungen, die mir bei der Analyse der Partien aufgefallen sind:
- Bei der Zugauswahl spielt der psychologische Faktor mitunter eine große Rolle. Leider ist der Zugwahlprozess selten so nüchtern, wie etwa eine klare EV-Analyse beim Poker. Zu vieles lässt sich schon eher unter dem Stichwort "übertrieben intuitiv" zusammenfassen. Ich sollte mir wieder etwas mehr konkreten Zugang zu taktischen Stellungen angewöhnen.
- Durch meinen dominanten, quasi schon omnipotenten Trainingspartner Rybka 3 habe ich oftmals das Gefühl, mir selbst die Auffindung von bestimmten Zügen oder Ideen nicht mehr zuzutrauen, die eigentlich objektiv schon für die Kragenweite eines 2500-Spielers bestimmt sind. Dies gilt leider nicht nur während der Analyse sondern auch beim Spiel. Man sollte sich mehr trauen und etwas höhere Ansprüche an sich selbst hegen! Wenn ich mich schon an anderer Stelle über die Demut-Haltung von 2000ern echauffiere im Sinne von "Ich bin ja nur ein kleiner Patzer, so einen Zug kann ich ja nicht finden!", dann sollte ich selbst wenigstens nicht die gleiche Dummheit begehen...
Eines ist aber tröstlich: Taktisch haben meine Gegner zumindest bei diesem Turnier auch nicht viel mehr gesehen als ich.
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Viel Spaß beim Nachspielen!
Kaffeehausschach - Sa, 25. Jul, 08:39





