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Mittwoch, 15. Juli 2009

Die große Abrechnung (II)

Nachdem im ersten Teil einige Worte über mein Abschneiden beim GM-Turnier verloren wurden, gehen wir mal auf die anderen Teilnehmer ein und hangeln uns die Tabelle hoch.


12.Raj Tischbierek (4 Punkte)

konnte man seine fehlende Spielpraxis sowie auch Motivation genauso anmerken, wie auch in einigen Situationen Anzeichen seiner alten Stärke. Vielleicht wäre das Turnier für Raj anders gelaufen, hätte es in der ersten Runde nicht die böse Slavisch-Abtausch-Niederlage gegen Spezialist Rene Stern gesetzt. Die einzige Gewinnpartie gegen Figura war gut, wie auch die Spiele gegen Yemelin und mich. Gegen Robert Rabiega lag wohl zu allem Überfluss noch eine relativ unberechtigte Partieaufgabe vor und gegen Turniersieger Erdös eine nicht geklappte Kaffeehauspartie. Tröstlich allerdings, dass Raj sein Abschneiden stets recht gelassen und humorvoll sah.


11.Jan Lundin (4)

Der Turnierunderdog startete ins Turnier wie die Feuerwehr mit einem Kurzsieg gegen meinen Favoriten Rabiega und einem Sieg aus Gewinnstellung gegen Figura. Danach konnte der Schwede das hoch eingelegte Tempo nicht ganz halten und leider auch keine Partie mehr für sich entscheiden, auch wenn er etwa gegen Elisabeth Pähtz stellenweise recht nahe dran war. Trotz des eingesetzten Abwärtstrends war eine IM-Norm nach 9 Runden kaum mehr zu verhindern, so dass man nur noch auf Lundins 2400 warten muss, um ihm zum Titel gratulieren zu können.
Außerdem ist mein Vereinskollege zusammen mit Atila Figura der Einzige mit keinem negativem Score gegen die Top 4 der Endtabelle und auch der Einzige ohne Niederlage gegen diese 4.


10. Oliver Kurmann (4,5)

Der Schweizer erwischte im Turnier eine regelrechte Achterbahn der Gefühle aber leider ohne ein Happy End. Nach einem 0,5/3-Beginn mit vernichtenden Schwarzniederlagen gegen Maksimenko und Agopov (letztere vermutlich durchaus mit Chancen auf Vorteil) drehte der junge Jurastudent richtig auf und stieß mit einem 3,5/4-Zwischenspurt in die oberen Regionen der Tabelle vor, wobei er mit Rabiega und Tischbierek immerhin 2 GMs mit Schwarz besiegen konnte, auch wenn erstere Partie laut dem Unterlegenen nicht den logischen Ausgang fand. Mit der pokerähnlichen Partie Schneider-Kurmann setzte allerdings für letzteren mit 16...e5?! doch ein Abwärtstrend ein, in Verlaufe dessen er dann auch noch gegen das Pärchen Pähtz/Yemelin verlor. Von seiner Stellung gegen letzteren war Oliver dermaßen angewidert, dass er in Yemelins Abwesenheit die Uhr anhielt und die Formulare unterschrieb um sein Leid zu beenden - ein Gefühl, was ich nur zu gut kenne und einer der niederschmetterndsten Gefühle im Schach überhaupt.
Dafür durfte Kurmann am nächsten Tag bei seinem Remis gegen Erdös als Erster dem Turniersieger gratulieren und brachte sich - nicht zu vergessen - immerhin in ein moderates ELO-Plus. Gute Laune schien der Schweizer, der im Open-Style immer mit einer Tüte zum Spielsaal kam, sowieso fast immer zu versprühen.


9. Atila Figura (4,5)

Atila zeigte sich im Turnierverlauf wie erwartet, als relativ solide und zäh. So konnte er gegen Lundin, mich, Kurmann und Yemelin hochverdächtige Stellungen noch zum Remis retten, gegen Elli Pähtz gelang im gar zum großen Ärger seiner Kontrahentin (Turnierteilnehmer, Veranstalter sowie Uwe Bönsch mussten den tröstenden Onkel spielen) aus strategischer Verluststellung sein einziger Sieg. In der dramatischen ersten Runde sah Atila allerdings bei seiner Niederlage gegen Mikael Agopov, genauso wie beim wehrlosen Auftritt gegen Maksimenko in Runde 10 gar nicht gut aus. Leider reichten dem jungen Kreuzberger im Gegensatz zu Lundin die zwischenzeitlichen 4/9 nicht zu einer IM-Norm, da gerade die fehlenden zwei Gegner (Maksimenko und Stern) eine zu hohe ELO-Zahl aufwiesen. Pech für Figura, aber er betonte stets gelassen, es komme ihm nicht auf die Norm an und mit seiner Spielstärke wird er es irgendwann sicher schaffen. Außerdem konnte sich Atila sein Erfolgserlebnis beim Chess 960 holen, als er vor versammelter Mannschaft (Maksimenko gegen Rainer Polzin und Lars Thiede ausgetauscht) den 2.Platz hinter König Rabiega belegen konnte.


8. Mikael Agopov (5)

begann das Turnier super mit 2,5/3, wobei die Partien eindeutig den Eindruck hinterließen, dass das Mittelspiel und nicht die Eröffnung den starken Part meines neuen finnischen Mannschaftskollegen darstellt. Die GM-Norm schien nicht unmöglich aber gegen das Gespann Pähtz/Yemelin/Erdös, gegen das einige Teilnehmer nacheinander antreten mussten, wurden allerdings die Eröffnungsungenauigkeiten nicht mehr verziehen und es folgte eine bittere lange Rochade. 3 Kampfremisen mit verpassten Chancen folgten, bevor sich Mikael mit einem äußerst glücklichen Sieg über Lundin wieder auf 50% hieven konnte. Es konnte somit noch alles gut werden - wurde es aber nicht, denn Rabiega wartete in der letzten Runde mit seinem berühmten c3-Sizi und gleichzeitig seiner energischsten und besten Turnierleistung auf und fegte Mikael vom Brett. Unterm Strich bleiben 5/11, viele schöne Momente, aber auch einige verpasste Chancen. Der immer selbstkritsche Mikael (zumindest wie ich ihn erlebt habe) war mit seiner Leistung eher weniger zufrieden.


Ich merke gerade, dass die große Zusammenfassung doch ausgedehntere Züge annimmt, als ich dachte. Da wir ja als Kinder auch nicht alle Süßigkeiten auf einmal aufnaschen durften, folgt hier eine Trennung und wir machen morgen mit den nächsten Tortenstücken weiter.

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