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Freitag, 10. Juli 2009

Schneider-Kurmann zum Download

, sogar mit recht ausführlichen Anmerkungen versehen. Nein, hoch was das beidseitige Niveau nicht unbedingt.
Viel Spaß!

Schneider-Kurmann (cbv, 5 KB)
Schneider-Kurmann1 (pgn, 3 KB)

Wie im Poker

Nachdem meine Vorbereitung gegen Oliver Kurmann in etwa so konfus verlaufen war, wie vorher die Essenbestellung im Cafe - statt meines unersetzlichen Tomaten-Mozarella-Salats wurde mit ein Berg Rucola, 3 Tomatenscheiben und 2 kleine Berge gebratene Pilze serviert (Insalata Caprese- kann ich den wirklich bestellt haben?), fand ich mich bereits nach etwa 5-6 Zügen von Theoriekenntnissen verlassen beim tiefen Nachdenken wieder. Durch die riesige Menge der vorhandenen Partien in der entstandenen englischen Igel-Variante war es allerdings kaum möglich, wirklich sinnvoll von der Theorie abzuweichen. Die Neuerung erfolgte letztendlich mittels des interessanten 15.De3!?, was ein Opfer auf e6 oder d5 ankündigte. Nach der prompten Antwort 15...Dc5 nach der ich mich mit 16.Td4 verpflichtet sah, die Partie kompliziert zu halten, riss mich nach Kurmanns langem Nachdenken der Zug 16...e5!? absolut vom Hocker. Peinlich zu sagen, ich hatte darauf 17.Sd5 Sxd5 18.cxd5 exd4 19.Dxe7 geplant und völlig vergessen, dass an dieser Stelle 19...Dxd5 mit weißer Aufgabe ging.
Also musste mein Turm wieder zurück und es ging ein Bauer verloren. Für einen bloßen Einsteller hatte sich die weiße Stellung vom Schaden allerdings sehr gut und schnell erholt und ich erhielt Druck in der d-Linie und fantastische Springerfelder. Daraufhin begingen beide Spieler einige gröbere Ungenauigkeiten: 24...f6 von Oliber sollte durch 24...Sf6 !? ersetzt werden, ich hätte nach 24...f6 sofort mit 25.Sxd6 das materielle Gleichgewicht herstellen sollen, statt zu versuchen, die Stellung mit 25.La3? weiter zu verstärken. Nach dem guten 25...g6! (wie 16.Td4!? - guter Zug aus falschem Grund - wie beim Poker ein schlechter Downcall) 26.Kf2 hätte Kurmann noch durch das sagenhafte 26...f5! Ausgleich + einstellen können. Mein König auf f2 ist erhält nun leider in einer Variante in der f-Linie ein tödliches Schach (nach 27.Lxd6?? fxe4 28.Lxf8 Txf8 (Schach!) und 0:1, wie bereits von Halbamateur richtig festgestellt. Kurmanns 26...Kf7? leitete dann das Ende ein, eine richtige Chance auf Entkommen gab es nicht mehr, wobei das Zeitnot-31...a5? die Sache nochmal vereinfacht hatte. Der Sieg etwas unverdient aber ich nehme ihn mit.
Vorhersage: wrb. Oliver erwies sich als taktisch etwas anfällig, aber bestätigte meinen ersten netten und sympathsichen Eindruck. Wie auch die Blitzbegegnung war die Partie bei Weitem nicht auf hohem Niveau.

Heute geht es mit Schwarz gegen meinen neuen Mannschaftskameraden Mikael Agopov endgültig in den Turnierschlussspurt. Bedingt durch die gestrigen Ergebnisse (alle Remis) bin ich jetzt nun auf dem geteilten dritten Platz nun doch noch in der Lage, einiges zu verlieren zu haben. Ich werde versuchen, dies zu verhindern.
Morgen also das nächste Update, natürlich auch mit den Ergebnissen vom heutigen stark besetzten Chess960-Turnier.

Und in Berlin ist es immer noch sonnig, viele Grüße also.

Ilja-denkt-nach


P.S. DIE Partie des Tages war natürlich das Patt in 12 von Elli Pähtz gegen Raj Tischbierek.

Als selber gebranntes Kind (habe die gleiche Aktion schon im Jahre 1998 gegen meinen Freund Jan Hendrik de Wiljes durchgezogen) bin ich nicht geneigt, die beteiligten Akteure mit besonderer Härte zu verurteilen. Dabei würde im Vergleich zu den diversen anderen Kurzremisen/Eröffnungsdauerschachs mit Sicherheit mit zweierlei Maß gemessen werden. Auch gutgemeinter, dahingehender Idealismus hat im Schach keine Zukunft. Sonst landen wir schnell beim Schiri in Gibraltar, von dem erzählt wurde, dass er in einer Partie sich gegen eine Zugwiederholung aussprach, mit der Meinung, beide Partner könnten von der Stellung her problemlos weiterspielen. Das geht ganz eindeutig zu weit. Bevor sowas ein einziges Mal in meiner eigenen Partie passiert, bin ich bereit alle abgesprochenen Kurzremisen dieser Welt zu akzeptieren.
Eine ganz andere Frage ist es, ob sich die Spieler selbst einen Gefallen damit tun, auf diese Weise ihre Partie zu beenden. Wie gesagt, mit mir als Turnierleiter gäbe es vermutlich aus o.g. Gründen grade noch keine Konsequenzen, aber ich akzeptiere auch, dass es Menschen geben könnten, die den Sachverhalt anders sehen als ich. Und Spieler nicht als Spieler betrachten, die mit ihren Figuren das anstellen dürfen, wonach ihnen ist, sondern als Repräsentanten unseres Sports, die dessen Ansehen durch eine solche Aktion unwiderruflich in den Schlamm ziehen. Muss aber wirklich jeder für sich entscheiden. Suum cuique!

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