[>>]

Montag, 6. Juli 2009

Endlich Kaffeehausschach!

Die heutige Partie gegen Atila Figura hat den trotz Wochenbeginn zahlreichen Kiebitzen echt was geboten. Nach Atilas Neuerung 13...Sh5!(statt 13...Sd5) bin ich zunächst fast vom Stuhl gefallen. Nach der Rückkehr auf den Boden der Tatsachen erkannte ich, dass mir einige ruhige und eine Kaffeehausfortsetzung 14.Sb5!? zur Verfügung standen. Ich wählte diese und konnte sogar den in dieser Tromp-Variante chronisch schwachen Bauern f4 einsammeln. Dazu musste mein Springer b1 innerhalb von 15 Zügen 10 mal ziehen! Atila agierte allerdings immer sehr sicher und erlangte in der a-Linie typisches Gegenspiel. Den Bauern musste ich wieder hergeben, hätte aber mit 22.exd5 ein marginal besseres Endspiel erzielen können. Nach meinem 22.Ld3?! stattdessen hatte er Vorteil und ich eine passive aber haltbare Stellung. Ich war moralisch allerdings etwas down und freute mich sehr, dass Figura meine Standfähigkeiten nicht weiter austesten wollte und sofort Remis durch Dauerschach anstrebte.
Sehr gut und kreativ gespielte Partie von Figura, was meine
Vorhersage: weis beinahe wertlos erscheinen lässt. Figura war schlecht vorbereitet (in dieser Stelung reichen 13 Züge im Normalfall nicht) aber dafür sehr kreativ aber auch wenig zäh als erwartet.

Mit 2,5/4 bin ich allerdings weiterhin voll im Soll und freue mich auf die Nr.4 der Liste Andrej Maksimenko, der im Moment bei soliden 2 Punkten notiert. Bei einem Remis würde ich von einer super ersten Halbzeit sprechen. Morgen an dieser Stelle hoffentlich gute Neuigkeiten.

An alle Leser weiterhin viele Grüße aus Berlin.

IMGP0834

P.S. Wenn ich es schaffe, gebe ich die heutige Kaffeehaus-Partie morgen beim Frühstück in einem der umliegenden Kaffeehäuser doch noch ein und poste sie an dieser Stelle kommentiert.

P.P.S. Was mir hier so nebenher auffällt:

a) trotz Sofia-Regeln findet jeder seinen Weg zum Remis. Also wann ich zum letzten Mal 2 mal hintereinander Dauerschach hatte, fällt mir nicht ein. Und ich bin nicht der einzige Betroffene.

b) Increment schützt nicht vor Zeitnot. Aber ich muss zugeben, gegen Rabiega war ich einmal froh mit Aufschlag zu spielen.
(Für dich, SHL!)

c) wenn man nicht gerade Viktor Erdös heißt, hat man hier bisher als GM bisher keine allzuhohe Gewinnerwartung.

Eine Seeschlange für den Zoo

So, nachdem die technischen Probleme gelöst sind (nicht nur in der bereits großes Interesse geangelten Rabiega-Partie!) habe ich die Gelegenheit, Zeit und Muße für eine erste Wasserstandsmeldung vom
GM-Turnier aus der Hauptstadt.
Die meisten vorherigen Lobhudeleien erwiesen sich als relativ stichhaltig. Viele Zuschauer, ein nettes Teilnehmerfeld und ein recht angemessenes Ambiente und natürlich die öffentlichen Vorführungen der Partien durch die Spieler (einfach genial!) So macht Schach Spaß! Trotzdem ein paar kleine zusammenhangsloge Kritikpunkte (so für das nächste Mal oder so:)
  • ein bisschen eng
  • am ersten Tag Luft im Zuschauer/Kommentarraum relativ unbrauchbar
  • über die Auslegung der durchaus Anklang findenen Sofia-Regeln kann man noch lange diskutieren
  • Catering kommunistisch angehaucht (entweder Trinkgläser oder Getränke vorhanden, selten aber beides gleichzeitig (erinnnert mich an einen alten Witz: "Willst du nach dem Tod lieber in die West- oder Osthölle? "Natürlich Ost!" "Warum denn?" "Naja, entweder ist keine Kohle da, oder es fehlt der Feuerzünder oder die Teufel sind bei der Parteiversammlung.")
  • Das Turnier findet nicht in der Berliner Reichstagskuppel statt und die Teilnehmer müssen nicht in Badehose/Bikini spielen, wie es von einigen Beobachtern der Szene vorgeschlagen wurde.
Kommen wir zum Turnier. Wie vermutlich bereits bekannt ist, läuft es bei mir bisher gut. Erschreckend gut. Für die weniger Informierten hier noch einmal der Plot der Partien im Schnelldurchlauf (eine mehr oder minder ausführlich kommentierte Version kann ich wohl leider erst nach dem Turnier anbieten (aus rein zeitlichen Gründen aber auch um keine unnötigen Reads zu verteilen;-) ).
Ich bitte wirklich, dies zu entschuldigen, aber in den letzten Tagen hatte der Hamster in seinem Rad vermutlich eher weniger Stress als ich.

Runde 1: Vasily Jemelin - I.S. remis

Ohne eine Möglichkeit sich vorzubereiten wählte ich entsprechend der 4 vorher durchgemachten Nächte spontan die 4 (K)Nights Variante im Sizi, da ich mir dort einen Wissensvorsprung dem Gegner gegenüber erhoffte. Die Rechnung ging voll auf, denn Jemelin wählte die harmlose Springerwanderung 12.Se2 13.Sg3, die Schwarz sofort eine harmonische Entwicklung und das aktivere Spiel ermöglichte. Außerdem hatte er nicht mehr viel Zeit. Der Tagträumer in mir behauptet sogar, dass ich mittels 16...Tc8! statt des etwas indisponierten 16...Dc7?! was die Dame nur dem Abtausch/der Fesselung nach D/Lf4 aussetzt sogar hätte gut und gerne auf Gewinn spielen können. Ganz von der Hand zu weisen ist diese These nicht, denn am Tag danach verlor Jemelin, dessen Turnier es bislang wahrlich nicht ist gegen Erdös eine sehr ähnliche Stellung. Nach 16...Dc7 aber ist der hochgeschobene Stein wieder eine ganze Ecke den Berg heruntergerollt und ich bemühte mich, schnell Ausgleich zu sichern, was mittels 18...Se4! auch wunderbar gelang. Eine nette Variante wieder für Tagträumer wäre 19.Sh5 De5 20.Dxe5 Txe5 und nun nach 21.Lf4? Sxc3!! mit Gewinn.
Jemelin ahnte aber die Gefahr, tauschte alles ab, wobei wir vor dem Remisschluss durch die neuen Regeln noch 15 Züge mit den ungleichfarbigen Läufern durch die Gegend ziehen mussten. Ich bin sicher, würde man Kramnik zu einer solchen Aktion zwingen, würde er einem was von einer "Unwürdigkeit dem Schachspiel gegenüber erzielen", wie er einmal begründete, warum er gegen Grischuk im 13.Zug Remis annehmen musste.
Vorhersage: wbb. Das mit der zu ausgelichenen Stellung ohne viel Potential war ein Volltreffer. Aber es war viel leichter als gedacht.


Runde 2: I.S.- Robert Rabiega 1:0

war ein echter Fall für die Zuschauer. Nachdem Robert in der Eröffnung eine objetkiv verlorene Variante wählte, hatte er die Chance, mich mittels des Topalovschen 15...Tc8 auf meine Kenntnisse des scharfen Opferspiels beginnend mit 16.Lg5 Le7 17.Se4!! und +- zu prüfen... nur zur Erinnerung: Kramnik traute sich 17.Se4!! nicht zu :-). Er zog aber 15...De7 und nach 16.Se4 0-0 17.Sxc5 Sxc5 18.Dc3 ist die schwarze Stellung einfach verloren. Dank eines starken weiteren Bauernopfers und einer absoluten geistigen Umnachtung von mir und meinem schwarzfeldrigen Läufer gelang es Rabiega allerdings, einen Bauern zurückzugewinnen und meine Freibauern zu vernichten. Das 3 vs.4 Damenenspiel spielte er dann wieder nicht besonders gut, drehte aber im entstandenen 6-Steiner (D+2 vs. D) mächtig auf und machte mir mit einer hartnäckigen Verteidigung aus Patt- und Dauerschachmotiven das Leben verdammt schwer. Wenn man außer Acht lässt, dass er zu allem Überfluss im 81 Zug mittel Dc3 remis reklamieren konnte, wie von den Lesern bereits bemerkt, fand ich mich allerdings nicht schlecht zurecht und konnte am Ende durch 99.d8D (und nicht L oder so ;-) ) 99...Dxd8 100. g8D nach sechseinhalb Stunden die Kapitulation erzwingen. Mein Gesicht hätte ich aber gerne gesehen, falls er wirkich reklamiert hätte. Oje.
Vorhersage: weib. Überhaupt nicht die Art von Partie, wie ich sie mir vorher vorgestellt hätte.


Runde 3: Viktor Erdös - I.S. remis

Während der Pause saß Erdös mit Kopfhörern am Laptop in der Hotelhalle und bereitete sich vor, während ich die knappe halbe Stunde kaum nutzen konnte, um etwas Luft zu schnappen. Trotzdem gelang es mir, Erdös in der Eröffnung zu überraschen. Mit Chebanenko-Slavisch konfrontiert, wählte er mittels 7.a3 so ein professionelles Suckout-Abspiel, was dem Schwarzen möglichst wenig Gegenspiel einräumen soll. Mehr mit Glück als Verstand gelang es mir dennoch, eine sehr aktive Stellung zu erhalten, wenn auch nur dadurch, dass ich sofort mit dem aktiven 7...a5 entgegnete, was eigentlich nicht so gut ist. Erdös hatte sich aber auch nicht mit der Auswirkung dieser Einschübe auf die Hauptvariante mit 7.Ld3 ausgekannt und spielte "normal", aber dadurch gelang es keinesfalls 7...a5?! zu bestrafen.
Eine richtig gute Chance auf Vorteil ließ ich dann mit 16...Se4?! aus. Erst 16...exd4 17.exd4 und dann erst Se4! wäre klar besser. So konnte er dann sofort ins Remis abwickeln, was aber schon ein gerechter Ausgang der Partie ist.
Vorhersage: weid. Solides Spiel, schwer zu schlagen, am besten nicht in die Vorbereitung laufen, alles absolut richtig. Aber für einen König war sein Spiel etwas zu weich. Siehe 16...exd4.


Heute geht es mit Weiß gegen Atila Figura, der bisher bei 1/3 notiert. Ich darf verraten, dass ich nicht ganz unoptimistisch bin, aber ein Reingucken in die Liveübertragung oder sogar Vorbeikommen beim Spielort wird definitiv aussagekräftiger sein.

Bald neue Updates, auch mit Impressionen und ein bisschen Drumherum, im Moment vertröste ich allerdings auf

Der SchaFzoo

Nur echt mit 0, 2 oder 4 Hörnern

Suche

 

Übersicht

Juli 2009
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 3 
 4 
 5 
 8 
11
12
13
18
19
20
26
28
29
30
31
 
 
 

Zoobewohner

Andrey Orlov

Was ist aktuell los?

Mäh?
Mäh! Was denn sonst? Das zweite Schaf ist doch...
Kevin (Gast) - Do, 10. Dez, 17:33
Witzigerweise habe ich...
Witzigerweise habe ich mir heute "Glennkill" gekauft.
Eis (Gast) - Do, 10. Dez, 17:17
Mäh?
Mäh!
Gast 1 (Gast) - Do, 10. Dez, 16:30
Deutsche Schaf-Tage
Auf vielfachen Wunsch ist heute Tag des Schafs!
Kaffeehausschach - Do, 10. Dez, 16:01
:-) :-) :-) :-) :-) :-)
:-) :-) :-) :-) :-) :-)
Für mehr Schafe (Gast) - Do, 10. Dez, 15:38
SuperBrain?
Erstmal danke an alle erfolgten und noch kommenden...
Kaffeehausschach - Do, 10. Dez, 14:59

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 217 Tagen
Zuletzt aktualisiert: Do, 10. Dez, 17:33

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

Zoobesucher (ab 10.Juni)

Wetter

Aktuelles Wetter in Karlsruhe:


Temperatur: 8 C
UV Index: 0
Luftfeuchte: 78 %
Sichtweite: Unlimited km
Luftdruck: 1011.5 mb
Windstärke: 26 km/h

Weather data provided by weather.com