Meine Kontrahenten (III)
Wir sind nun beim dritten Teil der subjektiven GM-Turnier-Vorschau angelangt. Und somit auch bei den Gegnern, gegen die ich schon wenigstens ein kleines Edge erwarten sollte (hoffe ich mal!)
Besonders freuen würde es mich, wenn ich erfahre, dass eine solche Vorschau einige Schachfreunde mehr dazu angeregt hat, das Turnier persönlich zu besuchen, oder sich die Spiele zumindest im Internet anzusehen. Schach zu spielen, wenn man weiß, dass es jemanden interessiert, fühlt sich für die Akteure nämlich viel besser und spürbar inspirierender an!
- Atila Gajo Figura kenne ich schon lange ziemlich gut. Unser Pensum an offiziell gespielten Schnellschach- und Blitzpartien liegt bei etwa 15. Ich kann mich dabei über den Score auf keinen Fall beklagen (schätze mal 10+x), die letzte verlor ich aber. War allerdings auch bei der DB(lamagen)MM vor anderthalb Monaten. Turnierpartien haben wir aber noch keine gehabt.
Atila spielt konzentriert, zäh, dabei zwar nicht immer besonders kreativ, aber was solls? Die Punkte kommen reihenweise...
Ein Versuch, ihn aus "seinen" Varianten herauszubringen ist genau so hoffnungslos, wie ein solcher, ihn vorzeitig zur Aufgabe zu bewegen.
Der erste Punkt ist der, an dem ich versuchen sollte, anzuknüpfen. Ich kann mir (überspitzt betrachtet) genau ausmalen, wie Atila erstmal für 10 Minuten in tiefes Nachdenken, Kopf zwischen seinen Händen versteckt, abtaucht, wenn ich etwa 1.Sa3 auspacke... aber mal im Ernst. Wenn ich gut und mit Zeitvorteil aus der Eröffnung komme, dann sehe ich schon große Chancen, ihn zu schlagen. Sonst brauche ich mich in dieser Partie mit am allerwenigsten zu wundern, wenn ich am Ende als Verlierer vom Platz gehen sollte. In guter Form kann Atila nämlich jeden besiegen. - Oliver Kurmann ist ein junger IM aus der Schweiz. Mir fällt sein Hang zu scharfem, dynamischem Spiel sehr wohlwollend auf. Lange in Erinnerung ist mir seine Benoni-Schwarzpartie gegen meinen Mannschaftskollegen Arnd Lauber aus Böblingen 2008 geblieben. Hin, her, her und hin und wieder zurück. Ein gewaltiger Schlagabtausch bis ins Endspiel hinein. Am Ende gewann Arnd als besserer Spieler.
Gegen solche jungen Taktikmonster zu spielen ist nie angenehm, was ich schon als tröstlicher betrachte, ist meine Hoffnung, dass Oliver als netter, sympathischer Schweizer, wie ich ihn kennengelernt habe, nicht die tödliche Verbissenheit ans Brett mitbringt, die viele Jugendliche aus den Ostblockstaaten aufweisen. (Am Brett herrscht dann oft so eine gehässige, wenn nicht gar aggressive Atmosphäre, Remisgebote kann man sowieso knicken, der Kampf findet nicht mehr nur auf, sondern auch über dem Brett statt. Das nur nebenbei.)
Demgemäß konnte ich mich gegen Oliver bei unserer bisher einzigen Begegnung bei der DBMM knapp durchsetzen, auch wenn die Partie von beiden Seiten auf sehr schwachem Niveau gespielt worden war. Ich hoffe einfach mal, dass er wieder klappt. - Jan Lundin ist seit 2 Jahren einer der absoluten Zugochsen unserer II Mannschaft. Für seine ELO-Steigerung allein in der letzten Auswertungsperiode um satte 45 Punkte gebührt ihm höchster Respekt, da ich mir auch nicht vorstellen kann, dass ihm sein Job als einer der führenden Köpfe der schwedischen Botschaft viel Zeit und Muße lässt, an seinem Schach zu arbeiten. Beim Schachfestival im Jüdischen Museum rang er immerhin Robert Rabiega und Rainer Polzin (Silber- und Bronzegewinner) relativ leicht aussehende Remisen ab, allerdings verhinderte dann seine Letztrundenniederlage gegen den Deutschen Meister Arik Braun dann doch eine absolute Topplatzierung. 2008 konnte ich den Mann bei der gleichen Veranstaltung allerdings mit Mühe und Not besiegen.
Wer in einer Periode 45 Punkte zulegt, muss zwangsläufig stark sein oder zumindest auf einer haushohen Erfolgswelle schwimmen. Ich bleibe für die kommende Partie allerdings trotzdem verhalten optimistisch - was bleibt mir aber bei einem Unterschied von immer noch 120 Punkten auch anderes übrig?! - Mikael Agopov ist ab der kommenden Saison mein Mannschaftskollege, allerdings hat mir Till schon ein bisschen was erzählt, der mit ihm einige Jahre bei Heidelberg-Kirchheim gemeinsam die Spitzenbretter verwaltet hat. Er ist stark in Eröffnungen und laut Till ein besonderer Connoisseur des Grünfeld-Inders. Da ich aber wirklich noch keinerlei Kontakt zu Mikael oder seinem Schaffen hatte, (habe ihn nur ein einziges Mal bei unserem Schnellturnier spielen sehen) sage ich mal so was Standardgemäßes wie "Es wird bestimmt eine spannende Partie und ich hoffe auf eine gute Form und eine mir wohlgesonnene Zeitnotphase."
Besonders freuen würde es mich, wenn ich erfahre, dass eine solche Vorschau einige Schachfreunde mehr dazu angeregt hat, das Turnier persönlich zu besuchen, oder sich die Spiele zumindest im Internet anzusehen. Schach zu spielen, wenn man weiß, dass es jemanden interessiert, fühlt sich für die Akteure nämlich viel besser und spürbar inspirierender an!
Kaffeehausschach - Do, 2. Jul, 12:58





