[>>]

Samstag, 21. November 2009

Sex Sells. Sells Sex Chess?

Dramatis personae:
  • Schachblogger (S.L.)
  • Lieschen (E.P.)
  • MiBu (M.B.)
  • Kaffeehausschach (I.S.)
  • NEU:Losso/Suizido/SHL
  • und viele andere
Auf dem Schachblog von Stefan Löffler geht es mal wieder um das "ewige Thema". Weiterer Fortlauf und Ausgang der Diskussion komplett offen. Zur Unterhaltung wärmstens empfohlen.

Nachtrag: Wie zu erwarten war, hat nun auch Losso die Narrenkappe übergestreift und sich ins Getümmel geworfen. Fehlen nun nur noch Chev Chelios und Ursula von der Leyen.

Freitag, 20. November 2009

Mittagspause...

...statt Frühstück im Bett um diese Uhrzeit. Ich werde mich umgewöhnen müssen.

Zum Glück wird mir langsam mein Chef immer sympathischer. Er hat zwar noch nie in seinem Leben eine Schachfigur angefasst, verfolgt aber als gebürtiger Ukrainer die Turnierlandschaft unter dem Aspekt ukrainischer Spieler. So war ihm etwa unser 1,5:4,5 vom Europacup gegen Kiev PVK durchaus ein Begriff, ebenso wie die Namen der ukrainischen Spieler oder auch Ivanchuks Mundschutz-Auftritt beim Tal-Memorial in Moskau über den wir uns beide köstlich amüsieren konnten. Genau wie viele anderen User auch, beschwerte er sich über die unübersichtliche Webseite aus Ohrid, auf der er täglich die Ergebnisse nachgeschaut hat. Und da er selbst bald in Ohrid einen Freund besuchen will, hat er auch gleich jemanden zur Hand, der sich auskennt... Klein ist die Welt, oder? ;-)

Doch doch, die paar Wochen Praktikum kriege ich gut rum.

Auf der Schachbundesliga-Seite gibts jetzt neue Lesefrüchte zum vergangenen Wochenende in Emsdetten: Von Timo Sträter und mir.

Und nun zum bald beginnenden Wochenende: Da die Entzugerscheinungen doch zu groß sind, habe ich mich zum Rückfall verführen lassen. Heute abend oder morgen geht es in die Heimat nach Hannover und es wird das gute alte Schneverdinger Schnellturnier mitgespielt.

Über mögliche "finanziell unerwüschte" Begegnungen im hohen Norden oder auch über das, was sonst bei meinem ersten Schnellturnier seit 2 Monaten passieren wird, sowie (wenn nötig) über die Verkehrslage auf der A7 wird hier Anfang nächster Woche genaustens berichtet werden. Oder vielleicht auch schon Samstag Nacht nach dem Blitzturnier. Man möge mir viel Spaß wünschen! ;-)

Soll ich dem HPLC-Gerät von euch Grüße ausrichten?

Mittwoch, 18. November 2009

Kalter Entzug

Wie ja gemeinhin bekannt ist, bin ich nicht nur Chemi... äh, Schachprofi sondern auch Chemiker.
Solange dieser Blog existiert, wurde ich allerdings durchgehend von jenem Ort verschont, der für die meisten meiner Kommilitonen eine Art "alma mater" darstellt, für mich hingegen eher den "Vorhof zur Hölle". Das Labor.

Heute war es wieder soweit. Um 6:20, beim Klingeln des Weckers, welches aus dem unendlichen Jenseits direkt ins Gehirn zu hallen schien, war mein Sprung ins kalte Wasser vollzogen. Bis zum Jahresende warten über 5 Wochen Biochemiepraktikum auf mich. Das letzte Mal Labor, außer der möglichen Diplomarbeit. Aber vorläufig.

Immerhin, ich hatte mir das Wiedersehen mit dem Grauen der letzten 5 Jahre weitaus schlimmer ausgemalt. Die Symptome reichten von schlechtem Gewissen infolge ungenügender Vorbereitung auf die kommende Aufgabe über anhaltende Appetit- und Schlaflosigkeit in den letzten Wochen bis hin zu auschweifenden Selbstgesprächen über den Sinn des Lebens.

Aber wie gesagt, sooo schlimm war es jetzt gar nicht :-)
Mein Chef/Betreuer ist total nett und das, was ich zumindest heute erledigen musste, hat mich beileibe nicht übermäßig angestrengt, wenn nicht sogar ein wenig gelangweilt. Oft musste ich auch einfach herumsitzen und auf weitere Anweisungen warten, wie etwa beim Schach, wenn der Gegner am Zuge ist. An Überarbeitung werde ich da jedenfalls mit Sicherheit nicht zugrunde gehen.

Psychische Langzeitschäden infolge meiner Beschäftigung sind dagegen keineswegs unwahrscheinlich. Denn auch das hochmoderne HPLC-Spektrometer, an dem ich die meiste Zeit arbeiten muss, hat einen deftigen Knall. Alle 5 Sekunden (habe ich nachgemessen!), gibt es ein penetrantes, durchdringendes "Düt-Düt-Düt-Düüüt!" von sich. Der Schalter, der das elende Gerät zum ewigen Schweigen verdammen könnte, ist leider kaputt. Fragt sich natürlich, wozu diese Düt-Funktion überhaupt gut sein soll. Ein Folterwerkzeug?

Jedenfalls, bei einer sechswöchigen Beschäftigung mit dem Gerät, ausgehend von durchschnittlich sechs Stunden am Tag, wird also bis Weihnachten insgesamt etwa 130000 Mal das besagte Geräusch mein Trommelfell durchdringen. Frohe Aussichten! Wenigstens muss ich das Fest diesmal nicht im geschätzten Kreise der Großfamilie feiern, denn einige "Exemplare" bringen diese Anzahl an Wörtern auch gern mal im Laufe eines einzigen Abends heraus. Und da würde man am Liebsten teilweise echt zurück in die Arme des HPLC-Spektrometers fliehen.

Hier ein paar Bilder aus dem Chemie-Zoo:

P1432-01-_18-11-09
Das hochmoderne, aber extrem nervtötend piepende HPLC-Spektrometer


P1444_18-11-09
Eine Reagenzgläserfarm.

P1444-01-_18-11-09
Sooo viele bunte Farben, und alles so ordentlich! Das ist ein Frauen-Arbeitsplatz.

P1445_18-11-09
Beängstigende Apparaturen versperren den Blick in die Freiheit.


Freunde der Sonne! Passt gut auf was ihr studiert.... HEY! Hört auf so laut zu kichern...!!! Seht ihr nicht, dass ich leide?! ;-)

Montag, 16. November 2009

Zwei Mannschaftspunkte, zwei mehr als erwartet

Dank einer guten Mannschaftsleistung konnten wir unverhofft, aber hochverdient zwei Mannschaftspunkte aus Emsdetten entführen. Entgegen meiner Vorschau traten die Gastgeber ohne das "unbekannte Wunderkind" Anish Giri und auch ohne Spitzenmann Mikail Mchedlishvili an, so dass sich an einigen Brettern sogar eine gewisse ELO-Überlegenheit Berliner Seite eingestellt hat, die auch genutzt werden konnte. Also jetzt nicht in meinem Fall ;-). Die von Dennis Breder und mir im Teamwork komponierte "Zucchiniserenade" (in Anlehnung an die bekannten Gurken) wurde hier durch Lossos Bemühungen zwar schon durch die Mühle gezogen, aber hier nochmal, einfach weils so schön ist:

Ilja Schneider - Dennis Breder (BL 2009/10, Emsdetten - Berlin)

Breder1
Einmal hin: 27.Ta7?? Se2+...

Breder2
...und einmal retour: 39...Tb8?? 40.Sc6 (später Remis)

Das nenne ich Niveau!

Nicht so heile davonkommen konnte diesmal Arnd Lauber. Sein sonst solides Caro-Kann wurde vom angriffslustigen Jonny Hector diesmal total schwindlig gespielt. Dafür klingelte es gleich drei Mal im Emsdettener Kasten durch Jan Markos, Mikail Agopov und Lars Thiede. 5:3!

Sonntag hieß es dann angesichts der Wattenscheider Overkill-Besetzung (8 Großmeister über 2500!) dann nur noch: "Rette sich wer kann!" Auch unser Aufstellungstrick (vorne Rainer raus, hinten Dennes rein) funktionierte nur mäßig gut, die Schwarzen hatten hinten immer noch schwer zu leiden, die Weißen machten noch viel weniger aus ihrem Vorbereitungsvorteil. Durch mein recht schnelles, aber durchaus in Ordnung gehendes Remis konnte ich mir das Elend anschließend mit Rainer detailliert ansehen.

Äußerst positiv trat allerdings Martin Krämer hervor, der mit Schwarz scheinbar mühelos den an diesem Wochenende allerdings etwas indisponiert wirkenden Bartolomej Macieja, einen von drei Polen in Wattenscheids Diensten, vom Brett fegen konnte. Damit ist Martin bisher ebenso auf GM-Normen-Kurs wie Arnd, der immerhin ein Remis gegen Evgeny Najer erzielte. Außerdem konnte Mikail Agopov noch dem Wattenscheider Rustemov seinen ersten Punktverlust der aktuellen Saison beibringen, so dass dieser jetzt "nur" bei 4,5/5 notiert. Sonst gingen leider alle Partien spätestens zur Zeitnot bergab, zum 2,5:5,5 - Endstand.

Mit dem Sieg gegen Emsdetten in der Tasche können wir damit aber wirklich gut leben.. :-)

Was es noch gibt? Emsdetten ist schon irgendwie das Ende. Natürlich färbt mein Eindruck auch vom scheußlichen Wetter her (November-Dauerregen), aber die Stadt und auch das Spiellokal sind trotz der Modernheit einfach trist und grau. Was will man auch von einer Schulmensa erwarten?! Für ein norddeutsches Schnellturnier wäre die Lokalität echt ideal, aber für die Bundesliga? Außerdem war es im Spielsaal kalt, im Analyseraum eiskalt (dieser war auch gleichzeitig Eingangsbereich und die Tür stand offen), für einen Gang zur Toilette könnte Marathon-erfahrung nützlich sein, und bei allem Respekt habe ich auch schon bessere Caterings gesehen als heuer. Immerhin stand im Analyseraum ein Krökeltisch, der besonders von den Tegelern schnell, aber auch deutlich lautintensiv vereinnahmt wurde. Zuschauer waren zwar einige da (naturgemäß samstags mehr, sonntags weniger) aber die große Begeisterung für Schach habe ich da nicht erkennen können. Wo gibt's diese aber auch schon? Schachbundesliga als Selbstzweck...
Ich war jedenfalls trotz des insgesamt guten Abschneidens recht froh, als ich da weg war.

Ein großer Bericht mit vielen kommentieren Partien (diesmal auch den mit meiner Beteiligung) erscheint in Kürze wie immer in meiner Bundesliga-Ecke. Lest aber natürlich bitte auch die Kolumnen von Timo Sträter und Michael Hoffmann!

P.S. Die nächste Bundesliga-Runde steigt zum Glück in Berlin-Tegel, wo man sich nun wirklich nicht über mangelndes Zuschauerinteresse beschweren kann.

Samstag, 14. November 2009

Bundesliga in Emsdetten

Durch die gebotene Diskretion (von wegen Vorbereitung und so) konnte der Vorbericht zur 3/4 Bundesliga-Runde in Emsdetten leider nicht vorher gepostet werden. Jetzt aber!

Jedenfalls sind wir mit einer schlagkräftigen Mannschaft im Münsterland angereist (ich bin auch dabei) und sehen gelassen den Duellen gegen die Niederlande und Polen... äh... Gastgeber und Tabellenführer Emsdetten und Wattenscheid entgegen. Heute geht es gegen Emsdetten, die vermutlich mit dem durchaus unbekannten Wunderkind Anish Giri spielen (Mein Mannschaftskollege Martin K. heute beim Frühstück: "Ist das ein Junge oder ein Mädchen? Der hat doch neulich gegen Judit Polgar gespielt!").

Wattenscheid ist natürlich eines der Teams, die man eigentlich lieber am Saisonende treffen möchte, wenn im hinteren Mannschaftsteil aufstellungstechnisch endgültig "Freestyle" angesagt ist, aber auch so rechnen wir uns mit etwas mehr Glück als in Bremen ganz gute Chancen aus. Leider ist seit mehr als einem Jahr unsere treue Seele Wolfram Burckardt nicht dabei, so dass stark zu berfürchten ist, dass der Live-Ticker heute nicht so intensiv gepflegt werden kann, wie es sonst üblicherweise der Fall ist.

Natürlich werden auf www.schachbundesliga.de alle Partien live übertragen, wenn nicht gerade ein Zuschauer wieder über die Leitung stolpert. Garantiert kurzremisfrei obendrein, denn angeblich (in den einschlägigen Foren wird wie immer heiß diskutiert) soll das Vergnügen dieses Mal pro Spieler 300€ kosten, und ab Runde 5 dann endgültig mit 0-0 gewertet werden, auch wenn meine persönliche Meinung ist, dass das bisher lediglich etwas vollmundig seitens der Turnierleitung angekündigt worden ist. Ich muss es aber nicht unbedingt ausprobieren.

Also: SF Berlin die Daumen drücken und reinschauen lohnt sich!

Freitag, 13. November 2009

Wenn man gar nichts mehr zu tun hat...

... und selbst auf dem Chesster-Server Windstille herrscht, dann muss man eben auf andere Betätigungsfelder ausweichen. Das hier etwa ist zwar noch deutlich weniger sinnvoll als Chesster, aber weckt in einem die Grabesstille der meisten Turniere gewohnten Schachspieler tief verborgene, ungestillte Sehnsüchte auf. Zumindest ist es bei mir so. Lautsprecher voll aufdrehen und Musik ausschalten nicht vergessen!

Suchtgefahr: weik

P.S. Fragt mich bitte nicht, wie ich das gefunden habe.

Dienstag, 10. November 2009

Genial!

Hurra! Ich habe meine Lebensmission gefunden. Ich werde Chesster-Profi. Jetzt fragt ihr euch vermutlich, was Chesster ist? Ganz einfach:

chester

Jawoll, ein kleines, exquisites 5x7-Schach mit jeder Figur einmal vertreten. (Der König ist der Typ mit den drei Zacken, seine Dame steht daneben).
Ich habe jetzt ein paar Partien gespielt (an die 10, leider waren die meisten Gegner keine richtigen Winning Player). Was gibt es hier für Unterschiede zum normalen Schach?
  • Es gibt kein en passant, das hätte mich auch fast eine Partie gekostet.
  • Rochade: König c1-b1 (c7-b7), Ta1-c1(a7-c7). Sorgt oft für Irritation und ist nicht besonders oft nötig.
  • Chesster kennt keine ungleichfarbigen/ falschen Läufer!...
  • ...und leider auch keinen Zugzwang. Wer nicht ziehen will, der zieht nicht, und wartet, bis die Zuguhr abgelaufen ist. Dann ist wieder der Gegner dran. Geht aber nur einmal, danach ist doch verloren.
  • Die FIDC (Federation International De Chesster) ist genau so fortschrittlich, wie die FIDE und hat ebenfalls Increment eingeführt. Gibt's aber nur fürs Schlagen von Figuren, so dass die Zeit doch begrenzt ist. Finde ich sehr interessant.
  • Achso, die Umwandlung ist allerdings nur in eine Dame möglich, was natürlich besonders die Frage nach einem möglichen Patt aufwirft, die ich noch nicht geklärt habe. Oder die Frage, was passiert, wenn plötzlich doch mal ein weißfeldriger Läufer auf der Bühne erscheint. Dieser könnte aber mit 17 Feldern ein Feld weniger betreten, als seine natürlichen Collegas.
Wem zu dem Thema noch etwas einfällt, der darf sich gerne melden. Genauso zu der Frage, welcher Zug am Anfang der beste ist. Ich habe bisher immer mit 1.c4 oder 1.d3 eröffnet. Schwarz hat man hier selten, denn zur Farbwahl muss man in einer vorgegebenen Random-Stellung schneller ein Schach finden als der Gegner. Durch eine Bullet-Erfahrung von etwa 13000 Partien ist mir das in den meisten Fällen gelungen ;-).

chester3

Das war noch eine der knapperen Geschichten. Ob Schwarz da trotz seiner Minusfigur nach dem Damentausch nicht ganz gut eine
Festung bauen kann?

Achja, wo es den Spaß gibt? www.king.com. Im Prinzip so eine Kinderseite, wo man mit entsprechender Werbung zugespammt wird. Wer sich das aber trotzdem auch antun will: Viel Spaß, psammo ist mein Nick!

P.S. (21:23) So, womit auch das letzte Rätsel geklärt wäre. Patt=Matt. Erleichtert die Gewinnführung bei Dame gegen Turm relativ stark. Ich fühle mich gerade aber trotz meiner ersten verlorenen Partie (Der Gegner war aus Holland und spielt auch normales Schach ;-)) trotzdem als moralischer Sieger!

Montag, 9. November 2009

Insomnia eines Seeadlers

Heute langweile ich euch mal.

Ilja Schneider (2496, W'dorf) - Valery Atlas (2427, Hohenems),
Staatsliga Österreich 2009/2010 (3)

Langeweile
  • Das ist die Partiestellung nach 17...Dxd4.
  • Das ist, wie ihr euch auch mit Sicherheit gedacht habt, kompletter Ausgleich.
  • Das Schlimme ist: Das ist meine Vorbereitung.
  • Noch schlimmer ist es, dass meinem Gegner diese Stellung als
    Variante aus einer eigenen Partie bekannt war.
  • Das Allerschlimmste ist allerdings, dass mir das alles auch klar war.
  • Oder auch, dass ich mich trotzdem nicht einmal hier richtig "auskannte".

Kennt ihr das? Man bereitet sich lang und intensiv vor. Man dreht und wendet buchstäblich die gesamte MEGAbase auf links, auf der verzweifelten Suche nach einem "Plus-Gleich" für Weiß oder einem "Gleich" für Schwarz. Man kann sich nicht entscheiden, immer wieder wird der Dossier-erstellte Baum mit den gegnerischen Partien noch und nochmal durchgeklickt, am Anfang noch motiviert, am Ende geschehen die Klicks schon fast mechanisch, scheinbar ohne jeden Zusammenhang zu den Figurenbewegungen auf dem Brett. Die Varianten brennen sich in die Augen wie Sandkörner, man kann sich nicht entscheiden, alles Sch... und man geht ohne eine Lösung gefunden zu haben, "schlafen".

Nach dem "Aufwachen", oder besser gesagt Aufstehen oder Aufquälen (geschlafen hat man ja nicht wirklich, denn die schwarzweißen Springer und Läufer, Türme und Bauern können sich gegenseitig ja auch mit geschlossenen Augen nicht in Ruhe lassen und das vergossene Holzblut verursacht auch nach dem Zubettgehprozess ein Brennen in den Augen, dass an zusammenhängenden Schlaf nicht mehr zu denken ist! ) stellt man also total überrascht fest, dass in den zur Runde verbleibenden 40 Minuten (danke Null-Toleranz!) aus dem großen morgendlichen Tätigkeitspool, der u.a.
  • Duschen, Beißerchen putzen...
  • Frühstück
  • etwas Ordentliches zum Anziehen finden
  • weiter vorbereiten
  • noch ein bisschen chillen
  • ...
umfasst, längst nicht mehr alle Punkte zeitgerecht abgearbeitet werden können. Man entscheidet sich also für Fisch (Rybka) zum Frühstück, duscht 3 statt der sonst präferierten 30 Minuten (Gott sei Dank braucht der Rechner so lange zum Hochfahren!) und hängt sich, badetuchbekleidet wieder vor den Monitor, genauso wie etwa schlappe 5-6 Stunden zuvor. Entgegen des volkstümlich weit verbreiteten Irrtums

"Morgenstund' hat Gold im Mund!"
(Definitiv kein Zitat von Dennes Abel!)


kommt die sehnlichst erwartete rettende Idee auch morgens nicht, also greift man sich etwas raus, wo das blöde Rybka so um die +0,37 Vorteil anzeigt (Zeit, herauszufinden warum das so ist, hat man dann definitiv keine mehr!), klappt das Notebook wieder zu, findet in der Eile nur noch die Socken vom gestrigen Tage und verlässt fluchtartig das Hotelzimmer, um noch pünktlich am Brett zu sitzen.

An guten Tagen schafft man es dann noch, am Frühstücksbuffet en passant, etwa so im Stile eines Seeadlers ein Glas O-Saft abzugreifen. Oder wenn es Croissants gibt, dann auch ein Croissant oder zwei.

Sonntag war leider kein guter Tag. Seit den Zeiten der türkischen Besatzung ist in Jenbach anscheinend leider kein einziges Croissant übriggeblieben, nicht mal ein ganz kleines für den Zoodirektor. Ich hätte aber auch eh fast keine Zeit mehr gehabt, es zu essen. So kann man natürlich nicht gut Schach spielen. Wer weiß, sonst hätte ich vielleicht in dieser Stellung:

Langeweile

nach 18.Tae1 (Rybkas Vorschlag, droht auf a8 zu nehmen!) 18...h6 (durchaus möglich auch sofort 18...Tad8) sogar noch alle Kräfte mobilisiert und das teuflische 19.b3!? gefunden (ich zog 19.Db3?! wonach a5! kam, und wirklich gar nichts mehr los war). Nach 19.b3 erschien uns beiden auch hier 19...a5? als die richtige Antwort, dann kommt allerdings 20.Td1! und Weiß gewinnt überraschend in allen Varianten einen Bauern oder verbleibt mit einem sonstigen strukturellen Vorteil. Hätte man durchaus mal probieren können.

So wie es kam, macht die Partie dagegen einen durchaus lächerlichen Eindruck, und ich verrate euch ein Geheimnis: Sie ist es auch.

Ein paar Bilder aus Jenbach:

P1228_07-11-09
... wo die Welt zweifelsfrei noch in Ordnung ist.

P1229_07-11-09
So eine Aussicht ist in dieser Gegend einfach an jeder Ecke. Man muss einfach mal sein Schachspielerköpfchen vom Brett oder vom Monitor abheben! Richtig zum neidisch werden manchmal ...

P1237_07-11-09
Bald ist Weihnachten, Freunde! Eure Towarischtschi aus Ohrid hoffen sicher mit euch!

Ilja-Oesti
Die Schwarzpartie gegen Philipp Schlosser kommentiere ich noch bei Gelegenheit. Wenn die Angewidertheit wenigstens etwas abgenommen hat ;-). Insgesamt waren meine 1,5/3 so ziemlich ELO- und leistungsgerecht.

Samstag, 7. November 2009

Nanu?!

Immer müssen diese "Ich-habe-einen-kilometerlangen-Bericht-getippt-aber-vergessen-ihn-zwischenzuspeichern-und-jetzt-ist-er-weg-"Aktionen nachts um 3 passieren... ;-). Ich lerne einfach nicht dazu. So ein Pech aber auch...

Dafür war ich in meiner Partie heute weniger mit Pech als mit dem Glück gesegnet, den vorletzten Fehler begangen zu haben. Mein Gegner hieß Nanu und entsprechend wunderte er sich sichtbar über sämtliche meine Züge. Ich aber auch die meiste Zeit über seine. So entstand ein superscharfes Trompowsky-Gefecht, welches in seiner Schärfe schon an Coloradische Verhältnisse heranreichte, in dem beide Spieler miteinander in Sachen Fehler und Ungenauigkeiten wetteiferten. Allerdings war die Stellung wirklich sehr schwer korrekt zu handhaben, ohne Computer ist man oftmals recht aufgeschmissen.
Richtig "Nanu?!" machte ich aber in dieser Stellung:

Ilja Schneider (Wulkaprodersdorf) - Ciprian Costica Nanu (Styria Graz), Staatsliga 2009/2010 (1)

Nanu
Nach 24.Lf3-h5? Korrektur: DIe schwarze Dame steht natürlich auf a6, nicht auf a5. Wie dieser Fehler passieren konnte, ist mir total unklar.

Er hat einen Bauern mehr, aber einen hängenden Turm. Statt des sicheren 24...Td8! mit schwarzem Vorteil entschied er sich, dass nichts gegen das Verspeisen des nächsten Bauern mit 24...Txe3?? sprach. Damit landete aber der Turm auf dem Abstellgleis und der andere war mit der Verteidigung der Grundreihe total überfordert, ohne dass die Dame oder der Sh2 irgendwelche Aufgaben erledigten. Nach einem kurzen "Nanu?!" mit folgendem 25.Tg8! machte der rumänische IM noch ein paar sinnlose Züge, hätte aber auch schon hier aufgeben können.


Die volle Partie zum Download gibt es unten. Ich habe versucht, sie zu analysieren, wobei hier die Betonung wirklich auf dem Versuch liegt. Selten eine der Analyse so schwer zugängliche Partie produziert... "Unklar"-Zeichen säumen das Bild. Wobei sich niemand gehindert fühlen sollte, bei vorhandenem Interesse tiefer in die jeweilige Materie einzusteigen, als ich es mit meinen "unklar" getan habe... viel Spaß! Ich will jetzt jedenfalls schlafen. Da ich nicht denke, dass ich es im Laufe des morgigen Vormittags schaffen werde, einen allgemeinen Flashmob zum Boykott gegen die Nullkarenz-Regel (unter den Spielern etwa so beliebt, wie Fußpilz) zu organisieren, bei dem dann folgerichtig alle 72 Akteure im Raum genullt werden müssten, werde ich wohl oder übel eine schwere Schwarzpartie gegen GM Philipp Schlosser (Jenbach) austragen müssen. Wenn ich da nicht ausgeruht bin, heit es schnell: gute Nacht!

Nanu (cbv, 6 KB)
Nanu1 (pgn, 6 KB)

Freitag, 6. November 2009

Ab heute Österreich gucken!

Gleich geht es für mich aus München nach Jenbach zu meinem ersten Engagement in der Österreichischen Staatsliga. Mein Verein heißt ASVÖ Wulkaprodersdorf. Am Wochenende stehen drei Begegnungen an, wobei die Liveübertragung aus unserem Nachbarland traditionell eigentlich immer sehr gut funktioniert. Von daher einfach mal vorbeischauen!
Vor Ort, wie einfach mal von Stefan Löffler vollmundig versprochen, weitere Berichte, natürlich wie immer bedingt durch angemessenen WLAN-Empfang.

Bis dann!

P.S. Auf Colorado werde ich aber zum Einstand vermutlich leider verzichten müssen. Dafür sind mir die Ösis zu konservativ ;-)

Donnerstag, 5. November 2009

Was Heiteres (XIII), Guten-Morgen-Kuss

Morgens kurz nach 6 klingelt das Telefon. Ich, leicht desorientiert: "Ja? Schneider! Hallooo?" Am anderen Ende eine zögerliche, junge, nicht unsympathische Frauenstimme: "Tut mir leid,.. ich bin da wohl dagegengekommen!"
Ich so: "Alles klar, Süße! Schlaf gut!" und aufgelegt.

Bis mir dann (anhand der Anrufliste) aufging, dass es nicht "Süße" war, sondern das Mädel, wo ich gestern wegen einem WG-Zimmer angerufen hatte. Ob das klappt?

Mittwoch, 4. November 2009

Eine überaus trendy Partie

Dass es dieses Jahr in Deizisau durchaus nicht nur glatt lief, soll meine folgende Partie aus der dritten Runde gegen den jungen Paul Bogenschütze bezeugen. Ich möchte gerne demonstrieren, wie wichtig es ist, genaustens auf Trends und Schlüsselmomente zu achten, und dass so ein negativer Trend, erstmal Fahrt aufgenommen, so stark und intensiv sein kann, dass er sich gerne mal über eine 400 ELO-Punkte-Differenz hinwegsetzen kann. Trotz der oberflächlichen Einfachheit ist dies eine Partie, aus der ich sehr viel gelernt habe.

Schneider,Ilja (2500) - Bogenschuetze,Paul (2067) [A45]
Deizisau op 4th (3), 30.10.2009

1.d4 Sf6 2.Lg5 d5 Weiß hat eine extravagante Eröffnung gespielt und Schwarz darauf klassisch gekontert und ausgeglichen. Das kann man bereits an dieser Stelle so sagen. Mit seinem nächsten, ziemlich unbedachten Zug leitet Paul allerdings einen furchtbaren Trend gegen sich ein. 3.e3 h6? Dieser Zug kam sehr schnell. Mein Gegner begründete ihn in der Analyse in etwa mit: " Ich war mir nicht so sicher und wollte erst einmal die Verhältnisse klären." Das hat er zwar geschafft, aber er spielt von nun an die normale Variante mit einem glatten Minustempo weiter. Zusammen mit der einhergehenden Schwächung des Feldes g6 (wird später wichtig!) kann man durchaus sagen, dass Schwarz statt 3...h6? lieber einfach "gecheckt", also ausgesetzt hätte. 4.Lxf6 exf6 5.g3 c6 6.Lg2 Sd7 7.Se2 f5 8.Sd2 Sf6 9.0–0 Le7?! Bisher hat er alles "linientreu" aufgebaut, aber der L gehört in dieser Variante auf die Diagonale b8-h2. Dort verhindert er das Erscheinen eines Springers auf f4, so dass sein anderer Läufer auf e6 Stabilität genießt. [9...Ld6 10.c4 dxc4 11.Sxc4 Lc7 12.Dc2 Le6 und der Kampf steht noch bevor.] 10.c4 dxc4 11.Sxc4

Bogen1

11...Le6
[Rybka findet an 11...g5!? zumindest oberflächlich nichts falsch. Damit könnte man immerhin versuchen, 3...h6 zu rechtfertigen.] 12.Dc2 0–0 13.Sf4 Hier fühlte ich mich total wohl. 13...Sd5? Das erzeugt deutlich zu viele Schwächen. Besser wäre hier [13...Lxc4 14.Dxc4 Ld6 15.Sd3 aber Weiß hat hier auf jeden Fall einen mittelgroßen Vorteil, da er einzige der beiden Spielpartner ist, der über einen sinnvollen Plan verfügt, nämlich einen Minoritätsangriff am Damenflügel.] 14.Sxe6 fxe6 Schwarz hat nun eine Menge weicher weißer Felder in seinem Lager - in allen Hinsichten eine Folge seines nachlässigen dritten Zuges.

Bogen2

15.Tac1
[15.e4! So ein dynamischer Zugang wird in Partien gegen deutlich wertungsschwächere Spieler oftmals vermieden - warum sich auch unnötigen Risiken aussetzen, wenn es auch "so" geht? Diese Denkweise ist für die Kreativität eines Spielers ganz schön gefährlich. Man sucht einfach nicht nach objektiv den besten Zügen, dabei kommen Momente, wo eine solche "scharfe" Lösung absolut vonnöten ist, weitaus häufiger vor, als man es gern hätte. Diese Partie bildet dabei keine Ausnahme. 15.e4! hat hier den Vorteil, das es dem Gegner keine Atempause gönnt. 15...fxe4 16.Dxe4 Weiß visiert schnell alle Schwächen an, der e6 wird fallen, der schwarze König friert. Noch ein Fehler und Schwarz wird gnadenlos überfahren.] 15...Lf6 Durch den Druck auf d4 und die Räumung der e-Linie ist jetzt an einen e4-Break nicht mehr sinnvoll zu denken. Also langsam voran. 16.a3 Kh8 [16...a5 17.e4! Keine Regel ohne Ausnahme! Hier kann der Springer nicht nach b4 und Weiß darf sich den Vorstoß doch leisten.] 17.b4 Sb6 18.Sa5 De7 [18...Tf7 ist etwas ökonomischer, natürlich hat Weiß auch dann großen Vorteil.] 19.Dc5! Tf7

Bogen3

Das ist der Schlüsselpunkt der Partie. Der Trend nach 3...h6 hat sich sehr vorteilhaft für mich entwickelt und auch, wenn die Chance 15.e4! ausgelassen worden ist, gingen mir die bisherigen Züge leicht von der Hand. Mein Gegner war die ganze Zeit mit seiner Entwicklung und dem Parieren meiner Drohungen beschäftigt, machte einige Fehler und konnte bisher überhaupt kein eigenes Spiel aufbauen. Weiß hat klaren Vorteil. Aber an diesem Punkt tritt ein Bruch ein. Um weiterzukommen, ist an dieser Stelle ein mittelintensives Nachdenken, gefolgt von einem Springereinschlag auf b7 nötig. Das ist fast keine Frage von Geschmack oder Stil, es MUSS einfach sein. Ich war dazu aber aus unerklärlichen Gründen nicht bereit, setzte im Stile von 15.Tac1?! fort und leitete damit einen Trend ein, der mir um ein Haar die Partie und das Turnier gekostet hätte.

20.Tc2?

[20.b5!? war eine "milde", aber auch noch ertragreiche Lösung: 20...cxb5 21.Sxb7 Tc8 22.Dxe7 Lxe7 23.Txc8+ Sxc8 24.Tc1 Sb6 25.Sc5 mit einem gigantischen Endspielvorteil - da fällt ja fast schon was raus.;

20.Dxe7 Txe7 21.Sxb7! Aber diese Zugfolge ist diejenige, die an meiner Stelle JEDER Großmeister gewählt hätte. Guckt euch die Stellung nach etwa 21...Txb7 22.Lxc6 Tab8 23.Lxb7 Txb7 24.Kg2+- an - sie ist für Weiß nicht nur besser, sondern ich bin überzeugt, dass sie sich zu einem Gewinn ausanalysieren lässt. Und im Prinzip wusste ich das ja während der Partie auch. Das ist ja gerade das Schlimme. Ich war zu faul, es wirklich zu tun, einfach in der Hoffnung, "die Partie werde einfach so weitergehen wie bisher, und der Punkt wird schon automatisch zu mir kommen." Weit gefehlt!]

Bogen9

20...e5 (?) Mein Gegner spielte das energisch, mit einem erleichterten Gesichtsausdruck. Dabei ist dieser Vorstoß an sich ein grober Fehler. Doch ich konnte das nicht mehr ausnutzen - ich ärgerte mich bereits, im Zug vorher nicht zugehauen zu haben, und jetzt das befreiende 20...e5 zugelassen zu haben. Die Trendwende war gelaufen. 21.Dxe7? [21.Sxb7! war jetzt nochmal stärker als zuvor - jetzt hängt auch noch der e5. 21...Dxb7 22.Lxc6 Db8 23.Lxa8 Sxa8 Was sonst? (23...Dxa8 24.dxe5) 24.Dc8+ Tf8 25.Dxb8 Txb8 26.dxe5 Lxe5 27.Tfc1 Sb6 28.Tc5 Lb2 29.Tb1! Lf6 30.Txf5+-] 21...Txe7 22.dxe5 Lxe5 23.Td1?! Die Kontrolle über die Partie geht mir verloren. [23.b5 Wäre noch einmal ein Versuch, etwas auf direktem Wege zu erzielen, aber nachdem ich die Stellung nach 23...cxb5 24.Lxb7 Tb8 25.Lg2 a6!± (ohne Angst vor 26.Sc6 Tc7!) sah, ärgerte ich mich, wie wenig es ist, mit dem Vergleich zu dem, was ich hätte nur vor wenigen Zügen haben können.] 23...Tf8! Wieder schnell gespielt. Der Turm ist in Sicherheit, der f5 gedeckt. Opfer auf c6 und b7 kann ich vergessen. Vergleicht das bitte mit der Stellung nach 19.Dc5 Tf7 - das ist nur 4 Züge her!
24.Tc5 Ein Trick, b7 hängt. 24...Sa4

Bogen4

Auch das kam sofort. Weiß hat jetzt zwei interessante Quallenopfer zur Hand, die auch beide ansprechend aussehen, aber im Endeffekt einfach nichts bringen. Wie sich herausstellte, hat mein Gegner sie auch gar nicht gesehen. Was manchmal auch ein Vorteil sein kann... 25.Tc2 Ein trauriger Rückzug, aber ich konnte mich einfach nicht entschließen, sofort zu opfern:

[25.Sxb7 Sxc5 26.Sxc5 Tf6 ist Ausgleich, und wenn ich es jetzt darauf anlege, den c6 zu gewinnen, dann kommt 27.Td7? Txd7 28.Sxd7 Te6 29.Sxe5 Txe5 30.Lxc6 Te6! und es heißt willkommen beim Kampf ums Remis!;

25.Txe5! ist da schon besser, aber nach 25...Txe5 26.Sxb7 c5! 27.bxc5 Sxc5 28.f4! Txe3 29.Sxc5 Txa3 habe ich so Zweifel an meinen technischen Fertigkeiten, diese Stellung gewinnen zu können (insofern das überhaupt möglich ist!)]

25...Sb6 Hier war ich frustriert, dachte noch kurz nach und verstand, dass ich würde doch opfern müssen, um irgendwie weiterzukommen. Aber dann beschloss ich, vorher noch am Königsflügel die Lage zu "verbessern" und zog 3 Sekunden später das unglaublich schlechte 26.h4? g5! 27.hxg5 hxg5= Was habe ich nur getan? Nur die schwarze Minderheit aufgewertet. Jetzt ist klar ersichtlich, dass sämtliche Qualitätsopfer zum Scheitern verurteilt sind - Schwarz hat zuviel (Gegen)spiel. Achja: es droht f4. Ahnt ihr, welche Farbe ich jetzt gern lieber hätte? 28.Lf3 Stellt sich, so gut es geht, auf f4 ein. 28...Kg7 29.Kg2 g4!? Dieser Zug ist einerseits die Ursache seiner künftigen Schwierigkeiten, aber andrerseits einfach sehr gut und geht mit dem riesigen Trend einher, auf dem Schwarz seit etwa 8–10 Zügen segelt. Hätte ich auch gezogen. 30.Le2 Th8

Bogen5

Paul fragte mich nachher, was ich gemacht hätte, hätte er mir hier Remis geboten. Ich wollte ihn nicht anlügen, und umging die Frage, auf die ich bis jetzt keine Antwort weiß. 31.Tcd2 [31.Th1= & shake-hands.] 31...Sd5! Aua! Der Springer will nach c3 und der Break b5 geht nicht wegen Lc3. Und mein Läufer will von e2 raus, weil er bald meinem König im Weg stehen wird. Ein Haufen Probleme. Ich wurde richtig nervös. 32.Lc4 Sf6 33.Sb3 [Zuerst wollte ich mich mittels 33.Td8 Txd8 34.Txd8 entlasten, aber dann bemerkte ich 34...Lc7 35.Ta8 Lxa5 36.bxa5 a6 und wollte mir nicht auch noch diese Quälerei antun.] 33...Kg6 34.Td8

Bogen6

Das ist die beste Stellung für Schwarz in dieser Partie. Der Trend, der mit 20.Tc2? seinen Anfang nahm, hat hier seinen Höhepunkt erreicht und unterwegs eine Differenz von knappen 450 ELO-Punkten völlig annihiliert. Nun ist aber Schwarz einen Moment lang unachtsam - vielleicht weil die besten Züge hier nicht direkt auf der Hand liegen. 34...Teh7?! Folgt dem Trend - Verdoppeln in der h-Linie. Aber einen der Türme tausche ich ja gleich wieder ab! [34...Th3! wäre die exakteste Lösung. 35.Sc5 (35.Th1?? Teh7! und Weiß kann im Prinzip aufgeben.) 35...Teh7 36.Sd7! Immerhin habe ich das gesehen! 36...Sxd7 (36...Th2+ bringt am Ende nichts ein.) 37.T1xd7 Txd7 38.Txd7 Th7 39.Txh7 Kxh7= und er hätte es einfach geschafft.; 34...Txd8 35.Txd8 Lb2 36.a4 Lc3 37.b5 Tc7= ist zwar auch total remis, aber warum sollte Schwarz nicht auch mal versuchen dürfen, seine Mehrheit am Damenflügel in Gang zu bringen?]
35.Txh8 Txh8 Wir haben immer noch toten Ausgleich. Aber - unglaublich! - ich darf in dieser Partie noch einmal eine Drohung aufstellen! 36.Sa5 Th7 37.Le6 und noch eine! Der Läufer will nach c8. 37...Tc7?? [37...Se4! mit (unter anderem) der Idee Sd6 garantierte dem b7 für immer Sicherheit.] Mein Gegner dachte hier immer noch, er hätte alles unter Kontrolle - bis er meinen nächsten Zug sah. 38.Sc4!

Bogen7

Plötzlich hat der Läufer keine Felder mehr... 38...Lc3 39.Sd6 ... und dann geht der f5 verloren. Erinnert ihr euch an 29...g4!? 39...c5 Verzweiflung. [39...Kg5 40.Td3] 40.b5?! Nein, mein bester Tag war das wirklich nicht. [40.Lxf5+ Kg5 41.bxc5 Txc5 42.e4! mit Mattdrohung machte sofort die Lichter aus.] 40...Lb2 [40...Le5 41.Lxf5+ Kg5 42.Lc2 c4 erlaubte sogar noch Kampf.] 41.Lxf5+ Kg5 Ich wusste, dass meine Stellung sehr gut war, aber noch nicht gewonnen. Mein Gegner war allerdings vom Schock noch total angeschlagen. Ich beschloss eine Falle mit guter Erfolgschance zu stellen um die Partie schnell zu beenden. 42.Lc2!? Lxa3?? Er dachte hier aber fast nicht mehr nach - man spürte, er hat sich irgendwie bereits mit der Niederlage abgefunden. [42...c4 43.a4 Le5 44.Kf1± mit eben immer noch gewissen Schwierigkeiten.]

Bogen8

43.b6! Gewinnt einen Stein. 1–0

Bogenschuetze (cbv, 9 KB)
Bogenschuetze1 (pgn, 11 KB)

Dienstag, 3. November 2009

Auszeit

Für die nächste Stunde ist alles auf dieser Welt komplett egal und nebensächlich.

Die 4. Staffel von Stromberg, der besten Comedy-Serie der Welt startet auf Pro 7! Wer das verpasst, ist selber schuld!

Open-Dramaturgie

Der erste Platz schien eigentlich schon unerreichbar weg, doch das Schweizer System treibt ja bekanntlicherweise oftmals seltsame Blüten. So war zu meiner großen Freude die sechste Runde derart günstig verlaufen, dass ich mich schon mal vom 7. auf den 2. Platz verbessern konnte. Es endeten einfach alle Spitzenbegegnungnen so, wie ich es mir vorher gewünscht hatte - was will man mehr? Jetzt musste ich ja nur noch den führenden Raoul Strohhäker überholen, der - mit einem Remis gestartet, das ihm sein Gegner wohl in Gewinnstellung angeboten hatte - sich mit fünf Siegen am Stück (der letzte gegen GM Schmittdiel, der seinen Vorteil im Gewinnstreben total überzogen hatte) an die alleinige Tabellenspitze gesetzt hatte.

Leider haben aber diesmal Teskes Thesen dahingehend versagt, dass ich als Setzlistenerster irgendwo unterwegs einen Farbwechsel erleiden musste und so für die letzte Runde die wichtige weiße Farbe verlor. Selber schuld aber auch, wenn man früh Remis macht und sich hochlosen lässt, da passiert sowas schon mal!... Also hieß es schön mit Schwarz auf Sieg spielen, denn das Zweitrundenremis erlaubte es mir auch nicht wirklich, mich auf irgendein Buchholz - Geweihmessen einzulassen.

Gemäß Umumbas Aussage

Umumba (Gast) - So, 1. Nov, 17:30
Bekanntlich ist Colorado heutzutage eigentlich die einzige Eröffnung, wenn man mit Schwarz in der letzten Runde auf Gewinn spielen will. :-)


entschloss ich mich also mal wieder, es in einer Turnierpartie zu versuchen. Dabei kam ein echter Zuschauermagnet heraus, den ich wegen der Fülle und Komplexität der möglichen Varianten
nicht sinnvoll komplett hier im Blog darstellen kann. Natürlich gibt es eine sehr ausführlich kommentierte Fassung als Download. Hier nur einige Schlüsselmomente:

Raoul Strohhäker - Ilja Schneider
In 4-5 Zügen brennt das Brett!

Stroh1

10.d3 oder 10.d4 ? Raoul entschied sich nach langem Nachdenken für Letzteres, nach 10.d3 wäre eventuell 10...Tg6 11.Df4 Lh3!?!? möglich. Kinder, nicht zuhause nachmachen!


Stroh2

Hier gab es so viele schöne Züge, wie 14...Lxc2, 14...Th8 oder das von mir unterschätzte aber typische 14...e5! Ich habe es echt geschafft, den einzigen Zug zu wählen, der wirklich nicht gut ist: 14...Sb4?

Es folgte 15.0-0-0 Sxc2? 16.g4 Le4?

Stroh3

und nun hätte Raoul mich mittels 17.Lb5! +- wegschießen können. Es kam aber zu meiner großen Erleichterung 17.Sxe4?


EInige Züge später dachte ich dann, ein Figur gewonnen zu haben, aber fiel nach

Stroh4

22.Ld3! glatt vom Stuhl. Das Mehrmaterial lässt sich, bei zwei passiven weißen Türmen nicht behaupten. Zum Glück hatte ich gerade noch 22...Td6 als Rettung zur Hand.


Raoul machte im entstandenen scharfen Endspiel dann zum Glück den letzten Fehler, indem er mit

Stroh5

27.dxe5?? eine schlagartige Aktivierung meines Läufers zuließ. Nun ist der weiße König gegen die feindliche Übermacht allein auf sich gestellt (während die weißen Türme den Bauern f3 vernichten!) und wird in den nächsten Zügen nach 27...Lxe5 28.h4 Tc6+! 29.Kd1 Td6+ 30.Kc1 Se4! 31.Txf3 Td2 usw. mattgesetzt.


Die ganze, ausführlich kommentierte Partie, ein Muss für alle Colorado-Liebhaber gibt es hier:

Strohhaeker-Schneider (cbv, 8 KB)
Strohhaeker-Schneider1 (pgn, 10 KB)

Die Turniertabellen

Bilder vom Herbstopen


Am Ende möchte ich mich noch bei Raoul bedanken, der genauso seinen Teil dazu beigetragen hat, dass eine solche spannende Partie überhaupt entstehen konnte, und der diese am Ende enttäuschende Niederlage nach außen hin so locker hinnahm, wie ich es vermutlich nicht gekonnt hätte.

Samstag, 31. Oktober 2009

Internet!

Ich habe jetzt doch eine zuverlässige Internetquelle entdeckt. Warum denn nicht schon früher?! Man muss sich einfach mal einen Schritt in den Hotelflur wagen, da ist der Empfang deutlich besser ;-)

P1927_31-10-09

Morgen geht es um die Wurst

5 Runde sind in Deizisau absolviert. Dabei notiere ich mittlerweile bei meiner Form gut entsprechenden 4 Punkten. Die Partien sprechen beide für sich und wurden ja auch schon bei den Comments leicht ankommentiert ;-) Diagrammupload ist leider nicht möglich, bedingt durch das Sch... WLAN.
Nix Halbes und nix Ganzes also. Allerdings ist vermutlich bis auf den 1 Platz, der unerreichbar weg scheint, noch mehr oder weniger alles drin. Ich müsste nur die auch heute omnipräsente Lethargie ablegen und einfach mal 2 Partien am Stück gewinnen.

Für den zoologischen Akpekt sorgte heute übrigens die Partie Taras-Kabisch aus der 4 Runde. Weiß überschritt in einem hoffnungslosen Bauernendspiel, in dem der schwarze Bauer unmittelbar vor der Umwandlung stand die Zeit, woraufhin Kabisch reklamierte. Der Gegner , wie sich herausstellte, ging davon aus, nach dem 40 Zug noch eine halbe Stunde Zeit zu erhalten und protestierte gegen die Anzeige 0.00 vehement. Da trotz mehrfacher Rufe kein Schiri in die Nähe kam und sich des Falles annahm, weigerte sich Weiß aufzugeben und Schwarz war es auch egal. So spielten die beiden unter Aufschreiben und Betätigen der Uhr einfach noch eine Weile weiter, bis das Matt unmittelbar in der Tür stand.

So, und jetzt brauche ich morgen ganz ganz viele gedrückte Daumen und das einmal vor- und einmal nachmittags. Morgen Nacht aus Bad Herrenalb dann das Ergebnis, für die die etwa die Liveübertragung verpasst haben werden.

Schönen Abend noch aus Deizisau!

Der Schachzoo

Unterwegs über Wälder und Wiesen

Suche

 

Übersicht

November 2009
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 
 1 
 2 
 8 
11
12
15
17
19
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 
 
 

Zoobewohner

Josef Gheng, Ilja Schneider, Thorsten-Michael Haub

Was ist aktuell los?

Ja!
Gut gekontert! :D
Rössel (Gast) - So, 22. Nov, 17:59
Also den Kommentaren...
Also den Kommentaren von Lieschen nach zu urteilen,...
Schachspielerin (Gast) - So, 22. Nov, 16:24
Puuuh!?
‚Versteher’ von Thomas P. Junior? Retter...
Goldfröschchen (Gast) - So, 22. Nov, 00:48
P. Senior
Elli wurde genau wie ihr armer Bruder (er war als Kind...
Schizo (Gast) - Sa, 21. Nov, 22:59
Leider sinnfrei, die...
Meine Diskutantin (Setzt bitte selber nach Wunsch Elli,...
MiBu (Gast) - Sa, 21. Nov, 18:05
Ja!
Das ist... das ist ein Schrei der Seele. Das musste...
Kaffeehausschach - Sa, 21. Nov, 14:58

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 199 Tagen
Zuletzt aktualisiert: So, 22. Nov, 17:59

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

Zoobesucher (ab 10.Juni)

Wetter

Aktuelles Wetter in Karlsruhe:


Temperatur: 11 C
UV Index: 0
Luftfeuchte: 72 %
Sichtweite: Unlimited km
Luftdruck: 1001.4 mb
Windstärke: 26 km/h

Weather data provided by weather.com