Donnerstag, 29. Juli 2010

Jetzt läufts doch

Ilja Schneider (2515) - Marian Sabol (2378), Pardubice 2010 (5)



Nach einer gehörigen Portion Kaffeehausschach in der Eröffnung steht Schwarz vor dem Problem, was er mit seinen Eckfiguren und dem ungeschützten König machen soll. Andrerseits habe ich selbst ja auch nicht wenige Schwierigkeiten. Mein König steckt bisher in der Mitte fest, und der Läufer f4 ist der Inbegriff einer taktisch unsicher postierten Figur. Gerade musste ich mit 16.Sb1-d2 die lähmende Drohung Sc4 verhindern, nach der es sehr bald auf e2 und f4 eingeknallt hätte. Deshalb sollte mein Gegner die Drohung erneuern.

16...Sc4? Aber doch nicht sofort! Hier scheitert die Idee am ungedeckten Bauern b7. Es kam (mit großer Erleichterung) 17.Sxc4 bxc4 (Nun stellte er plötzlich fest, dass das geplante 17...Dxf4 an 18.Dxb7 scheitert, und es kann wegen der hängenden Dame auf f4 niemand in der e-Linie dazwischenziehen) 18.Dxc4+ De6 19.Dxe6+ Txe6 20.Th2!? und ich konnte das Endspiel auf mittelmäßig komplizierte Weise gewinnen.

Nochmal zurück zur Ausgangsstellung:



Was, wenn er einfach mit 16...b5!? die Drohung 17...Sc4 erneuert?
Nun gibt es für mich zunächst mal eine einfache Möglichkeit, die Partie schnell zu beenden: 17.0-0-0?? Sc4 -+

Also doch lieber 17.a4 Sc4 (17...a6 18.axb5 ist chancenlos für ihn, der Turm auf a7 lähmt die halbe schwarze Streitmacht) 18.axb5. Man erinnert sich spontan an die Marshall-Schlacht von Kramnik und Leko aus dem WM-Match in Brissago in der fünften Runde. Hier aber mit glücklicherem Ausgang für Weiß! 18...Dxf4 19.Ta7+ Kf6 Einziger Zug.



20.Dc3+ De5 Auch erzwungen. Nach 20...Kg5 kommt 21.Txg7+! Lxg7 22.Dxg7#

21.Se4!+ dxe4 22.Dxc4 Bis hier habe ich es am Brett zumindest grob erahnt. Nun ergibt eine kurze Analyse, dass Schwarz die Dame verwenden sollte, um das Schach auf f7 zu vereiteln, um wenigstens noch dem Zug f3-f4 mit Tempo zu entkommen. 22...Dd5 23.Dc3+ De5 24.Dxc6+



Und allmählich zeigt sich, dass Schwarz auf Verlust steht. Also brauchte ich mir nach 16.Sd2 eigentlich keinerlei Sorgen zu machen... Zumindest wenn die ganze angegebene Variante korrekt ist. :-)

Dienstag, 27. Juli 2010

Auf dem Weg zum Remiskönig

Dotan Ganor (2342) - Ilja Schneider (2515), Pardubice 2010, (4)



Nur um mal zu demonstrieren, wie weich ich bei diesem Turnier bisher agiere, folgender Schnipsel aus der vierten Runde:

15...d3? Diese hektische und voreilige Aktion stellt einfach einen Bauern ein, während nach jedem vernünftigen Zug wie 15...Tde8 oder 15...Df7 einfach nichts los wäre.

16.Le3! Ich habe diesen Zug einfach übersehen. Wie so etwas passieren kann, kann ich mir im Moment auch nicht erklären.

16...Lxe3 17.Txe3 Df7 18.Texd3 Mein Gegenüber entschied sich nach langer Auszeit den Einsteller anzunehmen. So einfach ist es mit dem Mehrbauern aber nicht

18...Txd3 19.Txd3 Dxa2 Sonst habe ich einfach so einen weniger und kann fast aufgeben.

20.Dg4+ Aber natürlich. 20...Kb8 21.Dxg7 Da1+? Besser war hier natürlich 21...Tg8 und wenn 22.Dxh7, dann geht 22...Txg2. Ich habe wirklich gedacht, dass ich dann mattgesetzt werde, was natürlich nicht stimmt! Später bekam ich dann noch durch beherzten Einsatz ein Remis, weil er Angst hatte,in Zeitnot weiterzuspielen, aber was ich demonstrieren wollte, spiegelt dieses Fragment in aller Deutlichkeit wider: Der GM-Titel muss noch eine ganze Weile warten.

Montag, 26. Juli 2010

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Wieder nur ein halber Punkt mit Weiß. Kann mir jemand sagen, wie was der Plan ist, um hier Fortschritt zu machen?

Ilja Schneider (2515) - Aleksei Kireev (2355), Pardubice 2010 (3)



Weiß ist dran. Sieht optisch alles super aus, aber ich habe einfach keinen Eingang ins schwarze Häuschen gefunden. Immer muss ich halt nach einem möglichen Vorstoß h4 mit dem Gegenschlag ...g5 rechnen. Pläne? Vorschläge?

Sonntag, 25. Juli 2010

Technik

Siehe da, die Selbstgeißelung hat etwas gebracht.

Zuzana Borosova (2266) - Ilja Schneider (2515), Pardubice 2010 (2)



In dieser typischen Colorado-Stellung habe ich mir bereits deutlichen Vorteil erarbeitet. Spiele ich einfach etwas wie 18...c5, hat die Weiße schon große Probleme, überhaupt einen spielbaren Zug zu finden. Auch 18...Ta4! ist wirklich nicht von der Hand zu weisen. Stattdessen dachte ich 20 Minuten nach, wie ich es noch einmal spannend machen kann.

18...Dxb2? 19.Tb1? Genau darauf war mein Zug ausgerichtet.

19.Sg5! dagegen war teuflisch stark. Ich habe diesen Zug in dieser konkreten Stellung nicht mal angeschaut. Nun hängt e6 und auch 20.Dh3 ist ein sehr lästiges Motiv. Nun kann folgen: 19...T4f5 20.Dh3!? (20.Sxe6 ist besser, Weiß hat einfach kostenlos den starken Freibauern auf e5) 20...Txg5 21.Dxe6+ Kh8 22.Dxd7 Dxc3 und nun ist es pures Glück, dass wenigstens nicht sofort 23.e6? geht: 23...Dh3! 24.Dxd5 Dxh2+! 25.Kxh2 Txd5 mit einem Mehrbauern im Turmendspiel, was aber nicht einfach zu gewinnen ist. Allerdings spielt Weiß lieber 23.Dxd5 und erfreut sich einer deutlich angenehmeren Stellung.

Zurück zu 19.Tb1:

19...Dxa2 20.Txb7 Da5 21.Sg5?!
Der Klassiker. Hier ist der Zug mittlerweile wieder schlecht. Ihre beste Chance war das von mir durchaus vorhergesehene 21.Da7!, worauf ich 21...T4f7 spielen wollte. Nach 22.Txc7 Sxe5! (die Idee) 23.Txf7 Sxf7 hat Schwarz einen scheinbar soliden Mehrbauern, aber nach etwa 24.Dd7 bietet dessen Verwertung riesige technische Schwierigkeiten.



21...Txf2! 22.Dxf2 (sonst Matt) 22...Txf2 23.Txf2 Dxc3 24.Sxe6 h6 (24...Dxe5?? scheitert an 25.Tb8+! Sxb8 26.Tf8#) 25.Txc7 Dxe5 26.Txd7 Dxe6



Vermutlich kann man das nicht gegen optimale Verteidigung gewinnen, aber diese folgte definitiv nicht. Sie beschloss in der Folge, den Anstrurm einfach über die erste Reihe zu verteidigen, und zwar so:



36.h3 Ohne nahegehende Analyse hätte ich davon Abstand genommen. Das ist für meinen König ja wie eine schriftliche Einladung. 36...a2 37.Ta1 Kg6 38.Kh1 Kg5 39.Kg1 h5 40.Kh2 De5+ 41.Kh1 Dd5 42.Kh2 Dd6!+ 43.Kg1 Kh4 44.Tfd1 Dd4+ 45.Kh2 De5+ 46.Kg1 Kg3 47.Tf1 De3+ 48.Kh1 De2 49.Tf3+



Und nun das, worauf ich die ganze Zeit hingearbeitet hatte:

49...Dxf3! 50.gxf3 Kxf3 51.h4?!

Das ergibt sich total ins Schicksal, aber auch nach 52.Kg1 Ke2 53.Txa2 Ke1 54.Ta1+ d1D 55.Txd1 Kxd1 56.Kf2 g5! 57.Kf3 Ke1! 58.h4 (58.Ke4 Kf2 59.Kf5 Kg3 60.Kxg5 h4!) 58... g4+ entsteht ein theoretisch gewonnenes Bauernendspiel, in dem Schwarz nur noch eine kleine Pattfalle vermeiden muss, um zum Erfolg zu kommen.

51...Ke2 52.Txa2 Ke1 53.Kh2 d1D 54.Tg2 De2!?, und hier hatte sie genug gesehen.

Samstag, 24. Juli 2010

Antitechnik

Ilja Schneider (2513) - Aleksej Litwak (2267) , Pardubice 2010 (1)



(Remis nach weiteren 30 Zügen)

Ich glaube, zu meiner Laune muss ich nichts mehr sagen, oder? :-)

Freitag, 23. Juli 2010

Welcome to Hell

Heute kam ich mir vor wie ein Teil der aktuellen Nachrichtensendungen. Wir fuhren (wie schon Tradition) mit einer rund 30-köpfigen Gruppe aus Hannover. Bis Berlin war es im ICE noch halbwegs in Ordnung, aber dann ging es los. "Der Zug nach Budapest hährt heute aufgrund einer technischen Störung ohne Wagen 256". Unsere reservierten Plätze befanden sich leider einen Wagen weiter in der 257. Haufenweise Doppelbuchungen traten also hervor. Ein Drittel der Fahrgäste sitzend auf dem Boden. Streit mit einem uneinsichtigen älteren Ehepaar und mit dem Berliner Ü55-Senioren-Kegelklub. Koffer und Taschen im Gang. Temperaturen um die 45 Grad, garniert mit einer tropischen Luftfeuchtigkeit. Die schon fast müßig zu erwähnende Klimaanlage, die den gleichen Arbeitswillen an den Tag legt, wie ein durchschnittlicher Bahnbeamter am Schalter. Der Kegelklub (Männer mit Jack Wolfskin-Westen, Frauen mit ultrakurzen Haaren, solariumgebräunter Haut auf den dünnen, sehningen Armen, die aus den Jack Wolfskin-Westen hervorstechen) lässt um 11 Uhr morgens langsam die Sektkorken knallen. Der Geruch der Frikadellen und Bockwürste benebelt mich vollends. Dann kommen die Schunklieder. Ich werde nie wieder über KSC-Fans schimpfen. Ich flüchte auf die Toilette - auch nicht unbedingt besser. Das Pissoir ist gefüllt bis Unterkante Oberlippe (leider kein Bild vorhanden). Ozoniert wird die Luft dadurch auch nicht. Immerhin, etwas kühler als im Waggon. Nach ein paar Minuten kehre ich in den Waggon zurück. Sauna. Der Schweiß vom Rücken sammelt sich in den Kniekehlen. Gefühlt alle 5 Minuten will ein übereifriger, tschechischer Getränkeverkäufer mit seinem verdammten Wagen vorbeirollen und jedesmal muss ich wie ein Idiot den Koffer aus dem Weg räumen, auf dem ich zwar sitze, der mir aber gar nicht gehört.

Egal. Hauptsache, ich bin nun ausreichend für Pardubice, die engen Reihen der CEZ-Arena und die achselhemdbewaffneten Osteuropäer gestählt. Und für die diesmal sieben Jugendlichen, die ich "so nebenbei" betreuen muss.

Mittwoch, 21. Juli 2010

De ja vu

Diesmal klingelte das Telefon nicht vier Tage vor dem Turnier, sondern zwei. Wieder Niedersachsen am Apparat, wieder sind kurzfristig meine Trainerdienste gefragt. Diesmal im absoluten Mekka der deutschen Schachspieler - im allseits bekannten Pardubice. Flexibel wie ich bin, konnte ich natürlich nicht anders, als zusagen (die Schnellturniersaison ist eh gerade vorbei), und dies führt mit direkter Konsequenz dazu, dass es bereits morgen um 8 Uhr in der Frühe wieder auf die Reise geht. Hannover - Berlin - Dresden - Pardubice. Dann hoffen wir mal, dass die DB mittlerweile ihre Klimaanlagen im Griff hat.

Genau wie in Oberhof habe ich auch diesmal fünf Schachkinder zu betreuen, werde allerdings (Einzelrunden sei dank!) wohl auch selber an die Bretter gehen. 100%ig entschieden habe ich mich aber noch nicht... Mal gucken, wie es bei meiner sechsten Teilnahme laufen wird. In letzter Zeit habe ich wenig bis kaum trainiert, sondern eigentlich nur beim Schnellschach mit Colorado, Trompowsky & Co. die Punkte abgeschöpft, meine letzte Turnierpartie liegt auch schon 2 Monate zurück. Unter diesen Umständen die ersehnte GM-Norm als Turnierziel auszugeben, scheint mir daher etwas verwegen (dies als vorweggenommene Antwort auf etwaige Fragen), aber ein kleiner ELO-Gewinn sollte auf jeden Fall drin sein. Hauptsache, es läuft nicht so, wie Wien 2009 .

Die Turnierseite mit einer illustren Teilnehmerliste (bisher wäre ich die Nummer 28) findet sich hier. Vielleicht wird sich ja die eine oder andere Partie von mir live verfolgen lassen, wie oft ich dagegen in den nächsten Tagen die Möglichkeit haben werde, etwas zu posten, ist mir etwas schleierhaft. Zuletzt war ich in diesem Hotel vor 3 Jahren und da sah es mit Internet ausgesprochen mau aus.

Weiter geht es dann Anfang August selbstverständlich mit den (abgespeckten) Chess Classic aus Mainz.

Dienstag, 20. Juli 2010

Alle Neune

Meine Abschiedstour durchs Ländle gestaltet sich gut. Am Wochenende gab bei zum größten Teil hervorragenden Wetter zwei (Klein)-Turniere zum Angebot. Leinfelden und Pfalzgrafenweiler lauteten die Aufgaben, und ja, ihr erinnert euch noch von 2009, sowohl hier als auch da ging ich damals als Sieger vom Platz.

Auch diesmal war es am Ende nicht anders. Beim Open-Air-Turnier im Leinfelder großem Biergarten fielen sogar alle Neune! Sehr gefreut habe ich mich auch über die sichtbare Umsetzung einiger von mir damals angeregten Vorschläge. So wurde nun z.B. mit schönen Figuren und Digitaluhren gespielt. Und der Einsatz einer gewöhnlichen Kuhglocke durch die Turnierleitung als Klingelzeichen zur sich anbahnenden neuen Runde sorgte dafür, dass das Turnier diesmal sehr zeitig beendet wurde, kurz nach 4 Uhr nachmittags war es schon vorbei.
Ein kleiner Bericht über das Turnier, wie auch Tabellen finden sich auf der Veranstalterseite, und hier gibt es sogar ein kurzes Video vom Turnier, wobei die ebenfalls anwesende Userin Rössel schmunzelnd bemerken musste, dass die musikalische Untermalung des Videos weitaus dramatischer anmutet, als der eigentliche Turnierverlauf :-)

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Sonntag dann ging es dann aus Karlsruhe über wunderschöne Bergstraßen (u.a. durch Forbach/Schwarzwald) nach Pfalzgrafenweiler. Sonntags angekommen, erblickten wir zu 90% die gleichen Gesichter wie 40 km östlich einen Tag zuvor. Vielleicht hätte man das Turnier gleich hinter das Biergartenturnier schalten sollen, da wäre allen die Fahrerei erspart geblieben...

Allerdings waren im Vergleich zum Vortag noch die standardgemäßen GM Gurevich und FM Gheng anwesend, was eine wiederholte 9/9-Ausbeute doch weit unwahrscheinlicher machte. Aber gut, auf Distanz halten konnte ich die beiden trotzdem. 2 Remisen, aber sonst gab ich eben nichts mehr ab. Unter anderem auch nicht gegen Thilo Kabisch, an dem vorher Gurevich mit einem Remis eben gestolpert war:

Ilja Schneider - Thilo Kabisch, Pfalzgrafenweiler 2010 (7)



Trotz der scheinbaren Gleichverteilung der Kräfte steht Schwarz äußerst unangenehm. Das liegt schlicht daran, dass sein Läufer einfach keinen vernünftigen Platz finden kann. Nach 24...Lxa2 folgt einfach 25.b3!, genauso wie das simple 24...Lc4 25.b3 La6 26.c4 auch Weiß im Vorteil sieht. Vermutlich war also 24...Ld7 das Beste, auch wenn Schwarz nach etwa 25.Lc2 und nachfolgendem Schach leiden muss.

24...Ld5? Nun gewinnt Weiß mindestens einen Bauern. 25.Lxd5 Sxd5 26.Se6 Te7 Darauf hat er sich verlassen. 27.Txd5 Txe6? So geht es gar nicht. Nur mit 27...The8 (habe ich auch nicht gesehen) konnte er noch kämpfen, auch wenn Weiß nach 28.Sg5+ fxg5 29.Txe7+ Txe7 30.Txg5 einfach einen Bauern gewinnt, oder auch einfach 30.Kd2 mit großem Vorteil spielen kann.

28.Td7+ Ke8 29.Ted1! Diesen kleinen Sidestep galt es schon bei 24.Sd4 zu sehen, sonst hat Weiß hier gar nichts. So aber gewann ich auf der Stelle.

Auch den Rest konnte ich erfolgreich hinter mich bringen, so dass auch die zweite Titelverteidigung an diesem Wochenende geglückt war. Hier die Tabelle.

Das eigentliche Highlight des Tages folgte dann auf der Rückfahrt. Irgendwo, mitten im Niemandsland von BaWü stand dann plötzlich ein Mini-Zirkus auf einer kleinen Gemeindewiese. Noch nie habe ich einen so kleinen Zirkus gesehen, ob das Zelt überhaupt 100 Besucher fassen konnte, ist mir nicht klar. Jedenfalls ließen uns Userin Rössel und ich nicht nehmen, ein wenig Material für den Schachzoo zu "schießen".

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Einhornziege

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Rössel

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Noch mehr Rössel

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Lama mit Kreuzbiss

Montag, 19. Juli 2010

In Dortmund...

...sind nun schon 4 Runden vorbei. Bisher zieren, wie von mir angedeutet, Leko und Naiditsch das Tabellenende (beide mit zeitweise überzeugendem Spiel, aber bringen die Chancen halt nicht heim - wie ich es vorhergesagt habe!), aber auch Kramnik muss sich zur Zeit ganz schön quälen. Es scheint, als plane er zur Zeit die Rückkehr zum alten Minimalismus zurück (besonders nin Dortmund selbst hat er ihn jahrelang erfolgreich praktiziert), diese bekommt ihm aber nicht mehr gut. Mit Schwarz gegen Mamedjarov aufgrund der Eröffnungswahl direkt aus der Eröffnung chancenlos in Bezug auf Sieg, gegen Leko klappte das gute alte Kneten auch nicht wie früher, sondern führte um ein Haar zum Verlust. Magere 1,5/4 stehen auf der Habenseite, und wenn nicht bald eine (untypische) Leistungsexplosion kommt, dann wird der Künstler dieses Mal nichts mit dem Kampf um die Spitze zu tun haben. Mamedjarov führt und zegt bisher auch überraschend das solideste Schach, trotzdem glaube ich an Ponomariovs Allroundqualitäten und bekanntlich starke Nerven. Mal gucken, was uns das Spitzenduell heute zu sagen hat.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Verspätete Dortmund-Prognose

Die erste Runde beim kategoriestärksten (mir fällt leider kein anderer Superlativ ein) Turnier aud deutschem Boden ist also beendet. Was haben wir zu bieten:

Kramnik - Le 1/2
Ponomariov - Leko 1:0
Naiditsch - Mamedyarov 0:1

Kramnik mühte sich lange und bedächtig mit einem vorgeschobenen Freibauern gegen den vietnamesichen Shootingstar in Richtung eines Auftaktsieges, hätte sich am Ende aber wirklich viele Züge sparen können, zu offensichtlich war der Remisausgang.

"Drawcula" Leko wird später bestimmt wieder in seiner psychotherapeutischen Ecke in der SCHACH behaupten, er hätte in ein "schlechteres, aber haltbares" Endspiel abgetauscht, dann aber "unglaubliches Pech" gehabt, dass Ponomariov alle wichtigen Stellungsprobleme lösen konnte und das Turmendspiel am Ende trotz 2vs2 Bauern "um ein Tempo" gewonnen gewesen sei.

Naiditisch letztendlich, um die Riege der traditionellen Opernhausbesetzer abzuschließen, zeigte immerhin großen Kampfeswillen gegen den Azeri, was die Eröffnung betrifft, aber letztendlich wusste die weiße Behandlung des 6.Lc4-Najdorfs nicht zu überzeugen. Um sich das geopferte Bauernmaterial zurückzuholen, musste der Deutsche alle seine aktiven Figuren abtauschen lassen und hatte im TL vs TL-Endspiel gegen die kaukasische Endspieltechnik nichts mehr auszurichten. So eine Weißniederlage gegen einen mit Schwarz eher zahmen Spieler ist wahrlich kein Glanzstart.

Meine kurze Prognose für die nächsten Tage: Leko und Arkascha werden Probleme haben, irgendeine Partie zu gewinnen. Le hat genug Klasse, 10 Remisen am Stück zu schaffen, das erste und schwierigste davon hat er schließlich schon. Auch Mamed wird sich mit dem Erreichten weitestgehend zufriedenstellen und vielleicht noch einen oder 2 Siege zu den restlichen Remisen dazupacken, wobei er noch gegen Kramnik eine Null kassieren wird. Letzterer und Pono machen demnach den Gesamtsieg unter sich aus, wobei Kramnik am Ende irgendein vorher remises Endspiel, welches er noch um Zug 75 herum nach Hause holt, nach SoBe zu seinem zehnten "Titel" in Dortmund gereichen wird.

Betet bitte, dass ich Unrecht habe!

Mittwoch, 14. Juli 2010

Wieder da!

Nachdem nun das Gröbste überstanden ist, melde ich mich gehorsam zum Dienst zurück. Beantworten wir mal zunächst die zuletzt aufgekommenen Fragen:

Schnellschach - DEM: Nein, das sind tatsächlich zwei Bernd Schneiders. Einer davon kommt sogar aus Baden-Württemberg und hat mich bei der (offenen) badischen Schnellschach-EM auf in der dritten Runde vernichtend geschlagen. Für die Quali hätte ich hingegen die Berliner mitspielen müssen, habe diese aber, wie in den Jahren zuvor irgendwie verpasst und muss so weiter auf meine (erste!) Teilnahme bei der Schnellschach - DEM warten.

Olypmia: Das meint ihr ja zum Glück nicht wirklich ernst, oder? Erstens befinde ich mich gar nicht im B-Kader, was für eine Nominierung zwingende Voraussetzung wäre und zweitens gibt etwa mein Schwarzergebnis der abgelaufenen Bundesliga-Saison keinen geringen Grund zur Annahme, dass ich uns alle hätte ganz schön blamieren können. :-) Nene, es sollen schon ruhig lieber die spielen, die nominiert wurden, ob sie alle eine solche Chance nochmal in ihrem Leben erhalten ist fraglich, deshalb viel Spaß!

Oberhof: Ich danke herzlich für das Lob. Hat den Artikel (SCHACH 07/10) eventuell noch jemand außer User "streusand" gelesen? Gibt es auch andere Meinungen? Freue mich über regen Gedankenaustausch...

WM: Da sage ich nur: Schland o Schland! Jogis Jungs, ihr wart einfach saumäßig geil, und dank euch hat auch fast niemand gemerkt, dass der Zoodirektor
fast einen Monat lang weg vom Fenster (und vom Monitor ;-)) war.

Wo war Ilja?
Die erste Hälfte meiner "Fehlzeit" verbrachte ich als Besucher im Krankenhaus. Schon währenddessen und auch besonders in den zwei Wochen danach hatte ich mehr als ausreichend Zeit, gemäß dem hier über mein Leben und über mein Studium nachzudenken. Ohne zuviel verraten zu wollen, und ohne, dass es allzu arrogant klingen soll, aber im Moment sieht es ziemlich danach aus, als ob Josef Gheng und Vladimir Gurevich bei Württembergischen Schnellturnieren demnächst wieder etwas mehr Geld gewinnen werden. Die alte Heimat Hannover ruft.

Württembergische Schnellturniere
Die gab es zwischendurch auch. Zu klein zwar, um Eingang ins große WWW zu finden, aber trotzdem. Einmal in Herrenberg (1.Platz mit mageren 7/9 vor dem Punktgleichen Gheng und Gurevich (6,5)) und einmal ein zweiter Platz mit 7,5/9 nach Buchholz hinter Gurevich am vergangenen Sonntag in Kirchheim(Teck). Klingt nach einer entspannten Veranstaltung, war es aber nicht. Seht selbst, die moderne Version von David schlägt Goliath:

Ilja Schneider - Martin Stierle (1849), Kirchheim Schnellschach, 2010 (1)

Ok, es war brühend heiß und der Turnierleiter hatte gerade meinen Wunsch zurückgewiesen, die 20 Bretter und Tische nach draußen in den Schatten zu tragen und das Turnier Open-Air auszurichten. Aber ist das ein Grund? :-)

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sc6 4.Sf3 Sf6 5.Lg5 Lb4 Eine sehr seltene Variante, aber ich kannte sie sogar noch dank einer Partie gegen Gerhard Schebler (die allerdings auch schon an dieser Stelle mit einem Remis geendet war).

6.e5 h6 7.Lh4 g5 8.Sxg5 Sfe4! "Woher kennt der Patzer das?" 9.Sxe4 Dxh4 10.Sf6+ Kd8! 11.g4.



Ich wusste, dass das riskant war, aber auch nur deswegen, weil Schwarz über die Ressource 11...h5! verfügt. Da ich sicher war, dass mein Gegner zumindest das niemals finden würde, zog ich also schnell 11.g4. Prompt folgte die Reaktion.

11...Le7 12.Dd2?! Lxf6 13.exf6 Dxf6?! Irgendwie hatte ich vor 13...Dxg4 wesentlich mehr Respekt, aber nun gut. Jetzt würde alles gut werden, das war klar.

14.0-0-0 Ld7 15.f4 Tg8 16.Le2 a6 17.h4 b5



So, das waren von ihm jetzt so 3-4 schlechte Züge hintereinander weg. Er hat am Damenflügel nichts und ich breche auf der anderen Seite gleich durch. "+-" ?

18.g5 hxg5 19.fxg5 Df2

Alles, ohne mit der Wimper zu zucken, aber dieser letzte Damenzug, der die Alte endgültig im Feindesland versickern zu lassen droht, ist gut. Sie bindet von f2 aus meine Figuren, fesselt den Läufer und drückt gegen d4 und h4. Leider fiel mir das alles bisher nicht wirklich auf.

20.h5?! 20.Tdf1 und ja, ich hätte diese Partie gewonnen.

20...b4! 21.Sb1 Traurig, aber nach 21.Sa4 kommt eben 21...Dxd4 22.Dxd4 Sxd4 23.Txd4 Lxa4 24.Txb4 Lb5! (habe ich vorhergesehen!) und das Endspiel zu gewinnen, ist nicht gerade leicht.

21...Ke7 22.g6 Sehr direkt, nach 22.h6 gab es ja nicht etwa Zweifel, dass Weiß gut stünde.

22...fxg6 23.hxg6 Txg6 24.Th7+



Hier ging ich von einem schnellen Sieg aus. Wohin soll der König auch groß gehen? Ok, die achte Reihe ist ein schneller Tod, bleibt also...

24...Kd6!?!

Je länger ich hier nachdachte, desto weniger traute ich meinen Augen kaum. Wo verdammt, ist das Matt??

25.c4 bxc3 e.p.? Wie uns der beängstigende Fisch lehrt, war hier völlig problemlos 25...Sxd4 26.Dxb4+ c5 27.Db6+ Ke5 usw. möglich...

26.Sxc3 Natürlich und falsch. Nach 26.Dxc3 (droht einfach mal Matt auf c5!) musste er schon mit 26...Sxd4 einen Stein spucken. 27.Dxd4 Dxd4 (27...Dxe2?? 28.Sc3! +-, Idee Se4! sah ich Depp einfach nicht mehr) 28.Txd4 ergab ein Endspiel mit einer Mehrfigur, was ich ihm schon irgendwie um die Ohren gehauen hätte.

26...Tg2?! Nach langem Nachdenken ein vom praktischen Standpunkt wirklich cleverer Zug. Objektiv ist er leider falsch. Allerdings zeigt Rybka, dass Schwarz nach 26...Tg1! einfach schon auf Gewinn steht. Egal, nächste Chance!



Weiß zieht und gewinnt.

27.b3?? Mit der vagen Idee 28.Db2 und 29.Da3+, aber so geht das nicht.

27.Se4+!! (Räumung und Ablenkung) 27...dxe4 28.Dc3 hätte durch die Doppeldrohung 29.Dc5# und 29.Da3+ sofort gewonnen.

Dagegen ist der Rest der Partie nur noch Agonie:

27...Tb8 28.Kb2? Tb4 29.Ka3 Txd4 30.Dh6 Txd1 31.Lxd1 Db2+ 32.Ka4 und hier fand er nicht mal das Matt mit 32...Dxa2+, sondern zog stumpf 32...Se5+, aber auch das reichte vollkommen.

Danach holte ich allerdings noch solide 7,5/8 und trudelte eben auf dem 2.Platz ein.

Wie geht es jetzt mit dem Zoo weiter?
Ersteinmal so wie früher, aber durch den vermutlich baldigen Umzug nach Hannover könnten sich einige Veränderungen ergeben. Ihr werdets ja rechtzeitig merken! :-) Jedenfalls danke ich euch allen ganz doll für das nicht nachlassende Interesse und hoffe, ihr lest hier ersteinmal weiter. Kriegen wir alle irgendwie hin.

Dienstag, 29. Juni 2010

Pardon...

...hier geht es zur Zeit nicht so recht weiter. Das hängt mit gesundheitlichen Problemen im Familienkreis zusammen. Ich bitte, von Nachfragen abzusehen und außerdem einfach um noch ein paar Tage Geduld. Genießt doch einfach die WM!

Viele Grüße, euer Ilja

Samstag, 26. Juni 2010

Mittendrin statt nur dabei

Eigentlich wollte ich nur mal kurz in der Karlsruher Jugendherberge bei den zur Zeit stattfindenden Baden-Württembergischen U16-Mannschaftsmeisterschaften vorbeischauen, wo auch ein "Schüler" von mir teilnimmt. Nach den Eindrücken aus Oberhof kam mir dieser Turniersaal eher klein und übersichtlich vor. Aber an diesem heißen Sommertag leider auch ganz schön heiß und stickig. Ich hielt es drin nicht lange aus, schnappte meinen Schützling, der gerade gewonnen hatte und ging mit ihm analysieren. Als wir wieder den Spielsaal betraten, herrschte dort eine merkwürdige Aufbruchstimmung: Verlassene Bretter, verdeckt liegende Partieformulare und etwas auf kleine Zettel kritzelnde Kinder.

Ich wurde also Zeuge einer Hängepartie, der ersten Hängepartie, die ich mit meinen eigenen Augen erlebt habe. Und das nach über 16 Jahren Schach! Die Runde hatte um 17:00 begonnen, und die Jugendherberge serviert wie immer um 19:00 Abendbrot. Pause bis halb 8 für alle!

Und weil die Überschrift ja "Mittendrin statt nur dabei" lautet, könnt ihr euch denken, wie das Ganze weitergegangen ist: Ich musste zusammen mit meinem Schüler und seinen drei noch spielenden Mannschaftskollegen von SK Bebenhausen auf dem JH-Zimmer noch ein wenig die Künste von Botwinnik & Co. bemühen. Ich weiß nicht, wer von euch das schon mal, oder besser gesagt noch, gemacht hat - aber Analysieren von Hängepartien ist ein Knochenjob! Am Ende hat es aber was gebracht - zwei vorteilhafte Stellungen wurden gewonnen und eine recht hoffnungslose noch zum Remis gerettet, so dass SF Karlsruhe mit 3,5:0,5 geschlagen wurde. Ein Beispiel:

XY - Georg Braun, Karlsruhe - Bebenhausen, BaWü-U16 MM 2010



Georg hat hier eine Figur mehr, aber war sich unsicher, wie hier genau fortzufahren sei. In der skrupulös genauen Analyse wurde hier die Vereinfachungsidee 1...Ld7 2.Sxd6 Lc6 gefunden. Schwarz gibt noch einen zweiten Bauern ab, aber bereitet massenweise Figurenabtausch vor. Gut, leider haben wir in der Hitze des Gefechtes 3.Sf5!? übersehen (sowas ist bestimmt auch dem König der Hausanalyse Botwinnik mal passiert, also dürfen wir das auch ;-)), aber es zeigte sich, dass der Springerausfall weit harmloser war, als es aussah. Schwarz gewann später mit seiner Mehrfigur.

Später konnten wir diesen glorreichen Sieg noch beim Public Viewing ( was übrigens im Englischen soviel heißt wie "Leichenschau") feiern und uns während des Gähn-Kicks zwischen Spanien und Chile (beim Stand von 2:1 verspürte kein Team die Notwendigkeit, noch auf irgendeine Weise die Zuschauer zu unterhalten) einem typisch schwäbischen Hobby widmen.

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Überall müssen die Schwaben ihre Häusle bauen...

Donnerstag, 24. Juni 2010

Piranhabecken (II)

Ich weiß nicht, ob es an der hervorragenden Organisation, am vergleichsweise hohen Preisfonds oder an Salzgitters günstiger verkehrstechnischer Lage liegt, aber das BKK Open der Svg Salzgitter lockt jährlich unglaubliche Mengen an Profis zusammen und hat sich als mit Abstand stärkstes Schnellturnier Niedersachsens profiliert. Letztes Jahr war es schon krass genug, aber diesmal wurde noch eine ordentliche Schippe draufgelegt. Der erste, den ich sah, als ich mich dem Gebäude näherte, war ein fröhlicher, rauchender Gusti. Vermutlich hat er beschlossen, die fehlenden 20000€ für die Nationalmannschaftskasse in Einzelteilen aufzutreiben?! Jedenfalls war der langjährige Hamburger Sympathieträger und Pokerspieler in Salzgitter (nominell) haushoher Favorit. Aber auch etwa Thomas Luther, Viesturs Meijers oder auch Robert Rabiega und meine Wenigkeit, vom Vortag noch beim Berliner Grand-Prix eingespielt, wollten am Ende ein Wörtchen mitzureden haben, ganz zu schweigen von zahlreichen anderen Titulierten wie Zigurds Lanka oder Karl-Heinz Podzielny, oder schließlich die neue PSC-Hannover-Power bestehend aus Alexander Bangiev und vor allem Dennes Abel und Alexander Izrajlev, die ja nun wirklich jeden Gegner schlagen können.

Es ging also (bei perfekten Spielort, Material und Uhren) los. In den ersten zwei Runden passierte nicht viel Aufregendes, bis darauf, dass in der ersten Runde Meijers und Gustafsson zwei zwischenzeitlich absolut verlorene Stellungen gewinnen konnten, und dass Hannovers Vorkämpfer Freddy Polenz das hier noch gegen Lanka verlor:

Freddy Polenz - Zigurds Lanka, Salzgitter BKK Open 2010 (1)



...es folgte ein recht unnötiges 0:1

Dann, in Runde 3 wurde es langsam ernst. Ein schönes Manöver führte in meiner Partie gegen Stefan Breuer vom ausrichtenden Verein zu großem Vorteil und zum Sieg:

P1150842



Es ist klar, dass Weiß eh besser steht, aber mir gefiel trotzdem sehr meine Fortsetzung:

1.Tac1! 1.Txa5 Sxb3 ist nicht klar/bringt vermutlich einfach nichts. 1...Tfc8 2.Sd5! Kf8 Möglicherweise war hier 2...Txc6 3.Se7+ Kf8 4.Sxc6 Sd3 5.Sxa5 mit weißem Vorteil noch die bessere Wahl für ihn.

3.Lxb7 Sxb7 4.Sc7! Tab8 5.e6 fxe6 6.Txe6



Der Sc7 steht so geil und sein Widerpart auf b7 so miserabel, dass der Sieg am Ende keine großen Probleme bereitet hat.

In der vierten Runde gab es dann vorne nur noch Favoritenduelle und auch ein paar erste Überraschungen.

P1150903
Hinten am Spitzenbrett gewann Gusti auch die vierte Partie gegen den Tegeler Andreas Breier, während ich beim Remis gegen Michael Kopylov nicht mitziehen konnte, genauso wie die Teilnehmer des Duells der Rekordblitzmeister: Rabiega gegen Podzielny. Der lettische GM Viesturs Meijers, der wegen seiner Leistungsschwankkungen bekannt ist und neulich auch mal mit 3/6 aus einem Turnier ausstieg, besiegt meinen alten Trainer Alex Bangiev, trotz dessen felderstrategischen Neuerung im fünften Zug: 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 a6 5.Df3!? Bangiev stand gut, aber tauschte zu früh die Damen und verlor das Endspiel.

Runde 5 hielt für mich das unangenehme Los in Form meines (ab 1.7. Ex-)Mannschaftskollegen Dennes Abel bereit. Als er morgens ins Auto stieg, waren seine Worte: "Heute spucke ich irgendwem da vorne in die Suppe!" Derjenige wurde ich. Ich verlor nach langem, aber fast genauso lange aussichtlosem Kampf.

P1160001

Ein richtiges Surprise passierte allerdings paar Bretter weiter vorne: Umringt von einer Zuschauertraube opferte sich Mejers erfolgreich zum Erfolg gegen den teils schläfrig wirkenden Hamburger. Nebenbei habe ich in Salzgitter Gustis Erfolgsgeheimnis durchschaut: Er spielt schnell, aber macht langsame Handbewegungen und schläfert damit zusammen mit seiner Kopfhaltung den Gegner ein. Außerdem versteht er, glaube ich, sowieso einiges vom Schach. Nur in dieser Partie, da sollte es nichts nützen.

P1160035

Wenn meine Augen mich nicht täuschen, steht es im Moment so:



und Weiß hat ein ernstes Problem... 0:1im Endspiel.

P1150998
Podzielny und Luther an Brett 2 trennten sich derweil Remis.

Somit hatte sich Mejers mit seinen 5/5 zwar ein wenig abgesetzt, bekam von Swiss-Chess in Runde 6 aber gleich den nächsten Brocken vorgesetzt: Robert Rabiega. Währenddessen hatte Dennes, ebenfalls bei 4,5/5 notierend, vor, auch noch Michael Kopylov in die Suppe zu spucken.

P1160045
Hinten Meijers gegen Rabiega, vorne Dennes gegen einen seiner Lieblings"kunden" Kopylov.

Wie würde es weitergehen? Würde Robert in der Lage sein, endlich den ungebremsten Siegeslauf von Meijers zu stoppen? In wieviele Suppen spuckte Dennes Abel an diesem Tag denn noch? Und hätte ich die Kraft, mit meinen 3,5/5 noch einmal ganz vorne heranzukommen? Und stand das Turnier nicht zwischenzeitlich sogar vor dem Abbruch?

Lesen Sie das alles im nächsten Teil. Morgen. Oder so.

(Alle Bilder dankenswerterweise zugeschickt von Andreas Klein!)

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